Kommentar: Null Verständnis

Kommentar
Null Verständnis

Der Streik am Flughafen Frankfurt ist nur möglich, weil die Tarifeinheit in Deutschland zerbrochen ist. Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dringend reparieren. 
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DüsseldorfFür diesen Streik habe ich kein Verständnis. 200 Vorfeldlotsen, die im Schnitt 40000 Euro verdienen, wollen mehr Geld und legen deswegen einen Großflughafen lahm, auf dessen Betrieb tausende von Menschen, die genau nichts mit dieser Forderung zu tun haben, angewiesen sind. Es sind Menschen, die zu ihrer Arbeit oder zu ihren Familien gelangen wollen. So einfach und so ungerecht verhält sich das, was jetzt in Frankfurt passiert.

Damit so etwas nicht so schnell passiert, gab es einmal die Idee der Tarifeinheit. Sie besagte, dass sich kleine Interessengruppen zu größeren zusammenschließen müssen, um ihre Forderungen im Ringen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgebern durchzusetzen. Die Tarifeinheit sollte verhindern, dass eine kleine Gruppe, wie eben Vorfeldlotsen, Lokomotivführer oder wer auch immer, Partikularinteressen vertritt und die Macht hat, sie durchzusetzen, nur weil sie ein ganz entscheidendes Glied in einer Kette ist.

Je kleiner eine solche Interessengruppe ist, desto eher ist sie streikbereit. Schließlich müssen wenige Aktivisten nur eine überschaubare Anzahl von Kollegen vom Sinn der Aktion überzeugen. Die Auswirkungen sind aber die gleichen, als wenn im Fall Frankfurt das gesamte Dienstpersonal am Flughafen streikte. Geringe Überzeugungsarbeit, gewaltige Wirkung, so heißt die Gleichung seit dem Zerfall der Tarifeinheit. Sie ist in Wahrheit eine Ungleichung.

Spätestens mit dem Streik auf dem Frankfurter Flughafen durchschauen immer mehr Betroffene die Ungerechtigkeit, die in dieser Rechnung steckt. Das nützt im konkreten Fall wahrscheinlich wenig. Für zukünftige Fälle allerdings, muss den Streikführern klar sein, dass sie dem berechtigten Anliegen von Arbeitnehmern, ihren Forderungen im Zweifelsfall mit einem Streik Nachdruck zu verleihen, einen Bärendienst erweisen. Bei denen, auf deren Rücken solche Aktionen ausgetragen wird, sinkt nämlich das Verständnis dafür rapide. So wie bei mir.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Ich würde allen 200 Vorfeldlotsen sofort kündigen und entsprechendes Personal von anderen Flughäfen, Leasingpersonal usw schnellsmöglich einarbeiten.
    Für diese Tätigkeiten (Fahrer) wird ja genügendes Personal zu finden sein. Bei dem Gehalt (jetziges !!!)

  • Die Piloten haben es vorgemacht.

  • Alle Streiks wurden/werden 24h vorher angekündigt. Es gibt einen Schlichterspruch eines vom AG ausgewählten Schlichters, den die Gewerkschaft akzeptiert hat. Der AG selbst lehnt den Kompromissvorschlag des eigenen Schlichters ab, lässt eine Erklärungsfrist verstreichen und geißelt das Handeln der Gerwerkschaft als kompromisslos. Hut ab!

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