Kommentar
„Old GM“ wird beerdigt

Fritz Henderson geht. Auch wenn er Meriten erworben hat: Zu lange war der Manager Mitglied im Club von „The Old GM“ – und mitverantwortlich für all die Entscheidungen, die den Autoriesen in Existenznot brachten. Verwaltungsrats-Chef Whitacre zeigt nun, wie ernst es ihm mit seinem Projekt „The New GM“ ist.
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"Jeder wusste um Detroits Ruf einer inselartigen, sich langsam bewegenden Kultur. Trotz dieser niedrigen Erwartungen war ich schockiert über das erstaunlich schwache Management, das wir vorfanden, insbesondere bei GM."

Dieses verheerende Zeugnis, schwarz auf weiß festgehalten in der November-Ausgabe des US-Magazins "Fortune", stammt von Steven Rattner. Von jenem Mann also, der als Washingtons "Auto-Zar" Regie führte beim staatlich überwachten Insolvenzverfahren der Auto-Ikone. Frederick Henderson, geboren in Detroit, Sohn eines langjährigen GM-Managers, war seit 1984 Teil dieser Firmenkultur. Er kenne keine andere, hat er kurz nach seiner Beförderung gegenüber dem Verwaltungsrat eingeräumt.

Neun Monate später ist die Ära Henderson bereits Geschichte. Weil er zu lange Mitglied war im Club von "The Old GM" - jenem abgespaltenen Unternehmensteil, dessen riesige Milliardenlasten auf Jahre hinaus im Konkurs abgewickelt werden müssen.

Anders als Vorgänger Rick Wagoner, den US-Präsident Barack Obama im März 2009 aus dem Amt tragen musste, geht Henderson nicht ohne Meriten. Der 51-Jährige mühte sich redlich um jenen Kulturwandel, den Obama und der Verwaltungsrat umgehend nach Wagoners Abberufung einforderten. Henderson war zupackender, selbstkritischer und auskunftsfreudiger als sein langjähriger Weggefährte. Er steuerte den Autokonzern durch ein Insolvenzverfahren, ohne dass sich die Kunden in Scharen von GM abwandten.

Eine realistische Chance, längerfristig an der Spitze einer runderneuerten Firma ("The New GM") zu stehen, hatte er gleichwohl nie. Vom ersten Tag an war Henderson ein CEO auf Abruf, ein Lückenfüller in einer für GM existenzbedrohenden Phase. Obamas Auto-Sondereinsatzkommando wollte auf dem Höhepunkt der US-Krise wenigstens einen erfahrenen GM-Kapitän an Bord halten, der in dem weltweit verzweigten Konzern alle Verstrickungen und Telefonnummern kannte.

Mit all diesen Kontakten jedoch stand Henderson stets für "The Old GM", nicht für den ehrlichen Neuanfang. Auf die Frage, ob Henderson der richtige Mann auf dem GM-Chefposten sei, lieferte der neue Aufsichtsratschef Edward Whitacre bereits im Sommer eine geradezu verräterische Antwort: "Zurzeit ja."

Kaum aus der Insolvenz entlassen, ließ Whitacre keine Gelegenheit aus, die neuen Machtverhältnisse in Detroit aufzuzeigen. Er kritisierte die Businesspläne des Managements als "zu optimistisch", nannte einen von Henderson ins Spiel gebrachten Börsen-Fahrplan "verfrüht" und forderte den CEO auf, die hohen Auto-Rabatte bei GM zu senken und gleichzeitig Marktanteile zu steigern.

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