Kommentar
Müller setzt sich an die Spitze der Bewegung

Als Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller jüngst die rentablen Reste der fränkischen Schmidt-Bank übernahm, lächelte die gesamte Finanzbranche noch milde.

Als er vor einem halben Jahr völlig überraschend die Bilanz bereinigte und das Kapital erhöhte, staunte die Kollegenschaft bereits. Jetzt, mit der geplanten Übernahme der BHF-Bank, schuldet die Szene Müller "standing-ovations": Der Commerzbank-Chef beweist in einer Zeit, in der Bedenkenträger und Zauderer den Strukturwandel behindern wie Sand ein Fahrzeuggetriebe, eine außergewöhnliche Portion unternehmerischen Mut und Entschlusskraft. Statt immer nur darauf zu warten, dass andere den ersten Schritt tun, wagt sich Müller aus der Deckung und greift zu. Einmal mehr beweist der Düsseldorfer, dass er in deutschen Landen einer der besten seines Faches ist.

Was natürlich auch bedeutet, dass er die BHF oder Teile von ihr nur kaufen wird, wenn der Preis stimmt und wenn das Kredit- und Kundenportfolio diesen Preis rechtfertigt. Von der altehrwürdigen BHF-Bank, einst groß im Industriegeschäft in Deutschland, ist leider nicht mehr allzu viel übrig geblieben, nachdem die holländische ING-Gruppe das Haus von einer Sanierungswelle in die nächste geschickt hat. Es ist zweitrangig, wie das Übernahmemodell Cobank-BHF am Ende aussieht - Hauptsache, es bewegt sich auf diesem unserem verkrusteten Bankenmarkt überhaupt etwas. Fast jeder Konsolidierungsschritt ist besser als das Fortsetzen des bisherigen Däumchendrehens.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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