Kommentar
Naiv und rücksichtslos

Wer nicht hören will, muss fühlen. Diese alte Erfahrung aller renitenten Schulkinder gilt nun auch für Kanzler Schröder und Außenminister Fischer. Die USA wollen sich dem deutschen Wunsch nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat nötigenfalls mit einem Veto widersetzen.

Die Schärfe dieser Absage kommt einer schallenden Ohrfeige für die beiden deutschen Politiker gleich. Allerdings war diese Reaktion der Amerikaner auch absehbar: Selten ist eine außenpolitische Operation gegen den Rat vieler Experten naiver, rücksichtsloser und selbstgefälliger vorangetrieben worden als ausgerechnet der Wunsch, in das höchste Gremium der Vereinten Nationen Einlass zu finden.

Der Bundeskanzler hat sich blenden lassen vom Applaus einiger Staaten für seine Weigerung, aktiv am Irak-Krieg teilzunehmen. Aus der noch jungen Souveränität Deutschlands und dessen vermeintlicher Wirtschaftskraft leitete er das Recht ab, den Atom- und Vetomächten auf Augenhöhe zu begegnen. Fischer war eitel genug, den Erfolg dieses Ansinnens mit seinem Namen verbinden zu wollen. Dabei haben beide zuallererst eines verkannt: Gerade in der Außenpolitik kommt es auf Vertrauen und dauerhafte Übernahme von Verantwortung an. Die wenigen Out-of-Area-Einsätze der Bundeswehr reichen dafür noch lange nicht aus.

Damit droht nun auch das letzte vorzeigbare Projekt von Rot-Grün und dem selbst ernannten Weltpolitiker Fischer zu scheitern. Dabei ist seine Bilanz als Außenminister ohnehin schon desaströs: Europa ein Torso, der Nahe Osten wird ohne deutsche Mithilfe befriedet, der große Freund Putin gerät auf Demokratieabwege, und die Iran-Politik Fischers spielt keine Rolle.

Den möglichen Nachfolger Fischers erwartet ein herbes Schicksal: Er muss zunächst die Scherben außenpolitischer Ungeschicklichkeiten zusammenkehren, er muss aber vor allem einer leisen und effektiven Diplomatie wieder Geltung verschaffen. Welche Akzente Angela Merkel in der Frage des Sicherheitsrates auch setzt: Sie muss ihre Schritte abwägen und dann im europäischen Verbund ihre Politik vorantreiben.

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