Kommentar
Nutzt die Chance!

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland hat begonnen: Eine Kommission legt nun die Kriterien fest, die ein Standort erfüllen soll. Damit das gelingt, müssen Gorleben-Fans und Gegner ihr Kriegsbeil begraben.
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Am 13. November 1960 ging Deutschlands erstes kommerzielles AWK in Betrieb. Ein halbes Jahr später speiste dieses Versuchsatomkraftwerk Kahl erstmals Strom in das öffentliche Netz ein. Fortan wurde munter massenhaft Strahlenmüll produziert, bis heute – 54 Jahre nach Beginn der Atomstromzeit – erstmals eine Kommission zusammenkommt, die Kriterien erarbeiten will, wie der hochradioaktive Atommüll für Millionen Jahre möglichst sicher gelagert werden kann.

Warum erst jetzt, ist eine berechtigte Frage. Die Antwort lautet: Immerhin jetzt! Denn es wird schwer genug, einen Standort zu finden, der am wenigsten schlecht geeignet ist. Niemand wird seine eigenen vier Wände gerne in der Nähe eines Atommüll-Endlagers wissen. Weder in Niedersachen, Bayern oder sonst wo. Dennoch muss ein Lager gefunden werden – in Niedersachen, Bayern oder sonst wo.

Wie eine Endlager-Suche nicht geht, zeigt das Beispiel Gorleben, wo ein Salzstock 35 Jahre lang auf seine Tauglichkeit erforscht wurde – bislang ohne eindeutiges Ergebnis. Gewachsen sind stattdessen Abneigung und Misstrauen, mit denen sich Gorleben-Befürworter und Gegner begegnen. Sie müssen ihr Kriegsbeil schleunigst begraben, damit das Projekt nicht zum Scheitern verurteilt ist.

Damit eine solch brisante Entscheidung überhaupt getroffen und den Bürgern glaubwürdig verkauft werden kann, muss von Anfang an mit offenen Karten gespielt werden. Und es müssen alle Betroffenen ihre Vertreter am Spieltisch haben.

Das ist mit der Kommission geglückt. Denn zum Start haben nun auch der BUND und die Umweltstiftung zwei Vertreter benannt. Was für einige Gruppen in der Anti-Atomkraft-Bewegung einem Verrat gleich kommt. Mit den „Gorleben-Fans“ von BDI, Eon und aus der Politik ließe sich nicht auf Augenhöhe verhandeln. Für sie ist die Kommission lediglich eine billige Taktik, um Gorleben als Endlagerstandort durchzusetzen und die Kritiker einzubinden.

Das Risiko besteht. Denn es verlangt den Kommissionsmitgliedern einiges ab, ihre bisherigen Positionen zu schleifen und eine Suche zuzulassen, die bei Null beginnt. Aber wenn überhaupt jemals ein Endlager-Standort ausgemacht werden kann, dann doch wohl nur, wenn diejenigen, die sich bislang im Wendland bekämpft haben, ihn gemeinsam finden. Darum: Lasst nicht noch mehr Jahre verstreichen und nutzt die Chance!

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