Kommentar
Mit einer Frauenquote wird die Wirtschaft besser

Dass die meisten Männer und Frauen in den Vorstandsetagen gegen eine Frauenquote sind, ist nicht verwunderlich. Dabei könnte sie dazu führen, dass die Führung von Unternehmen insgesamt besser wird.
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Wer je in einer der obersten Etagen des Commerzbank-Towers in Frankfurt war, der wird als erstes wahrscheinlich von der Toilette erzählen. Vom Pissoir aus hat man durch bodentiefe Glasscheiben einen spektakulären Blick über das einem zu Füßen liegende Frankfurt – ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Die Damentoilette hingegen ähnelt eher einem fensterlosen Bahnhofsklo als einem Ort der Stille für gestresste und hoch bezahlte Manager. Aber warum sollte es auch ein ebenso schönes Klo für Damen geben? Die Wahrscheinlichkeit, dass es jemand anders als die Sekretärin oder Reinigungskraft nutzt, ist gering. Denn beruflich nach oben kommen wenig Frauen.

An der Qualifikation im Allgemeinen kann es nicht liegen, dass so wenig Frauen in Führungspositionen der deutschen Unternehmen sind: Mehr als 60 Prozent der Europäer mit einem Universitätsabschluss sind laut einer EU-Statistik weiblich. Vielleicht liegt es an der Durchsetzungskraft, vielleicht am Willen, vielleicht an den Kindern, vielleicht an den Altherren-Cliquen, die lieber unter sich bleiben wollen, wer weiß.

Ich kann Männer in Top-Positionen verstehen, die sich gegen eine gesetzliche Quote stellen. Ich kann auch die Frauen in Top-Positionen verstehen, wie die ehemalige Eon-Personalchefin Regine Stachelhaus, die sich gegen die Quote stellen – denn sie haben es bereits nach ganz oben geschafft.

Aber ich kann nicht all jene jungen Frauen verstehen, die ihre Karriere noch vor sich haben und gegen die Quote sind, wie die ehemalige Piraten-Geschäftsführerin Martina Weisband. Natürlich wollen auch Frauen eine Stelle wegen ihrer Qualifikation bekommen. Aber in erster Linie wollen sie sie doch überhaupt erst bekommen – weil sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen. Und wenn man von anderen hinter vorgehaltener Hand als „Quotenfrau“ herabgesetzt wird – bitte schön. Menschen finden immer einen Grund, warum der oder die den Chefposten nicht verdient hat. Oder finden Sie etwa nicht, dass Sie den Job Ihres Vorgesetzten viel besser könnten als er?

Wir sollten die Quote einfach wagen und schauen, was passiert. Das Argument der Quotengegner ist immer: Wenn eine Frau gut ist, schafft sie es auch ohne Quote. Das Argument funktioniert jedoch auch anders herum: Wenn ein Mann gut ist, schafft er es auch trotz Quote. Am Ende wird die Wirtschaft insgesamt besser. Und das ist es doch, was wir alle wollen. 

 

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Mit einer Frauenquote wird die Wirtschaft besser"

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  • "...weil eine Quote immer eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts darstellt..."

    Stimmt!
    btw. warum sind eigentlich Frauenparkplätze immer ca. 1/2 m breiter als andere Parkplätze?
    Schon dadurch müßten sich eigentlich Frauen (ich meine richtige Frauen, nicht "Emanzen"!) schon von vornherein diskriminiert fühlen! (o:)

  • Die Argumentation "Wenn ein Mann gut ist, schafft er es auch trotz Quote" kann man nicht gelten lassen, weil eine Quote immer eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts darstellt. Wenn ich das Grundgesetz richtig verstanden habe, ist das nicht damit vereinbar. Aber das Grundgesetz bedeutet schon lange nichts mehr, sonst würde diese Frage gar nicht erst diskutiert. Willkommen im Vierten Reich, dem paneuropäischen, schuldenfinanzierten, politisch korrekten Ökosozialismus. Ich bin dann mal weg.

  • Die Frauenquote ist ein klassisches Beispiel für Politik, die Symptome behandelt anstatt Krankheiten zu bekämpfen. Damit ergibt sich eine kuriose Analogie zu einem anderen sehr prominenten Thema: den erneuerbaren Energien. Das Problem besteht nicht darin, dass es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt oder dass es zu wenig Windräder gibt. Beides sind lediglich Symptome. Das Problem ist, dass Frauen in der Regel nicht die gleichen Möglichkeiten haben, Karriere zu machen, es sei denn, sie sind zu großem Verzicht in puncto Familie bereit. Im Energiesektor ist die Krankheit darin begründet, dass die durch CO2-Emissionen verursachten Kosten nicht adäquat im Energiepreis reflektiert werden. Was sollte eine Regierung nun tun? Die Rezepte sind bekannt. Vor allem der deutliche Ausbau und eine höhere Qualität der Kinderbetreuung sind hier zu nennen. Das reicht, den Rest erledigen die Zeit und die weiblichen Qualitäten. Hoffentlich macht die Regierung bei der Frauenpolitik nicht den gleichen Fehler wie bei der Energiepolitik. Dann bleiben uns auch jahrelange Diskussionen um hohe Kosten und Fehlanreize wie bei den Subventionen in der Energiewirtschaft erspart.

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