Kommentar Panik bei ARD und ZDF

Der Einwurf von Ministerpräsident Kurt Beck gegen vier teure Digitalkanäle kam überraschend - und doch ist er richtig. Die Gebühren müssen sinken, die Politik muss die Zahler vor Luxusprojekten schützen.
27 Kommentare
Hans-Peter Siebenhaar betreut im Handelsblatt-Ressort Unternehmen & Märkte die Medienbranche. Quelle: Pablo Castagnola

Hans-Peter Siebenhaar betreut im Handelsblatt-Ressort Unternehmen & Märkte die Medienbranche.

(Foto: Pablo Castagnola)

Nicht nur zur Karnevalszeit geht es in Mainz bisweilen schillernd zu. In der Bütt der politischen Prunksitzung steht diesmal der Tausendsassa der deutschen Rundfunkpolitik, Kurt Beck. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder und Chef des ZDF-Verwaltungsrats, fordert die Einstellung von vier Digitalkanälen bei ARD und ZDF. Das ist zwar prinzipiell gut so, kommt aber sehr überraschend. Plötzlich sieht das politische Schwergewicht keine Notwendigkeit mehr, beispielsweise neben den Kultursendern Arte und 3 Sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten.

Unterdessen herrscht auf dem Mainzer Lerchenberg, dem Sitz des ZDF, blankes Entsetzen. War Beck nicht so eine Art Schutzpatron? Propagierte der SPD-Politiker nicht stets die ungehemmte Expansion von ARD und ZDF?

Der Schwenk von Kurt Beck kommt aus heiterem Himmel. Denn nicht die Sender, sondern die Länder stellen schließlich die Weichen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das ist auch im Fall der Digitalkanäle, jeweils drei Sender beim ZDF und drei bei der ARD, nichts anders. Auch mit der ausdrücklichen Zustimmung von Beck trat vor zwei Jahren die 12. Änderung des Rundfunkstaatsvertrags in Kraft. In den Anlagen auf den Seiten 43 bis 54 werden von den Ländern en detail sämtliche Aufgaben der neuen Sender definiert. ARD und ZDF erfüllen nur den Auftrag, den ihnen Rundfunkpolitiker wie Beck auferlegt haben.

Der Mainzer Landeschef ist seit Jahren an vorderster Front dafür verantwortlich, dass ARD und ZDF in ihrer Gier nach neuen Sendern und Internetangeboten immer mehr aus dem Ruder laufen. Sollte der Lobbyist des ZDF dauerhaft seine Meinung geändert haben?

Das wäre eine höchst erfreuliche Nachricht. Dann wäre ihm der Beifall aus der Wirtschaft und von den Bürgern sicher. Denn immer mehr Unternehmen und Menschen haben die Nase voll vom teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunk weltweit.

Eine radikale Kehrtwende in der verschwenderischen Rundfunkpolitik der Länder ist überfällig. In Zukunft sollten wir nicht mehr darüber streiten, ob die GEZ-Gebühr von derzeit 17,98 Euro weiter steigt. Vielmehr sollten wir Reformen anpacken, die dafür sorgen, dass die Rundfunkgebühr schnell sinken kann. Der Verzicht auf weitgehend überflüssige Digitalsender bei ARD und ZDF wäre dafür eine gute Voraussetzung.
    

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Panik bei ARD und ZDF

27 Kommentare zu "Kommentar: Panik bei ARD und ZDF"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie wäre es denn, wenn wir einfach RTL dichtmachen und allgemein auf ö.-r. Rundfunk setzen? Ach, ein Traum... Im Ernst: Die Digitalkanäle sind als Testformate und zur Mehrfachverwertung großartig geeignet, auch wenn man sicherlich einige Kosten etwas eindampfen könnten. Ansonsten scheint mir der Kommentar auch eher der Angst der Printmedien vor der Netzexpansion geschuldet zu sein. Ein Tipp, liebe Zeitungsleute: Macht mal spannenden, hintergründigen Journalismus, dann kauft und liest euch auch wer - wenn ihr eure Druckfläche für Selbstbespiegelung verprasst, seid ihr mir zu teuer...

  • Sechs Kanäle sind bei ARD und ZDF zuviel.
    EUR17,98 als öffentlich rechtliche Rundfunkgebühr, gehört reduziert.
    Der Gebührenwahn von ARD und ZDF ist aber nicht nur auf zuviele Kanäle zurückzuführen.
    Vor allem die astronomischen Gehälter von festen Redakteuren in ARD und ZDF haben ihren erheblichen Anteil an der Gebührenexplosion.
    Öffentlich-Rechtliche Anstalten, die ihre Redakteure, mit Regelmässigkeit bereits mit 58 in den Vorruhestand gehen lassen, müssen sich nicht wundern, wenn sie kein Geld haben.
    Der beamtenähnliche Apparat von ARD und ZDF gehört einer Strukturveränderung bezüglich seiner Personalpolitik unterworfen.

  • Sechs Kanäle sind bei ARD und ZDF zuviel.
    EUR17,98 als öffentlich rechtliche Rundfunkgebühr, gehört reduziert.
    Der Gebührenwahn von ARD und ZDF ist aber nicht nur auf zuviele Kanäle zurückzuführen.
    Vor allem die astronomischen Gehälter von festen Redakteuren in ARD und ZDF haben ihren erheblichen Anteil an der Gebührenexplosion.
    Öffentlich-Rechtliche Anstalten, die ihre Redakteure, mit Regelmässigkeit bereits mit 58 in den Vorruhestand gehen lassen, müssen sich nicht wundern, wenn sie kein Geld haben.
    Der beamtenähnliche Apparat von ARD und ZDF gehört einer Strukturveränderung bezüglich seiner Personalpolitik unterworfen.

  • Richtiger Ansatz, man kann versuchen zu glauben, dass die Öffentlich-Rechtlichen mit geballter Macht Zuschauer an sich zu saugen, um die Privaten auszuschalten. Mehr Fernseh ist umso fataler, als die Kinder gar nicht so viel fern sehen sollen und die Theaterinteressierten lieber ins Theater gehen sollen und nicht vor der Glotze vereinsamen.
    Ständig die Wiederholungen nerven, in jeder Woche gibt es ca. 10x einen Tatort. Eins ist aber wichtig, wir brauchen einen Kanal mit richtigen Themen/Dokumentationen, weil ich den größten Teil des Wochenprogrammes-egal ob Öffentlich-Rechtlich oder Privat ätzend finde, insbesondere Koch, Gerichts-oder die Anschreisendungen.

  • Recht so, Herr Beck, die Einsicht kommt aber leider spät. Als überzeugter Internet Nutzer schaue ich kein Fernsehen, und vermisse es auf keiner Ebene. Eine allgemeine Gebührenpflicht ist gelebter Sozialismus.
    Über die Geldschleuder öffentlich rechtlicher Rundfunk kann ich mich nur ärgern. Leider ist die miserable Qualität der meisten Sendungen an den verflachten allgemeinen Geschmack angepasst.

  • Recht so, Herr Beck, die Einsicht kommt aber leider spät. Als überzeugter Internet Nutzer schaue ich kein Fernsehen, und vermisse es auf keiner Ebene. Eine allgemeine Gebührenpflicht ist gelebter Sozialismus.
    Über die Geldschleuder öffentlich rechtlicher Rundfunk kann ich mich nur ärgern. Leider ist die miserable Qualität der meisten Sendungen an den verflachten allgemeinen Geschmack angepasst.

  • Ich finde das System der öffentlich-rechtlichen Sender ziemlich aufgebläht. Es sind ja nicht nur die vielen TV- und Radiosender, sondern auch zwei weitgehend redundante Internetangebote.

    Außerdem stört mich, dass bei größeren Sportveranstaltungen ARD und ZDF immer tagweise alternierend berichten. Da braucht man immer die doppelte Anzahl an Personal vor Ort.

    Ich denke, das Einsparpotential ist immens. Es sollte eine kritische Instanz geben, die den Umfang der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten überprüft.

    Im Prinzip zweifle ich sogar an, ob man zwei große Staatssender benötigt.

  • Die öffentlich-rechtlichen haben ein massives Problem mit der Altersstruktur: Unterhaltungssendungen werden dort vorwiegend für die Generation Kukident produziert. Mit den Digitalprogrammen versucht das ZDF jetzt einen neuen weg zu gehen und das Ergebnis sieht garnicht mal schlecht aus. Wäre schade, würden diese Angebote nun wieder eingestellt werden, der der ÖR Rundfunkt sollte doch möglichst alle Altersgruppen zu erreichen suchen.

  • Die öffentlich-rechtlichen haben ein massives Problem mit der Altersstruktur: Unterhaltungssendungen werden dort vorwiegend für die Generation Kukident produziert. Mit den Digitalprogrammen versucht das ZDF jetzt einen neuen weg zu gehen und das Ergebnis sieht garnicht mal schlecht aus. Wäre schade, würden diese Angebote nun wieder eingestellt werden, der der ÖR Rundfunkt sollte doch möglichst alle Altersgruppen zu erreichen suchen.

  • Wer die Nase voll hat kann doch nicht Herr Achtlocke bestimmen. Ob die digitalen Kanäle wirklich zu teuer sind, wo dort doch nur Wiederholungen der Hauptsender laufen?
    Solange es das verdummende Privat-TV gibt, kann ich mich über die öffentlich-rechtlichen Sender nicht beklagen.
    Dieter Bohlen und Heidi Klum sind so überflüssig wie ein Kropf. Nein, sie sind sogar schädlich!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%