Kommentar
Nützliche Heuschrecken

Wie gut, dass es noch Unternehmer gibt, die Fakten sprechen lassen. Investierende Unternehmer, die ungleich mehr für den Standort tun als SPD-Politiker, die aus Angst vor einer Wahlniederlage absurde Debatten lostreten. Ausgerechnet gestern sickerte durch, dass der US-Finanzinvestor Cerberus die Übernahme des Kölner Versicherers Gerling prüft. Cerberus gehört zu jenen „Heuschrecken“, die laut SPD-Chef Franz Müntefering auf den Finanzmärkten ihr Unwesen treiben.

Die Amerikaner wollen aus der Marke Gerling offenbar einen neuen, starken Finanzdienstleister entwickeln – zum Nutzen des Wettbewerbs, der Kunden, Mitarbeiter und nicht zuletzt des Finanzamts. Heimische Interessenten konnten sich bislang nicht zu einem Angebot für das Traditionshaus durchringen. Wenn amerikanische Investoren nun an die Stelle deutscher Zauderer treten, kann dies der deutschen Konjunktur nur gut tun, deren Schwäche die Wirtschaftsforscher heute wieder diagnostizieren. Wir brauchen Unternehmen, die möglichst hohe Gewinne machen, um alte Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Hohe Profite bedeuten zudem hohe Steuereinnahmen für den Staat.

Wenn aber wahr ist, dass Deutschland für mehr Jobs und Wachstum vor allem eine höhere Binnennachfrage mit stärkeren Investitionen braucht, dann darf nicht wahr sein, was SPD-Boss Franz Müntefering dieser Tage verzapft. Investoren, die Milliarden in die Wirtschaft stecken, diffamiert er als Gefahr für die Soziale Marktwirtschaft, für die Demokratie gar.

Es ist traurig, wenn die führende Regierungspartei so gegen die Interessen des eigenen Landes handelt. Dabei spielt jedes Wort der Kritik dem Meister der Parteitaktik in die Hände. Jede Gegenreaktion aus der Wirtschaft wandert in den Trophäenschrank der Berliner SPD-Zentrale: Endlich sind die Verhältnisse zu Freund und Feind, die Schröders Agenda 2010 in Unordnung gebracht hatte, wiederhergestellt. Genau das wollte Müntefering, und dafür riskiert er auch wirtschaftlichen Kollateralschaden.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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