Kommentar
Papst auf Probe

Der Weltjugendtag in Deutschland ist die erste internationale Bewährungsprobe für Papst Benedikt XVI. Die Welt schaut auf den Besuch des Kirchenführers in seiner Heimat und erwartet Auskunft über die Rolle, die der global agierende Vatikan in Zukunft spielen will.

In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit hat der neue Papst noch keine Botschaft vermittelt. Im Gegenteil: Schon wurde der Vorwurf der Farblosigkeit erhoben. Der ist leicht gemacht, da viele noch zu sehr den Professor und Glaubenshüter Joseph Ratzinger im Kopfe haben. An Benedikt XVI. selbst ist es jetzt, das Treffen mit der Jugend zum ersten kraftvollen Akzent seines Pontifikats zu machen.

Dabei kann er sich jedoch nicht aussuchen, worüber er spricht. Wer in die Schuhe von Johannes Paul II. gestiegen ist, muss unweigerlich zwei Fragen beantworten, zu denen der Vorgänger Stellung bezogen hat: Wie kann der Friede in der Welt erhalten werden? Und wie können die Religionen in einen Dialog treten, der die gefährlichsten Konflikte entschärft?

Mit großer Spannung verfolgen daher Vertreter des Judentums und des Islams, wie sich der Heilige Stuhl positioniert. Der deutsche Papst ist in besonderer Weise bei der Aussöhnung mit dem jüdischen Volk gefordert. Doch muss er gleichzeitig dem Islam die Hand reichen. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hat dies aus Sicht der Muslime vor allem dadurch getan, dass er den Krieg gegen den Irak – ein islamisches Land – öffentlich verurteilt hat.

Jetzt droht eine neue Gefährdung des Weltfriedens, diesmal durch das iranische Atomprogramm. Wenn der Streit sich verschärft und die USA sowie Europa nicht mehr mit dem dortigen Regime sprechen sollten, könnte der Vatikan als Vermittler und Friedensstifter gefragt sein. In allen diesen Krisen gilt: Der Papst muss sich frühzeitig als Freund der anderen Religionen bewiesen haben – durch mutige Worte und überzeugende Gesten.

Sie werden jetzt von Benedikt XVI. erwartet. Die Jugend der Welt mit ihrem Sinn für Authentizität wird in den nächsten Tagen Seismograf dafür sein, wie sehr der neue Pontifex diese Rolle in Zukunft ausfüllen kann.

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