Kommentar: Norwegische Butter und der deutsche Solarmarkt

Kommentar
Norwegische Butter und der deutsche Solarmarkt

Zwei Fälle von Marktversagen, eine Erklärung: Der Fiskus hat falsche Anreizsysteme gesetzt, deshalb bleiben Norwegens Butterregale leer und deutsche Solar-Bauer auf ihren Anlagen sitzen.
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In Norwegen ist die Butter knapp, in Deutschland gibt es dagegen zu viele Solarmodule. Zwei Länder, zwei Produkte, zwei Schlagzeilen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Oder doch?

Natürlich sind die Märkte für Solarzellen und Smør weit voneinander entfernt. Doch die Ursachen für die Fehlsteuerung im hohen Norden und in Deutschland sind sehr ähnlich. In beiden Fällen hat der Staat die Hände im Spiel. Und in beiden Fällen hat der Fiskus Anreizsysteme gesetzt, die Anbieter wie Nachfrager in die Falle gelockt haben. Butter ist nun wirklich kein knappes Gut in der modernen Überflussgesellschaft. Und warum Solarfirmen reihenweise pleitegehen, obwohl der Markt boomt wie nie – das muss mir einer erst noch erklären.

Beginnen wir aber in Norwegen, das seinen Öl- und Erdgasreichtum offensichtlich im nationalen Interesse zu nutzen weiß, bei der Butter aber kläglich versagt. Ein komplizierte Produktions-Quotensystem, verbunden mit hohen Einfuhrzöllen, ist zusammengebrochen – die Regale sind leer. Und selbst Norweger fragen sich: Wozu soll die Reglementierung eigentlich gut sein?

Mindestens so kompliziert sind die Folgen der Solarförderung hierzulande. Seit zehn Jahren finanzieren wir den – zweifellos notwendigen – Ausbau regenerativer Energie über eine Umlage auf den Strompreis. Hundert Milliarden Euro sind nach Berechnungen des Forschungsinstituts RWI auf diesem Wege bislang in den Ausbau der Solarenergie geflossen.

Indirekt haben wir damit einen völlig neuen Wirtschaftszweig aufgebaut, denn die Technik musste teilweise erst noch erfunden werden. Deutschland als führendes Solarland. Wenn nur die Sonne öfter schiene. Aber in der Technik haben wir weltweit die Nase vorn. Ein genialer Schachzug der Politik, könnte man meinen. Das Fördersystem taucht nicht einmal im Staatshaushalt auf.

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Norwegische Butter und der deutsche Solarmarkt

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Genug staatliche Lenkung!

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  • nun fordert Herr Rösler ein Quotenmodell anstelle des EEG Umlagensystems. Wie kann das eine Lösung sein wenn es im kühlen Norden zu leeren Kühlregalen geführt hat?

    Ich rieche Angst Herr Großmann!?

  • Tut mir leid, Herr Fockenbrock, aber Ihr Kommentar kommt mir doch etwas naiv vor. Gegen die merkantilistische Wirtschaftspolitik Chinas helfen leider nur protektionistische Maßnahmen. Das muss man nicht schön finden. Tatenlos zugucken, wie eine ganze Branche aus Europa verschwindet, ist aber auch keine Lösung.

  • Der Energiebereich war schon immer ein politischer Markt. Egal ob Zentralisierung der Energiewirtschaft, Atomkraft, Kohle und jetzt Erneuerbare Energien. Immer haben politische Entscheidungen die Richtung vorgeben. Einen freien Energiemarkt kann ich in keinem Land erkennen. Der Markt ist ein guter Diener aber ein schlechter Herr. In diesem Sinne ist es richtig die Entscheidung für einen Ausbau von Photovoltaik z.B. mit 4000 GW zu treffen. Dann kann man sich überlegen wie dies am effizientesten Umgesetzt wird.
    Einfach nur den Liberalismus auszurufen bringt uns in der Energiefrage mit Sicherheit nicht weiter.

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