Kommentar
Nur eine Momentaufnahme

Das Investment-Banking der Deutschen Bank kommt wieder in Schwung. Doch Jürgen Fitschen und Anshu Jain eifern nicht den US-Branchenriesen nach. Der Gewinnanteil des Investment-Bankings wird wieder zurückgehen.
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Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres ihren Gewinn im Investment-Banking deutlich steigern können. Einen Vorsteuergewinn von 662 Millionen Euro trug der Bereich zum Überschuss der Bank bei. Im zweiten Quartal war der Gewinn noch um mehr als 60 Prozent auf nur noch gut 350 Millionen Euro eingebrochen. Auch blieben Abschreibungen auf Staatsanleihen diesmal aus, die das Vorjahresquartal vermiesten.

Wird jetzt im Investment-Banking also wieder richtig Geld verdient? Drehen die Deutschbanker in London und New York wieder das große Rad wie zu Anshu Jains Zeiten an ihrer Spitze? Eifert die Deutsche Bank den US-Größen Goldman und JP Morgan nach?

Wohl kaum. Der Quartalsbericht ist nur eine Momentaufnahme – für die Deutsche Bank und für die Co-Vorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Eine Momentaufnahme mitten im Umbruch, den die beiden dem Finanzinstitut verordnet haben.

Und das wissen die Chefs der Bank selbst nur zu gut. Nicht umsonst vermeldete die Doppelspitze bereits kurz nach Amtsantritt, dass 1900 Stellen gestrichen werden – 1500 davon im Investment-Banking. Die Mitteilung gab es im Juli, weit vor der viel beachteten Präsentation der neuen Konzernstrategie am 11. September. Ein klares Indiz für den künftigen Kurs. 4,5 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2015 eingespart werden, vor allem im Investment-Banking.

Doch Fitschen und Jain fahren das Investment-Banking nicht nur zurück, um den angekündigten „Kulturwandel“ zu unterstreichen. Es sind vor allem die regulatorischen Vorgaben, die die Deutsche-Bank-Führung dazu bringen. Die neuen Eigenkapitalanforderungen nach Basel III treffen Europas größte Bank nach Bilanzsumme hart. Um den größeren Kapitalpuffer vorzuhalten, wird die Bilanz geschrumpft, Risikopositionen werden abgebaut.

Das kostet, genau wie der Stellenabbau. Und das lässt sich in den aktuellen Quartalszahlen eben auch schon ablesen. Doch das Gute daran: es ist eine Momentaufnahme. Die Deutsche Bank könnte gestärkt aus dem Umbruch hervorgehen, auch wenn der Anteil des Investment-Bankings am Gewinn in ein paar Jahren kleiner sein wird als heute.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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