Kommentar
Moral der Rendite

Da werden sie wieder vom Leder ziehen, die Münteferings, Ypsilantis und Vogts dieser Republik: Skandalöse 1,8 Milliarden Euro verdiente die Deutsche Bank im ersten Quartal. Unmoralisch hoch ist auch die Eigenkapitalrendite von über 30 Prozent.

Dabei werden Arbeitnehmerinteressen mit Füßen getreten, das zeigt sich schon am anziehenden Börsenkurs. In der Argumentation der SPD-Linken wäre nun der richtige Moment, um die Einstellung von – sagen wir – 5000 neuen Arbeitskräften zu fordern. Andernfalls sollten Bankkunden ihr Geld doch lieber einer Volksbank anvertrauen.

Kaum ein Unternehmensergebnis in Deutschland ist ähnlich politisiert wie das der Deutschen Bank. In Friseursalons streitet die Kundschaft über die Eigenkapitalrendite der größten Bank Deutschlands. Die zeitgleiche Verkündung von Gewinnplus und Arbeitsplatzabbau durch Bank-Chef Josef Ackermann hatte vor einigen Monaten der Kapitalismusdebatte das Feld bereitet und zu ersten Boykottaufrufen geführt.

Tatsache ist, dass sich alle glücklich schätzen können, wenn es in Deutschland wenigstens eine Bank gibt, die im internationalen Vergleich vernünftig – wenn auch nicht übermäßig – Geld verdient. Denn nur Unternehmen, die ordentlich verdienen, schaffen oder bewahren Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Dies kann einem ideologisch aufstoßen, aber man kann dagegen so wenig tun wie gegen ein Naturgesetz.

Die Zahlen der Deutschen Bank zeigen, dass sie zu Beginn dieses Jahres zu ihren internationalen Konkurrenten wenigstens aufgeschlossen hat. Ob sie dem Vergleich auch im Laufe des Jahres standhalten kann, ist jedoch alles andere als ausgemacht. Das aber ist die Voraussetzung dafür, dass die Bank auf globalen Märkten im Wettbewerb um Kapital mithalten kann und sich möglicherweise von ihrer Rolle als potenzielles Übernahmeopfer weg- und hin zu einem Institut entwickelt, das aktiv in die Bankenkonsolidierung eingreift. Wer würde am lautesten schreien, wenn Ausländer eine deutsche Großbank kaufen wollten? Richtig: Müntefering, Ypsilanti und Vogt.

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