Kommentar
Neue Regeln für die Tarifwelt

Der Streik am Frankfurter Flughafen sollte eine Lehre sein: Die Minigewerkschaften haben sich genug ausgetobt. Nun ist es an der Zeit, ihnen klare Leitplanken zu geben.
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Es ist eine Machtprobe aus dem Lehrbuch der Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft der Flugsicherheit bleibt stur, erhöht den Druck mit einem dritten Streiktag. Der Flughafenbetreiber Fraport zeigt sich ebenso unnachgiebig, will den Streik ins Leere laufen lassen.

Eigentlich wäre das kaum der Rede wert, wären da nicht die Folgen. Der Ausstand von nur 200 Mitarbeitern legt fast den gesamten Flughafenbetrieb lahm - 200 von 20 000 Mitarbeitern, das sind gerade einmal ein Prozent. Möglich ist das, weil die Vorfeldmitarbeiter für den Ablauf an einem Flughafen extrem wichtig sind.

Der Fall ist typisch. Immer häufiger bilden sich Spartengewerkschaften, die nur kleine Arbeitnehmergruppen vetreten. Doch das geschieht nur dort, wo diese Gruppen zentrale Aufgaben wahrnehmen, wo ohne sie fast nichts mehr läuft. Das gilt etwa für die Piloten, die Lokführer oder auch die Lotsen. Warum versucht die GdF erst gar nicht, sich als Gewerkschaft etwa um die einfachen Mitarbeiter bei der Lufthansa-Cateringtochter LSG Skychef zu bemühen? Weil deren Streik weitgehend verpuffen würde, weil die GdF dort kaum mehr erkämpfen könnte als etwa eine Verdi.

Das zeigt, dass etwas grundlegend schiefläuft in der Tariflandschaft. Es muss nicht zum Schaden der Tarifpartnerschaften sein, wenn neue Gewerkschaften frischen Wind mitbringen. Konkurrenz belebt das Geschäft, das gilt auch hier. Und niemand sollte das Streikrecht infrage stellen. Aber die Arbeitnehmervertretungen müssen mit dieser "Waffe" verantwortungsvoll umgehen. Das ist nicht einfach. Wenn eine neue Gewerkschaft startet, dauert es eine Zeit, bis sich beide Seiten, Funktionäre und Manager, aneinander gewöhnt haben. Verdi oder IG Metall haben erfahrene Tarifexperten, beide Tarifseiten kennen sich lange, sind eingespielt. Die "Neuen" aber wollen und müssen erst einmal herausfinden, wo ihre Grenzen liegen.

Doch es ist an der Zeit, diese Testphase zu beenden. Immer häufiger enden Tarifstreitigkeiten mit Spartengewerkschaften vor Gericht. Das zeigt, dass die neue Tarifwelt auch neue Spielregeln braucht. Die kann nur einer vorgeben: der Gesetzgeber.

Macht macht gierig, auch bei Gewerkschaften. Wo das enden kann, zeigt Großbritannien. Dort verhinderten Gewerkschaften viele Jahre wichtige Innovationen. Erst die konservative Regierungschefin Margaret Thatcher brach deren Macht. Dennoch verlor Großbritannien viele Industrien. Genau das gilt es rechtzeitig zu verhindern.

Der Autor ist Büroleiter in Frankfurt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Kommentar: Neue Regeln für die Tarifwelt"

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  • Was faseln Sie hier für dummes Zeug über Tagelöhner, Lohndumping und Mindestlohn. Die Streikenden verrichten zweifelsohne wichtige Arbeiten zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebes. Trotzdem können angelernte Arbeiter nicht einfach auf Kosten der Allgemeinheit Lohnforderungen herauspressen, die 60% über den Bezügen eines Universitätsprofessors liegen (erst vor enigen Tagen hatten wir die Professorengehälter hier im HB-Forum). Wenn Sie die Streikforderungen bis zu
    70000 Eu von Dumpinglöhnen nicht unterscheiden können, dann sollten Sie sich für einen Aufbaukurs über Grundrechenarten anmelden, sonst wird Ihnen jedenfalls garantiert niemand 70000.- als Gehalt bieten.

  • Gut, die Minigewerkschaften als Antwort auf Lohndumping einschränken, dann aber auch Lohndumping, Sklavenhandel und Ausstieg aus der Tarifbindung abschaffen.

    Wenn schon Abrüstung der Waffen, dann auf beiden Seiten!

    Andernfalls sollte auch in Deutschland Generalstreik ein Thema sein!

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