Kommentar
Nicht um jeden Preis

Wenn eine Verfassung mehr Fragen offen lässt als löst, wird sie für die Zukunft wenig taugen. Doch genau dies droht, wenn sich Sunniten, Schiiten und Kurden lediglich auf ein halbherziges Kompromisspapier verständigen. Dann ist zu fragen, ob der Irak nicht besser warten sollte und die Parlamentswahlen vorzieht.

Gestritten wird um ganz zentrale Positionen: Föderalismus, Islam, Souveränitätsrechte. Wie soll ein Vergleich etwa in der Frage der Machtverteilung aussehen, wenn die Sunniten den starken Zentralstaat wollen, Kurden und Schiiten dagegen aber in ihren Siedlungsgebieten größtmögliche Autonomie? Und was nützt ein Grundgesetz, das dem Islam quasi die Funktion einer Nebenverfassung erlaubt, wie es die Schiiten wollen?

Viele Beobachter glauben, eine schlechte Verfassung sei besser als keine. Falsch. Bagdad würde von diesen Fehlern immer wieder eingeholt.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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