Kommentar
Moody's will die Euro-Bonds

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit gesenkt. Offizieller Grund: die Risiken einer Griechenland-Pleite. Doch das ist nicht das einzige Motiv. In Wahrheit geht es um Euro-Bonds.
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Die mächtige Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands gesenkt. Sie fasst also eine Herabstufung ins Auge. Damit stellt die Agentur Deutschland auf die gleiche Stufe wie die USA, die bei Moody's ebenfalls die Bestnote mit negativem Ausblick genießen. Dort ist die Staatsverschuldung 2011 von 99 auf 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen. In Deutschland ist sie von 83 auf 81 Prozent gefallen. Das US-Haushaltsdefizit betrug 2011 zehn Prozent des BIP, nach elf Prozent im Vorjahr. In Deutschland dagegen beträgt das Haushaltsdefizit ein Prozent des BIP.

Der Vergleich macht deutlich, wie willkürlich Ratingentscheidungen sind. Denn es gibt keinen objektiven Maßstab für die Kreditwürdigkeit. Fast alle Länder sind relativ hoch verschuldet und darauf angewiesen, auslaufende Anleihen durch Ausgabe neuer Anleihen zu tilgen. Wenn die Anleger aus gutem oder schlechtem Grund einem Land die Refinanzierung seiner Schulden zu vernünftigen Konditionen verweigern, dann steigt dessen Zinslast, und die Kreditwürdigkeit sinkt – eine sich selbst erfüllende Prognose. Deshalb haben die Ratingagenturen bei den Euro-Krisenländern regelmäßig das Rating gesenkt, wenn die Anleger höhere Renditen forderten.

In Deutschland und den USA ist es umgekehrt. Hierhin fließt das Kapital, das die Anleiheinvestoren den Krisenländern verweigern. Für beide Regierungen ist Schuldenmachen ein gutes Geschäft, weil die zu zahlenden Zinsen deutlich unter der Inflationsrate liegen. Dadurch verbessert sich die Finanzlage beträchtlich, und die Kreditwürdigkeit steigt. Ohne diesen Effekt müsste das Rating der USA schon längst auf dem Niveau von Spanien sein.

Die Ratingwarnung an Deutschland begründet Moody's damit, dass die Regierung sich mit den Euro-Rettungsprogrammen hohe Risiken aufgeladen hat, die schlagend werden, wenn die Krisenländer pleitegehen. Die Finanzmärkte sehen diese Möglichkeit natürlich auch, betrachten sie aber für die Kreditwürdigkeit Deutschlands als wenig relevant. Zu Recht.

Was würde passieren, wenn Griechenland und Spanien pleitegingen und in der Folge vielleicht sogar die Währungsunion zerbräche? Deutschland müsste vermutlich dreistellige Milliardenverluste aufgrund von Kreditausfällen verkraften. Die Schuldenquote würde auf das Niveau steigen, das die USA schon erreicht haben. Aber Deutschland und seine neue Währung wären noch mehr als jetzt schon das Ziel von Fluchtkapital.

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  • Also Moment mal, die Schlussfolgerung des Artikels scheint mir genau falsch gedacht zu sein.

    Durch Eurobonds würde ja genau das passieren, was nach Hänig Moodys dazu bewegt, die Kreditwürdigkeit der BRD zu senken: Nämlich Zahlungen aus dem deutschen Staatshaushalt in die Europeripherie!

    Wenn er argumentiert, das Ausfallrisiko der maroden Südstaaten schwäche die deutsche Bonität, da im Falle eines Default deutsche Gelder fließen würden, so gilt dies bei Eurobonds doch erst Recht! Hier fließen dann sogar ohne das die BRD noch irgendeinen Deckel drauf machen kann die Gelder in unbegrenzter Höhe.

    Mit dem Urteil von Moodys sehe ich im Gegenteil eher die Position gegen Eurobonds gestärkt. Denn diese müssten das deutsche Ausfallrisiko doch erst Recht erhöhen. Wenn man nämlich alle Staatshaushalte zusammenlegt, ergäbe sich natürlich ein Haushalt, der doch deutlich schwächer dastehen würde als der deutsche Staatshaushalt. Deswegen muss das Rating für solche Gemeinschaftsanleihen schon niedriger ausfallen als das von Bundesanleihen. Es wäre eben so, als wenn die BRD jetzt nochmal 10-20 % mehr Schulden hätte und wesentlich schlechtere makroökonomische Fundamentaldaten aufweisen würde.

  • Zumindest sind einige gute Hinweise in dem Artikel.
    Letztes jahr im Sommer : Der US Kongress ist mal wieder (in seine 72te) Schuldenbremse gelaufen und streitet um die erneute Erhöhung. S&P snekt den Daumen und wird vor den Kongress zitiert. Danach ein Trommelfeuer der Ratingargenturen gegen die EMU (EU-17).

    Mit der 1000 Mrd Rettungsorgie Anteil D (einschl Target-2, EZB Schrott, Dicke Bertha's usw...) ist die Germanische Staatsschuld allerdings auch jenseits der 3000 Mrd also 120% des BIP.

  • Naja wass bringt es schon wenn die USA Europa in die Inflation bringen - das wird China nur noch schneller stärken - die sich zunehmend immer weniger um US Kunden kümmern müssen, angesichts des wachsenden Heimatmarkts - mit glaube ich inzw. ~ 500 Mio Mittelschicht

    Was passiert schon wenn Eurobonds kommen - China wird noch mehr Kapital bekommen um sich Rohstoffe und Konzerne weltweit zu sichern....

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