Kommentar
Ratings werden immer unwichtiger

Wo Roland Berger so ganz allmählich kapituliert, versucht die Bertelsmann Stiftung noch mal alles: Ein europäisches Ratingprojekt kommt nicht voran. Dabei werden Ratings immer unwichtiger.
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In diesem Jahr haben die großen Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch bereits wieder massenweise die Bonitätsnoten von Euro-Ländern herabgestuft. Die Anleihen speziell aus Spanien und Italien stehen erneut unter massivem Druck, und die Renditen schießen nach oben. Vor diesem Hintergrund erscheint es passend, dass die Bertelsmann Stiftung mit einem Konzept für eine neue, unabhängige internationale Ratingagentur aufwartet, die sich auf die Bewertung von Staaten konzentrieren will.

Doch leider sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen. Die Märkte haben sich längst von den Urteilen der Ratingagenturen abgekoppelt. Die Diskussion um eine europäische Ratingagentur als Gegengewicht zu den amerikanischen verfehlt daher das eigentliche Thema: die Krise zu bewältigen, die die Agenturen nur benoten. Denn nach den Ratingherabstufungen im Januar und Februar stiegen sogar zunächst die Kurse der Anleihen der Krisenländer, weil die Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) noch wirkten.

Diese Wirkung verpufft langsam wieder, und die Investoren machen sich - unabhängig von irgendwelchen Ratings - Sorgen um den Sparwillen in den Ländern und die Rezession. Es mag löblich sein, wenn die Ratings von Ländern vorausschauender, nachhaltiger und transparenter werden, wofür die Bertelsmann Stiftung Vorschläge macht.

Ein Gegengewicht zu den angelsächsisch dominierten Häusern S&P, Moody's und Fitch wäre sicher gut. Aber es ist zweifelhaft, dass die Investoren dafür Geld in die Hand nehmen. Und das Thema ist inzwischen so zweitrangig, dass die Politik sich nicht darin verbeißen sollte.

Wie schwierig die Gründung eines Ratingunternehmens ist, zeigt sich aktuell am Projekt für eine europäische Agentur, für das die Strategieberatung Roland Berger - mit Unterstützung der Politik - schon länger Geldgeber sucht und keine findet. Dabei gab es die ersten Vorstöße für die Gründung einer europäischen Agentur schon vor fast 20 Jahren. Doch Ratingagenturen müssen sich über viele Jahre einen Ruf aufbauen, um von den Investoren überhaupt wahrgenommen zu werden.

Wichtig auch: Die Politiker haben selbst jahrelang durch Aufsichtsregeln dazu beigetragen, die Bedeutung der bestehenden Agenturen zu zementieren. Das Wichtigste ist deshalb, die Regulierung von diesen Ratings zu entkoppeln. Dann werden sie noch unwichtiger als jetzt schon - und das ist letztlich das, was sich die Politiker wünschen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Ratings werden immer unwichtiger"

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  • Man sollte Bilanzen schon selber lesen können und die üblichen Schlupflöcher darin kennen. Die Ratingagenturen und Analysten sind übrigens selten genau der gleichen Meinung bzgl. "Wert". Ob da das Devisenfischen initial mitspielt? Vor der Dividende die Aktie nach unten "raten" und nach der Dividendenmitnahme wieder nach oben, damit man wieder flüssig machen kann???

  • hallo werte Andrea Cünnen,

    sofern Sie diese Meinung

    "Das Wichtigste ist deshalb, die Regulierung von diesen Ratings zu entkoppeln. Dann werden sie noch unwichtiger als jetzt schon - und das ist letztlich das, was sich die Politiker wünschen."

    ernsthaft vertreten möchten, seien Sie herzlich willkommen in Wolkenkuckucksheim.

    Der mit Abstand größte und wichtigste Kapitalmarkt ist und bleibt vermutlich auf Sicht jenseits des großen Teiches zu finden.

    Wer daran teilhaben möchte, hat die dort geltenden Gesetze und Regularien zu erfüllen ... oder darf dort nicht mitspielen.

    Nähere Ausführungen dazu finden Sie in meinem HB-Kommentar

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/eigenes-konzept-bertelsmann-stiftung-bastelt-an-einer-ratingagentur/v_detail_tab_comments,6517380.html

  • "Handelsblatt-Redakteurin Andrea Cünnen beobachtet seit Jahren die Ratingagenturen." und dann "Dann werden sie noch unwichtiger als jetzt schon - und das ist letztlich das, was sich die Politiker wünschen."

    Frau Cuennen, wuerden sie bitte ihre Aussage belegen. Da ich seit 15 Jahren mit Ratings arbeite im Umfeld von Debt Capital Markets, kann ich ihre Behauptung nicht nachvollziehen, desweiteren ist eine solche Aussage von Beleg einfach unakzeptabel.

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