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Kommentar: Obermann braucht mehr Ideen

Die Jahresbilanz der Telekom tut weh: Der Überschuss sank noch deutlicher als erwartet und der geplatzte Verkauf der US-Tochter wirft existenzielle Fragen auf. Telekom-Chef Obermann gehen die Argumente aus.

Wer von einem Konkurrenten drei Milliarden Dollar überwiesen bekommt, könnte sich eigentlich freuen. Nicht so René Obermann. Der Chef der Deutschen Telekom hatte mit ein paar Milliarden mehr gerechnet – aus einem Verkauf, nicht als Entschädigung.

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Die Veräußerung von T-Mobile USA sollte Obermanns Meisterstück werden. Er wäre damit sein größtes Problemkind losgeworden – und hätte nebenbei den Schuldenberg der Deutschen Telekom um fast ein Drittel tilgen können.

Jetzt hat ihm der geplatzte Deal seine Jahresbilanz verdorben. Da half auch alles sparen nichts: Zwar zeigte das 4,2 Milliarden Euro schwere Sparprogramm, das Obermann dem Konzern verordnet hatte, seine Wirkung. Doch nach der heute vorgelegten Jahresbilanz gehen Obermann mehr und mehr die Argumente aus. Der Überschuss sank 2011 auf 557 Millionen Euro - Analysten hatten mit 2,95 Milliarden Euro Überschuss gerechnet. Auch wenn es Sonderbelastungen gab wie hohe Aufwendungen für Pensionäre in Deutschland sowie Abschreibungen auf die Mobilfunktochter T-Mobile USA und das Griechenland-Geschäft: So geht es nicht weiter.

Ewig kann Obermann den Konzern nicht auf Sparflamme weiterführen. Die Deutsche Telekom fällt inzwischen gegenüber der spanischen O2-Mutter Telefonica und der britischen Vodafone zurück. Diese haben in Indien und Brasilien eine starke Position – und erwirtschaften dort nachhaltiges Wachstum.

Mitte November musste Obermann zugeben, dass es „mit unserer hohen Nettoverschuldung im Moment keinen Spielraum für Zukäufe“ gebe. Abhilfe sollten die 39 Milliarden Dollar von AT&T bringen. Die werden aber bekanntlich nicht kommen. Bisher hat Obermann keinen neuen Plan vorgestellt, wie er sich diese Spielräume verschaffen will – und was mit der US-Mobilfunksparte geschehen soll.

Auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenzen sagte Obermann nun, dass noch mal Milliarden in das US-Geschäft fließen. Da passt der Spruch, wer A sagt muss auch B sagen. Doch ein enormes Risiko ist es dennoch. Die Anleger sprechen ein gerechtes Urteil: Die Aktie verliert in einem freundlichen Markt, ohne aber gnadenlos abgestraft zu werden.

  • 25.02.2012, 16:05 UhrAnonymer Benutzer: R.B.

    Ich glaube man muss da weiter ausholen.
    Kommen wir gleich zur Kernthese:
    Die Operator sind der Esel auf dem Apple, Youtube, Ebay, Amazon, Facebook & Co zum Erfolg reiten.

    Letztere betreiben ein parasitäres Business-Model auf Kosten der Firmen, die die Netzwerke bereitstellen.
    Die Wertschöpfung, also da wo das big money gemacht wird, ist vom Netz an deren Enden gewandert. Man vergleiche nur mal die MK von Apple mit Telefonica, Dt. Telekom, und dgl.
    Die Flatrate hat ein Geschäftsmodell mit ursprünglich hohem Cashflow zu einem mit geringer Marge gewandelt.

    Es kommt aber noch schlimmer. Nicht nur die Wertschöpfung ist vom Netz zu den Enden gewandert, sondern auch die „Intelligenz“. Anwendungen wie Skype und Whatsapp – RCS wird ein Rohrkrepierer, sozusagen „dead at arrival“ - , wildern in der ureigensten Domäne der Operator.

    Wie kommt man aus der Falle raus?
    Man setzt gewisse Hoffnungen in die sog. „policy control“, also höhere Bandbreite für mehr Geld und ist dabei das Netz vollkommen auf IP umzustellen. Ich befürchte aber das wird nicht reichen.
    Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist, dass die Firmen mit dem parasitären Geschäftsmodell (s.o.) einen Teil ihres Umsatzes an die Telekoms weiterreichen.

    Hausgemachte Probleme wie bei der Dt. Telekom kommen natürlich noch hinzu.

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