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Kommentar: Neue Petrobas-Chefin sorgt für gute Stimmung

Die neue Petrobas-Chefin Maria das Graças Foster ist eine ausgewiesene Energieexpertin - und eine enge Vertraute von Brasiliens Präsidentin. Investoren hoffen, dass das Unternehmen mit ihr wieder an Fahrt gewinnt.

Petrobas-Chefin Maria das Graças Foster. Quelle: dpa
Petrobas-Chefin Maria das Graças Foster. Quelle: dpa

São PauloFast drei Jahre bewegte sich die Petrobras-Aktie kaum vom Fleck. Jetzt ändert sich das, nachdem der Konzern eine neue Präsidentin bekommen hat. Denn ihr trauen die Investoren eine effiziente Arbeitsweise zu.

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Bisher überwog die Skepsis. Die Ölreserven des brasilianischen Energieriesen sind zwar, verglichen mit denen aller börsennotierten Konzerne, weltweit am schnellsten gestiegen. Doch die Investoren störte bislang, dass die brasilianische Regierung ihren Einfluss auf den Konzern massiv erhöht hat - durch eine Aktienemission, die den Einfluss der privaten Minderheitsaktionäre reduzierte. Und mit einer staatlichen Industriepolitik, bei der Petrobras zur Kraftmaschine der brasilianischen Industrie umfunktioniert wurde, weil die Regierung Jobs und Mehrwert im eigenen Land schaffen will. So erfordert die Führung des Konzerns den permanenten Spagat zwischen den Börsen in São Paulo und New York und der Regierung in Brasília. Der Unmut der Investoren belastete lange Zeit sogar die brasilianische Börse insgesamt, denn die Aktie ist nach Kapitalisierung und Liquidität der wichtigste Blue Chip Lateinamerikas.

Doch nun hat sich die Stimmung verbessert: Seit Anfang des Jahres erlebt die Petrobras-Aktie wundersame Kursgewinne von 25 Prozent. Das liegt auch an den steigenden Ölpreisen wegen des Iran-Boykotts. Aber der wichtigere Grund ist die neue Chefin: Maria das Graças Foster wird Präsidentin von Petrobras. Sie ist eine enge Vertraute der Präsidentin Dilma Rousseff - und bekannt dafür, dass sie die Vorgaben der Chefin effizient umsetzt. Doch warum reagiert die Börse positiv auf einen noch engeren Schulterschluss zwischen Politik und Konzern?

Verkürzt lassen sich die positiven Einschätzungen der Investoren zu der Ernennung Fosters so zusammenfassen: Wenn der Konzern sich schon außer mit der Ölsuche und -förderung auch noch mit dem Bau von Tankern und Bohrsonden, neuen Raffinerien, Ethanol und Biodiesel sowie Forschung und Entwicklung beschäftigen muss - dann soll er das wenigstens möglichst effizient machen. Mit der durchsetzungsfähigen, ausgewiesenen Energieexpertin Graças Foster hoffen die Aktionäre jetzt auf den Beginn eines neuen Zyklus, in dem Petrobras wieder an Fahrt gewinnt. Mit der Präsidentin Rousseff könnte die Arbeitsteilung im besten Fall so aussehen: Die Regierungschefin stärkt Foster den Rücken, so dass diese sich aufs Kerngeschäft konzentrieren kann.

Bei Petrobras gibt es viel zu tun. Der Konzern hat sich in den letzten Jahren in politischen Kämpfen für den Erhalt seiner Monopolstellung im brasilianischen Ölsektor und im Aufbau immer neuen Aktivitäten verzettelt und dabei seine wichtigste Aufgabe vernachlässigt: Brasiliens Volkswirtschaft mit ausreichend Öl und Gas zu versorgen. Auf der Positivseite für Investoren steht aber, dass Petrobras in dieser Zeit sozial und politisch neu verankert wurde und seine Monopolstellung über die gewaltigen brasilianischen Ölreserven tatsächlich gesichert hat. Beides wissen Aktieninvestoren angesichts schrumpfender Ölreserven und instabiler Förderstaaten durchaus zu schätzen.

Die neue Konzernchefin muss sich nun aber ganz simpel daran messen lassen, wie viel mehr Öl jedes Quartal durch die Pipelines fließt. Alles andere ist zweitrangig.

Der Autor ist Korrespondent in São Paulo.

Sie erreichen ihn unter: busch@handelsblatt.com

  • 05.02.2012, 19:26 Uhrglobalvoter.org

    Was AB in seiner sonst korrekten und artigen Berichterstattung ausgelassen hat, ist die Tatsache, daß Lula's PT (Arbeiterpartei) den Konzern zu zwei Dingen mißbraucht hat:
    1. Zum Arbeitsplatz Perpetuum Mobile für Parteigenossen und sonstigen Frühstücksdiretoren. (Dazu muß man wissen, daß die PT wie eine Sekte agiert und von jedem geförderten Mitglied den Zehnten einkassiert!)
    2. Zur Staatsfinanzierung und Leistungsbilanzbeschönerung
    Die neue Präsidentin hat sich des alten Petrobras Strippenziehers,unter Lula, endlich, entledigen können, da diese Blutsaugepolitik die gesamte Unternehmensstrategie und absolut dringlichen Investionspläne in Verzug und Gefahr brachte! Wollen sehen, was jetzt läuft!? Ob Brasilien seinem kolonialistischen und korrupten Savoir Vivre weiterfrönt oder sich der Moderne und Einkommensverteilung, d.h. sozialer Wachstumsgesellschaft, langfristig zuwendet. Bisher hat Dilma, verhältnismäßig, Zähne gezeigt. Die Veränderung bei der Petrobras kann Zeichen setzen. Wir plädieren, ihr, zum nächsten Geburtstag, eine kugelsichere Weste zu schenken. Politiker der Zukunft werden nicht mehr daran gemessen werden, was sie geleistet haben und wollten, sondern daran, was sie hätten leisten können und müssen! Siehe die arabischen Länder! Wenn dieser Aspekt in Brasilien nicht ernst genommen wird, kann das Land auch noch schnell mal nach hinten über kippen. Die alten Männer, wie Sarney und andere und auch Lula haben diesen anspruch der Neuzeit noch nicht nachhaltig begriffen!

  • 05.02.2012, 00:18 UhrAnonymer Benutzer: Busching

    PETROBRAS Chefin! Nicht PETROBAS wie im Titel gesagt.

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