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Kommentar: Rettung auf Kosten der Wirtschaft

Mitten in der Konjunkturflaute senken die Banken ihre Kreditvergaben. Das Argument, die Geschäftsaussichten seien schlecht, ist vorgeschoben. Doch auch die Politik trägt Schuld an der Misere.

Wenig vertrauenerweckend: Der Rettungsring. Quelle: AP
Wenig vertrauenerweckend: Der Rettungsring. Quelle: AP

Europas Wirtschaft befindet sich in Geiselhaft der Finanzbranche. Es wird Zeit, dass die Regierungen und die Europäische Zentralbank sie daraus befreien.

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Nachdem die Banken jahrelang im Finanzkasino gute Gewinne gemacht und an ihre Spitzenmanager und Aktionäre ausgeschüttet haben, drohen sie seit Jahren damit, der Wirtschaft den Kredithahn zudrehen zu müssen, wenn sie nicht weitere Milliardenhilfen vom Staat und unbegrenzte Liquidität von der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen. Dieses Ergebnis zeigt die jüngste Umfrage der EZB zum Bankgeschäft. Die Hälfte der Banken im Euro-Raum hat im letzten Vierteljahr den Zugang der Unternehmen zu Krediten erschwert. Damit planen sie auch im laufenden Quartal fortzufahren, trotz der Tatsache, dass die EZB ihnen eine halbe Billion Euro für drei Jahre zum Vorzugszins geliehen hat, mit dem erklärten Ziel, die Kreditvergabe zu fördern.

Gegenüber den portugiesischen Unternehmen haben die Banken die Kredite so weit zurückgefahren, dass das Volumen insgesamt um fünf Prozent gesunken ist. In Spanien waren es elf Prozent, in Irland sogar fast 50 Prozent. Auch im zuletzt von der Krise erfassten Italien sind die Unternehmenskredite inzwischen rückläufig.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

Das hat in eine Abwärtsspirale geführt: Die Konjunktur knickt ein, weil die Unternehmen keinen Kredit mehr bekommen – und die Banken geben keinen Kredit mehr, weil die Geschäftsaussichten schlecht sind. Nebenher zerrüttet die Konjunkturkrise die von der Bankenrettung schon überstrapazierten Staatshaushalte noch mehr, so dass diese sich eine Rekapitalisierung ihrer Banken nicht mehr leisten können. Dadurch geraten die Banken noch mehr unter Druck und können noch weniger Kredit geben.

Eine Erfolgsbilanz sieht anders aus. Es wäre noch viel schlimmer gekommen, wenn man die Banken nicht gerettet hätte, lautet die Rechtfertigung der Verantwortlichen. Damit haben sie recht, legen die Latte aber sehr niedrig. Neben „gar nicht retten“ und einem ineffektiven Rettungsprogramm gibt es auch noch die Alternative, es zielorientierter anzugehen. Das würde bedeuten, Bankenrettung nicht als Selbstzweck zu begreifen, sondern als ein Mittel, um die Kreditversorgung der Wirtschaft aufrechtzuerhalten – und sie auch entsprechend auszugestalten.

  • 03.02.2012, 12:16 UhrRoemi

    Schön, dass es nun auch vereinzelt Wirtschaftsjournalisten zu geben scheint, die nicht nur mit stumpfen, populistischen Überschriften zu Punkten versuchen, sondern anfangen sich mit dem Inhalt des Regulierungswahnsinns zu beschäftigen.

    Ich empfehle dem Kommentator, die CRDIV/CRR einmal genau anzusehen. Bilanzverkürzungen, um höhere Eigenkapitalquoten zu erreichen sind nur der erste Schritt der nächsten Jahre.

    Es werden folgen:
    - Kreditverknappung für Unternehmen und private Haushalte, denn griechische Staatsanleihen sind gemäß den neuen Regularien immer noch sicherer zu bewerten als ein besichertes Darlehen
    - Angebot von langfristigen Zinsfestschreibungen wird zurückgehen, weil die neuen Liquiditätsvorschriften die in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreiche Fristentransformation extrem eingeschränkt wird.
    - Weitere Bilanzverkürzungen bzw. alternativ Kreditverbriefungen, damit der Verschuldungsgrad eingehalten werden kann.

    Sprich: Genau der Mist, der die Finanzkrise 2008 ausgelöst hat (kurzfristige Refinanzierung, falsche Gewichtung der Kreditrisiken usw.), wird durch die neuen Regularien noch gefördert. Aber hauptsache die Banken haben zukünftig 9% Eigenkapital (zur Erinnerung: Lehman hatte am Tag vor der Insolvenz 11% Eigenkapital).

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man direkt darüber lachen.

  • 02.02.2012, 21:42 UhrAnonymer Benutzer: whisky

    Hat diesen Kommentar Oskar Lafontfaine oder Gregor Gysi vor ein paar Jahren geschrieben?
    Mittlerweile kapieren auch einige wenige Ökonomen die Scheiße, die sie angerichtet haben.

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