Kommentar Raus aus der Krise - rein in die Fiskalunion

Die EU-Kommission bastelt an einer Bankenunion, um die Bürger von einem „Bank Run“ abzuhalten. Doch diese Lösung hat zwei Haken.
13 Kommentare
Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Der Autor

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.

Man stelle sich vor: Vor den Schaltern von Europas Banken bilden sich lange Schlangen aufgebrachter Bürger mit nur einem Wunsch im Sinn: "Wir wollen unser Geld zurück!" Ein solcher "Bank Run" - und der Euro wäre binnen Tagen am Ende.

Um diese Panik zu verhindern, bastelt die EU-Kommission an einer "Bankenunion". Das klingt nicht nur nach mehr Europa, eine Verzahnung von nationalen Rettungs- und Abwicklungsfonds, Einlagensicherungen und nationaler Bankenaufsicht wäre ein gewaltiger Schritt raus aus der Krise und rein in die Fiskalunion. Halten würde das Sicherheitsnetz für die Banken nämlich nur, wenn neben der Finanzbranche auch die Staaten mit Steuermitteln dafür geradestünden. Der Vorschlag aus Brüssel ist aller Ehren wert, er hat nur zwei Haken.

Der eine ist, dass eine Bankenunion mitten ins Herz des gemeinsamen Kapitalmarkts zielt. Angesprochen wären also alle 27 EU-Mitglieder und nicht nur die 17 der Euro-Zone. Zu welchen Brüchen das führen kann, haben wir bereits beim Veto der Briten gegen den Fiskalpakt gesehen. Der andere Haken: Eine Bankenunion erzwingt die Solidarität der europäischen Sparer. Wenn man jedoch den deutschen Michel schon kaum dazu bewegen konnte, die eigenen Banker herauszuhauen, wie will man ihm dann klarmachen, dass er auch noch für die Fehler der spanischen Cajas haften soll? Aber: Das Schicksal der Hypo-Vereinsbank, einer Tochter der italienischen Unicredit, dürfte ihm schon nähergehen. Zumindest für die 35 größten Finanzhäuser, deren Geschäfte längst keine Grenzen mehr kennen, sollte es deshalb eine Bankenunion geben.

Außerdem: Eine Bankenunion ist der einzige Weg, die Schicksalsgemeinschaft zwischen Finanzhäusern und ihren Nationalstaaten aufzubrechen. Die Rekapitalisierung der Bankia durch die Regierung in Madrid zeigt erneut, wie sich Banken- und Staatsschuldenkrise gegenseitig befeuern. Nur eine von nationalen Interessen unabhängige Finanzaufsicht kann Licht in das Dunkel der Bankbilanzen bringen. Nur ein gemeinsamer Abwicklungsfonds kann die lebensfähigen Kredithäuser retten und die Pleitekandidaten abwickeln. Und nur eine gemeinsame Einlagensicherung gibt den Bürgern das Vertrauen in ihr Geld zurück.

Was kostet das? Durch eine Prämie von 1,5 Prozent auf die Einlagen ließe sich für alle Banken der EU über zehn Jahre ein Sicherheitsnetz von 107 Milliarden Euro knüpfen. Es müsste dafür aber mehr Geld in die Kasse kommen als jene mickrigen 500 Millionen Euro, die die deutsche Bankenabgabe in diesem Jahr einbringen wird.

Klar: Auch bei der Bankenunion stellt sich die Gretchenfrage, wie weit die Solidarität der Starken für die Schwachen reichen soll. Aber um diese Frage kommen wir nicht herum.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Raus aus der Krise - rein in die Fiskalunion

13 Kommentare zu "Kommentar: Raus aus der Krise - rein in die Fiskalunion"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Riecke
    warum so zurückhaltend mit der 1,5% Zwangsabgabe. Das ergibt nach ihrer Rechnung ja nur 107 Milliarden. Allein Spanien braucht doch 300 Milliarden. Und wenn wir schon dabei sind, würde ich die Bankenunion nicht nur auf den Euroraum beschränken. Die JP Morgan hatte gerade 2 Milliarden verspekuliert, UBS letztes Jahr so um die 1,5 Milliarden. Die Bank of Japan steht auch nicht besonders gut da. Diese Liste lässt sich bestimmt noch erweitern.
    Rein Interesse halber: wäre das dann mit Spendenquittung von der Steuer absetzbar? Ironie off (oder ist Ihr Kommentar als Satire zu verstehen)

  • 1,5% von den Einlagen?! Dem Autor haben sie ins Gehirn geschissen! Damit ist der Bank-Run sicher!

  • Tja, ist halt so wie immer. Steuerzahler sind nicht "systemrelevant"
    und haben auch keine Lobby. Die Politiker sind meist schon sehr abge-
    hoben und sehen zu, daß nach der nächsten Abwahl entsprechende Posten in der Industrie und Finanzwelt für sie frei sind.

  • Verdammt noch einmal - wo ist denn endlich eine WÄHLBARE PARTEI die dem Euro-Rettungs-Wahn ein Ende setzt?
    Eine Mehrheit der Bevölkerung ist gegen die Euro-Rettungsschirme, aber es gibt noch immer keine PARTEI, die diese Mehrheitsmeinung vertritt.

  • Ich warte auf den Tag dass in dieser Zeitung oder einer anderen endlich mal ein Journalist aufsteht und das sagt, worum es hier eigentlich geht:
    Treibt die Schulden dermassen in die Höhe, dass auch der Letzte weiss, zu retten ist nichts mehr. Schliesslich folgen alle nur dem Plan, der schon seit Jahrzehnten in Hinterzimmern ausgeheckt wurde (wie z.B. bei den Bilderbergern, dem CFR u.ä) durch diese kommende finanzielle Bombe die Welt dazu zu bekommen, eine einzige Weltwährung zu akzeptieren. Diese wird nur digital sein, Cashgeld wird ja heute schon vielerorts abgeschafft und limitiert in Höhe zu bezahlen (obwohl dies überall das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist!).
    Macht euer Gewissen frei und sagt endlich die ungeschminkte Wahrheit.

  • Es ist doch schon viel zu spät! Schwache gibt es jede Menge, aber was isr denn mit all denen, die sich an dieser Krise gesundgestossen haben und es immer noch tun? All diesen glücklichen Verbrechern geht es doch immer noch blendend, währenddessen der der Bürger dafür aufkommen muss. Was hier passiert ist ein VERBECHEN, laut eines Rechtsstaates muss ein Verbrechen bestraft werden. Begehen wir ein derartiges Vergehen, können Sie sicher sein, dass wir für den Rest unseres Lebens die Strasse nicht mehr betreten.Es sollten doch endlich mal die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Überzogene, unrealistische Gehälter von Politikern und Bankpräsidenten einzusparen. Es kann doch nicht angehen, dass diese Verbrecher, nach allem was sie verursacht haben immer noch wie die Maden im Speck leben.Das ist doch eine Farce, eine politisch kreierte Logik, die uns hier erfolgreich verkauft wird. Und wir kaufen dies auch noch und gehen brav wählen, anstatt alle MITEINANDER auf die Strassen zu gehen, um zu zeigen, dass wir dies nicht mehr mit uns machen lassen.

  • Wieso "befeuern" Banken- und Staatskrise sich gegenseitig? Und warum soll der Steuerzahler haften?

    Die Staaten dürfen höchstens so viel einnehmen, wie sie ausgehen. Banken müssen pleite gehen können.

    Dann befeuert auch keiner mehr den anderen. Es muß Schluß sein damit, dass der Arbeiter/Angestellte für andere büßen muss!

  • Gegen eine europäische Bankenunion wäre gar nichts zu sagen, wie gegen die nationalen Bankenrettungen nichts zu sagen gewesen wäre, wenn ...

    ...wenn jene die retten müssen, wenigstens die zukünftigen Profite dieser Retterei in ihre Taschen lenken könnten. Schon bei Commerzbank und Co. wurden aber nicht die Alteigentümer wie Länder und Aktionäre enteignet, und der Bund Alleineigentümer, sondern die Alteigentümer konnten ihre Position behalten, und teilweise mit Bilanztricks den Bund auch noch um seine Zinsen prellen. Wer wundert sich da, dass die Begeisterung der Bundesbürger für Bankenrettungen schier keine Grenzen kennt?

    Genauso wäre es mit den europäischen Banken. Luxemburg, Malta, Frankreich, Zypern, Irland und auch Spanien denken gar nicht im Traum daran, die zukünftigen Steuereinnahmen vn den Banken mit den Deutschen zu teilen. Im Gegenteil versuchen sie jeden Tag durch teils günstigere Steuersätze weiteres Bankgeschäft aus Deutschland in ihre Länder zu locken. So dass die Steuern in ihre und nicht mehr in den deutschen Staatssäckel fließen.

    Nur wenn's um's Risiko geht, reichen diese Einnahmen offensichtlich nicht aus, damit diese Staaten es alleine abdecken können. Da wird dann beim deutschen Steuerzahler ultimativ Solidarität eingefordert, weil wir so sehr von Europa profitieren. Da unser Bankensektor vergleichsweise klein ist, ist auch das Risiko minimal, dass die anderen für deutsche Bankschulden bezahlen müssten.

    Wenn wir aus Eigennutz auf nationaler Rettung der Banken bestehen, nehmen wir auch keine schlechtere Haltung ein, als unsere Nachbarn.

    Das existierende Europa ist zu einer Veranstaltung von Hütchenspielern verkommen, bei dem der eine den anderen nur über den Tisch ziehen möchte. Vielleicht keine schlechte Idee, wenn diese halbseidene Organisation endlich gesprengt wird.

  • Anstatt immer neue Bündnisse zu schmieden und die gegenseitigen Abhängigkeiten immer weiter zu vertiefen, kämme es drauf an, „Brandmauern“ oder „Schotten“ einzuziehen. Wenn alles mit allem zusammenhängt, ja, dann genügt ein kleiner Funkenflug oder ein kleines Leck und die Welt geht komplett unter. Man sollte sich nicht von falschen Solidaritätsbegriffen den Kopf vernebeln lassen, sondern sollte als Retter darauf achten, keine beliebig hohen Risiken einzugehen. Man darf also am Erhalt des eigenen Lebens durchaus interessiert sein, anderfalls gäbe es keine Chance mehr für die Unglücklichen irgendwann einmal Hilfe zu bekommen.

    Dass bei den Banken auf den Konten im wesentlichen nur Luft ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Vertrauen, das einmal gründlich zerstört wurde, kann mit bloßen Versprechen, die allenfalls behaupten „Garantien“ zu sein, nicht wieder hergestellt werden, dafür ist es zu spät, dafür haben unsere öffentlichen Maulhelden schon viel zu viel versprochen und die Versprechen fast im gleichen Atemzug all zu dreist gebrochen.

  • Raus aus der Krise - rein in die Fiskalunion ... heißt: vom Regen in die Traufe.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%