Kommentar
Obamas Alptraum ist unser Alptraum

Statt dem chinesischen Regierungschef wegen der Hacker-Attacken die Leviten zu lesen, muss Barack Obama selbst Datenschnüffelei zugeben. Das Prinzip ist gleich – nur müssen die einen hacken, die anderen haben Zugang.
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San FranciscoDas konnte Präsident Barack Obama jetzt wirklich nicht mehr gebrauchen. Eigentlich wollte er am Wochenende seinem chinesischen Counterpart Xi Jinping im kalifornischen Palm Springs ordentlich die Leviten lesen. Seit Jahren sollen sich von China aus Hacker in amerikanischen Netzwerken geheime Daten von Firmen- und Regierungsservern verschafft haben. Obama will klar machen, dass er das nicht weiter tolerieren und die chinesische Regierung dafür direkt verantwortlich machen will.

Doch Jinping hat guten Grund mit asiatischem Lächeln und massiven Gegenvorwürfen zu reagieren. Obama musste am Freitagvormittag offen zugeben, dass die USA unter seiner Aufsicht die größte Datenschnüffelei weltweit betreibt, die es je gegeben hat. Jeder, der nicht US-Bürger ist oder in den USA lebt, steht unter terroristischem Generalverdacht. Chinesen eingeschlossen. Konversationen werden mitverfolgt, E-Mails mitgelesen, Fotos angeschaut und Dateien in Internetspeichern durchsucht. Selbst US-Bürger sind in engeren Grenzen Ziele: Gewählte Telefonnummern im Inland und Ausland werden ausgewertet.

Das ist nur möglich, weil die USA durch ihre prosperierende Internet-Industrie bereits praktisch die Weltherrschaft im Internet übernommen haben. Jedenfalls in der westlichen Welt. Praktisch alle bedeutenden Internetfirmen haben ihre Ursprünge in den USA. Egal, ob Apple, Google, AOL, Skype, Dropbox, Microsoft oder Facebook: Unter US-Recht sind diese Unternehmen verpflichtet auf Anfrage Informationen über alle ausländischen Kunden bereitzustellen.

Die Unternehmen bestreiten eine aktive Zusammenarbeit. Aber das macht anscheinende keinen großen Unterschied. US-Behörden haben offenbar genügend Möglichkeiten auch auf anderem Weg an die gewünschten Informationen zu kommen. Wer einen amerikanischen Internetdienste nutzt, liefert seine Daten im Prinzip freiwillig aus. Die einem müssen hacken, die anderen haben Zugang.
Und das ist das Problem. Der Datenskandal um gespeicherte Telefonnummern mag ein US-amerikanischer Skandal sein, der Barack Obama den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit kosten könnte. Das ist nicht unser Problem. Das werden die Amerikaner unter sich regeln.
Doch die globale Internetschnüffelei ist eine Bankrotterklärung der europäischen Internetindustrie und der EU-Politik. Mit atemberaubender Geschwindigkeit diffundiert jedoch die Weltwirtschaft in die Cloud, werden Daten im Web gespeichert und Programme auf Webservern ausgeführt. Das ist die Zukunft, keine Frage. Sich diesem Trend zu widersetzen tut keiner Volkswirtschaft gut, auch nicht der deutschen. Microsoft wird in wenigen Jahren seine marktführende Bürosoftware auf Internetbetrieb umgestellt haben, Googles Büropaket Google Docs läuft von je her ausschließlich auf den Internetservern, die fast alle in den USA stehen. Wir müssen zu den Regeln der anderen mitspielen.
Die Details, die Stück für Stück über das sogenannte PRISM-Programm an den Tag kommen, sind ein Weckruf für alle Unternehmen innerhalb und außerhalb der USA. Warum Angst haben vor chinesischen Hackern? Die Daten sind wahrscheinlich ohne hin schon längst bekannt. Und die USA sind nur der Anfang. Es ist naiv zu glauben, dass andere Staaten weltweit nicht ähnliche Spionage-Aktivitäten im Eigeninteresse betreiben.

Der Mann mit Schlapphut und Minox-Kamera, der Nachts in fremde Büro einbricht, ist Vergangenheit. Der Spion heute sitzt mit einem Kaffee am Schreibtisch im warmen Regierungsbüro und sammelt weltweit seine Informationen ohne jedes persönliche Risiko. Sicherer ist die Welt damit nicht geworden. Jedenfalls nicht für jeden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Seit wir den 2ten Weltkrieg verloren haben werden wir von den Siegermächten abgehört. Das ist wohl von allen deutschen Regierungen so gewollt. Keine hat bisher etwas unternommen, um gegen diese Verstöße vorzugehen.
    Diese Schäden sind immens. Diese Wirtschaftsspionage führt auch dazu, dass US Firmen mit geklauten deutschen Forschungsergebnissen eigene Patente anmelden und so den Deutschen Forscher schlichtweg berauben. Es ist erstaunlich wie naiv und weltfremd unsere Industrie und Forschung per Videokonferenz, emails, Telco und Cloud ihre Daten jedwedem Interessenten freiwillig zur Verfügung stellen. Dies ist auch schon längst im privaten Bereich Usus. Mir ist es unverständlich warum diese Gleichgültigkeit/Fahrlässigkeit so um sich gegriffen hat. Mit wenig Aufwand lässt sich der Zugriff auf geheime/sensible Daten erschweren. Die Kosten solche Daten dann noch erfolgreich abzuschöpfen würden sich vervielfältigen. Sehr interessant ist auch wichtige/sensible Daten so zu manipulieren, dass der Abschöpfende bei der Nutzung dieser Daten geschädigt wird.
    Ein simples Verfahren zum Datenschutz ist das Verbot Daten auf externen Datenträger zu kopieren. Entwicklungsarbeiten auf Rechnern im Offlinebetrieb auszuführen. Den Einsatz von Offshore EntwicklerTeams zu vermeiden....

  • Frage: Wer ist so blöd und speichert Daten im Netz, wo doch Festplatten und Sticks heute nichts mehr kosten ?

    Außerdem: www.reactos.org

    Ein Windowskompatibles Open-Source Betriebssystem von einer Community weltweit programmiert ! Selbst Treiber sind kompatibel. Noch ist der Status alpha, d.h. es kann derzeit noch abstürzen, aber gebt den Jungs noch 5 Jahre und REACTOS ist der Nachfolger von Windows 7 !

    Da läßt sich dann keine Hintertür einbauen !

    Die ganze Welt wird ein freies OS haben, es ist NICHT Linux, es hat nichts mit Linux zu tun, Windows 2003 wird im prinzip "nachprogrammiert".

    Es läuft schon erstaunlich gut, für das das die Programmiere alle ohne Bezahlung arbeiten !

  • Was ist der beste Online-Schutz? Offline gehen! Oder wie wollen NSA, CIA, Mossad, Chinaman und KGB-Nachfolger die Eintragungen in meinem pBook (Paperbook, sprich Notizbuch) hacken?

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