Kommentar
Realistische Kalkulation

Der hinhaltende Kampf, ein geordneter Rückzug sowohl unter Vermeidung eigener Verluste als auch unter Wahrung der Möglichkeit, sich neu positionieren können, wird in militärischen Lehrbüchern als eine der schwierigsten Strategien beschrieben. Gleiches gilt wohl auch für die Politik. Und exakt dies scheint jetzt das Regime in Kirgistan zu proben.

So hatten vor der Erstürmung des Präsidentensitzes in Bischkek durch Demonstranten dort zwar zunächst Soldaten und Polizisten Stellung bezogen. Zu nennenswertem Widerstand durch den Einsatz von brutaler Gewalt kam es aber nicht. Die Regierung fürchtet offensichtlich und durchaus realistisch, dass sich die Sicherheitskräfte letztlich mit den Demonstranten verbünden könnten.

Die Tatsache, dass die Regierung bereit sein soll, Vermittler in das Zentrum des Aufstandes im Süden der Kaukasusrepublik zu entsenden, entspricht auffällig solcher Hinhaltetaktik. Die Chancen, die eigene politische Haut zu retten, werden offenbar nüchtern kalkuliert. Darüber kann auch martialische Rhetorik nicht hinwegtäuschen.

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