Kommentar
Putins Großmachtphantasien

Die Aufrüstungspläne des russischen Präsidentschaftskandidaten sind ein Geschenk an die Sowjetnostalgiker. Politisch ist es ein Rückschritt. Macht definiert sich längst nicht mehr durch die Größe des Waffenarsenals.
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Ein Phantomschmerz plagt Wladimir Putin mit regelmäßiger Wiederkehr. Es ist der Verlust der Weltmachtstellung Russlands. Sein jüngstes Versprechen in der Regierungszeitung „Rossijskaja Gazeta“, über die kommenden Jahre 575 Milliarden Euro in die Rüstungsindustrie zu pumpen, soll nun ein Heilmittel gegen das Leiden sein: Der Premier will, dass Russland in der Rangliste der Großmächte wieder aufsteigt. Doch den einstigen Einfluss des Sowjetimperiums kann sein Land nicht mehr erlangen.

Vor allem deswegen nicht, weil zur Supermacht heute nicht mehr wird, wer am lautesten mit den Waffen klirrt. Es kommt vielmehr darauf an, über eine robuste Wirtschaft zu verfügen, die auch Krisen aushalten kann. Beim letzten großen Crash war in Russland das Gegenteil der Fall.

Putin versucht, jenen Sowjetnostalgikern zu gefallen, die wie er finden, dass es in militärischen Fragen zu viel Patriotismus überhaupt nicht geben könne. Doch viele Steuerzahler sähen Milliardenausgaben statt beim Militär lieber in der Erneuerung der Infrastruktur, im Gesundheitssystem, der Forschung oder der Förderung des Mittelstandes. Putin hält dem entgegen, die Rüstungsindustrie sei eine Lokomotive, die weitere Wirtschaftszweige in Fahrt bringen könnte. Doch wäre es sicherlich sinnvoller, das Geld ohne Umwege direkt in andere Sektoren zu investieren.

Die These, bei dem Artikel handele es sich eher um Wahlkampfgetöse als um die Ansage eines neuen Wettrüstens, wird auch dadurch gestützt, wie Putin derzeit alte Feindbilder bedient. Schon vor einigen Tagen hat der Regierungschef wiederholt den Westen beschuldigt, die Massendemonstrationen gegen ihn zu unterstützen.

Keine Frage: Der Westen hat in den vergangenen Jahren Fehler im Umgang mit Russland gemacht. Die Nato hätte bei der geplanten Raketenabwehr Moskau enger in ihre Pläne einbinden müssen und Russlands Vorstellung von einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur nicht einfach ignorieren sollen. Russland will von den USA und Europa als gleichberechtigter Partner betrachtet werden. Vielleicht bietet die nächste Amtszeit des Präsidenten – der kein anderer sein dürfte als Putin – die Chance, diese Fehler zu korrigieren. Denn Russlands Konzentration auf die Beziehungen zum Westen ist längst überholt. Der Kreml muss sich anderen Herausforderungen auf internationaler Ebene stellen.

Allen voran das Verhältnis zu Asien. Moskau hat nur langsam erkannt, dass man es dort mit neuen, aufstrebenden Weltmächten zu tun hat. Die geplante russische Gas-Pipeline nach Südkorea ist ein wichtiger Schritt für den Kreml. Gelingt es Moskau nicht, seinen Einfluss in Asien auszubauen, wird es in der Weltpolitik bald nur noch eine Nebenrolle spielen. Selbst der Traum von der alten Größe wäre damit endgültig vorbei.

Der Autor ist erreichbar unter: bilger@handelsblatt.com

Oliver Bilger ist Korrespondent in Moskau.
Oliver Bilger
Handelsblatt / Korrespondent Moskau

Kommentare zu " Kommentar: Putins Großmachtphantasien"

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  • Amadeus meint:
    Es wird sich zeigen, ohne zu übertreiben es könnte ein berecheter Schachzug sein. Ich denke man sollte ihn nicht unterschätzen. Der USA geht es im Osten auch nicht um Menschenrechte und Atompolitik, sonden nur um ihre Vorherrschaft. Wenn sich die USA mit Iran einlassen, nutzt er die Stunde und kommt gegen Westen, da werden einige ganz dumm aus der Wäsche kucken. Iran wird zum 3.Weltkrieg führen, dazu bereiten sich schon alle ingeheim vor.

  • "gut für die freie Welt."
    Von was träumt so ein hirngewaschener Mensch denn nachts?

  • "Macht definiert sich längst nicht mehr durch die Größe des Waffenarsenals"
    Nein, nicht? Noch nie was von USA und der Nato gehört, oder?

    Um den Imperialismus der USA wenigstens etwas unter Kontrolle zu halten, ist das was Putin macht, wirklich notwendig!
    Die Amis und deren Sklaven verstehen nichts anderes!

    Die Russen, zusammen mit den Chinesen und einigen anderen demokratischen Staaten sind dann hoffentlich militärisch und wirtschaftlich so schlagkräftig, dass sich diese Weltverbrecherorganisatoren nicht mehr aus dem Haus trauen!
    Es geht nur noch mit Gewalt, für Verhandlungen ist die Zeit schon lange vorbei!

    Auch wenn die militärische Vormachtsstellung noch bei den USA liegt (was anderes haben sie wirtschaftlich nicht mehr zu bieten) so ist eine Eskalation mit 3 Milliarden intelligenten Menschen für diese Verbrecherorganisation zum Scheitern verurteilt und die Amis werden zu den Winzlingen die sie geistig schon lange sind!

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