Kommentar Riester-Dämmerung

Die SPD will mit ihrem neuen Rentenkonzept den Abschied von staatlichen Riester-Förderung. Die Fakten geben ihr Recht.
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Die SPD will Betriebsrenten stärker fördern als Riester-Policen. Quelle: dapd

Die SPD will Betriebsrenten stärker fördern als Riester-Policen.

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DüsseldorfWalter Riester mag es schmerzen, was sich derzeit in der SPD-Spitze tut. Denn der ehemalige Arbeitsminister und langjährige stellvertretende Vorsitzende der IG Metall zieht noch heute übers Land, um

für seine Riester-Rente zu werben. Und nun ist es ausgerechnet seine Partei, die mit ihrem neuen Rentenkonzept den Abschied von der staatlichen Riester-Förderung einleiten will.

Statt Riester-Policen, so die Idee der Parteioberen, soll sich in Zukunft die betriebliche Altersversorgung verstärkter politischer Fürsprache und vor allem staatlicher Förderung erfreuen.

Die Details stehen noch nicht fest. Doch die Richtung stimmt. Denn mit 15,5 Millionen seit 2001 abgeschlossenen Verträgen ist diese hochsubventionierte Form privater ergänzender Altersvorsorge nur auf den ersten Blick ein Erfolgsmodell. Erdacht wurde sie, um die aus demografischen Gründen für unvermeidbar gehaltene Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Rente auszugleichen. Genau dies leistet sie nicht. Denn bei 42 Millionen Arbeitnehmern heißen 15,5 Millionen Verträge nämlich nur, dass über die Hälfte der Berechtigten gar nicht riestert.

Peter Thelen ist Korrespondent in Berlin.

Peter Thelen ist Korrespondent in Berlin.

Weil von diesen außerdem nur jeder Dritte den Förderrahmen ausschöpft, bleibt nur die ernüchternde Feststellung, dass die Riester-Rente auch nach über zehn Jahren bei über 80 Prozent der Arbeitnehmer keinen oder keinen ausreichenden Beitrag zur Schließung der Versorgungslücke im Alter geleistet hat. Fast noch schwerer wiegt: Untersuchungen zeigen, dass die Renditen der inzwischen 5 000 Riester-Produkte zu wünschen übriglassen. Das DIW kam in seiner Zehnjahresbilanz zu dem traurigen Befund, dass ungeförderte Lebensversicherungen oft mehr abwerfen als Riester-Policen, wenn man die staatlichen Zulagen herausrechnet. Vielfach werde die Förderung von den Provisions- und Abschlusskosten aufgefressen.

Da schneidet die betriebliche Altersversorgung besser ab. So haben die Tarifparteien in der chemischen und der Metall- und Elektroindustrie Versorgungswerke entwickelt, die zielgenau und zu weit geringeren Abschluss- und Verwaltungskosten die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und früherem Lebensstandard schließen können.

Sie hat das Lob der Politik und vielleicht auch weitere Förderung weit mehr verdient. Es wäre daher zu wünschen, dass die rentenpolitische Wende der SPD auch Union und FDP ins Grübeln bringt. Deren Pläne für eine Rentenreform sind wohl auch deshalb ins Stocken geraten, weil den Beteiligten langsam klar wird, dass sie beim Bürger durchfallen werden.

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10 Kommentare zu "Kommentar: Riester-Dämmerung"

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  • Sie haben zwar Recht, dass auf die Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge keine Kapitalertragssteuern, sondern Einkommenssteuern und in Zukunft wohl Finanztransaktionssteuern zu zahlen sind. Aber ärgerlich ist das schon. Grund: Meine Zahlungen in die betriebliche Altersvorsorge wurden nur zum Teil von der ESt. befreit. Die Auszahlungen werden jedoch zu 100% besteuert. Und aufgrund der kalten Progression wird das wohl auch bald mal der Spitzensteuersatz sein, der ja auch erhöht werden soll. Und nun habe ich als Selbständiger folgendes Problem: Da meine beiden Policen der betrieblichen Altersvorsorge noch recht günstig waren, lasse ich sie nun als Selbständiger weiter laufen, erhalte aber keinen Steuervorteil mehr (habe logischerweise Kapitalwahlrecht, um im Ernstfall die Knete außer Landes schaffen zu können). Ich bin gespannt, ob die steuervergünstigten Einzahlungen und die nicht geförderten Zahlungen später auseinander klamüsert werden. Eigentlich hakt es nämlich bei allen vom Staat beworbenen und geförderten privaten Altersvorsorgewegen: Der Staat hat weiter die Finger drauf! Und diesem Staat kann man nun wirklich nicht mehr trauen.

  • Fakt ist, dass Rot-Grün sich von der privaten Versicherungswirtschaft hat dummschwätzen lassen und unsere gesetzlichen Renten geplündert hat. Angeblich ist nur die kapitalgedeckte Vorsorge von privaten Versicherungen sicher. Nach zwei Finanzkrisen sehen die Deckungsstöcke vieler Versicherungen auch eher mau aus. Und ob der ab 2012 gesenkte LV-Garantiezins wirklich besser ist, als die Rendite der Gesetzlichen Rentenversicherung, wage ich mal zu bezweifeln.

  • Da fragt man sich doch, warum die gesetzliche Rentenversicherung keine kapitalgedeckte Zusatzversorgung anbieten darf. Oder warum der Gesetzgeber es nicht jedem Arbeitnehmer freistellt, eine betriebliche Altersversorgung bei einem Arbeitgeber seiner Wahl durchzuführen. DAS wäre mal echter Wettbewerb!

  • was hilft den Holländern eine dicke Rente wenn Sie von den Meerwasser verschlungen werden und Sie dann hohe Standgebühren in Deutschland zahlen müssen.(Satire!)

  • @Dirk : in anderen Ländern behält man seine betrieblichen Rentenansprüche auch beim Wechseln - das könnte man gesetzlich regeln, auch in DE -- das wäre eine Frage der Ausgestaltung.

    in den Niederlanden ist es so: es gibt eine Grundrente für alle in Höhe von ca. 1100 Euro und hinzu kommen die obligatorischen Betriebsrenten, die jedermann hat, der mal gearbeitet hat, weitere Renten sind dann Privatvergnügen...

    insgesamt betrachtet sind Niederländer aber besser abgesichert als Deutsche - insbesondere Frauen, Geringverdiener, Pflegende Angehörige

    viele andere Länder - auch Dänemark sichern ihre Schlechtverdiener viel besser ab als DE -- in der CH bekommen die z.B. höhere Renten von 80% des letzten EK.

    in DE sind die schlechter abgesichert.

    da die Familien kaputtgehen, werden viele Frauen nachher auch kaum noch Witwenrenten erhalten - da verändert sich was in den Ruhebezügen - zusätzlich zum sinkenden Rentenniveau eben auch die Rentnerstruktur -- wenn es nachher im Binnenmarkt noch Kaufkraft geben soll und nicht zu viele Sozial/Grusiempfänger muss man sich was neues überlegen -- aber nicht Hartz-IV-Abzocke

    ich würd das nicht mal mit staatlichen Zwang abschließen - auch nicht unter Folter!

  • Das Hauptproblem an Riester ist nunmal, dass man Subventionen vergibt an Leute, die so oder so fürs Alter zurücklegen können, z.B. auch an höhere Beamte. Das Geld ist dann aber verschwendet, dennn deren Renten und Pensionen sind hoch genug nachher. Dort aber, wo es wirken sollte und den Sozialstaat entlasten sollte, kann man nichts zurücklegen!

    Viele ärmere Riestersparer legen Mini-Beträge zw. 5 und 30 Euro zurück - damit kann man nichts anfangen später, bekommt Taschengeld höchstens raus, dass evtl. mit GruSi gegengerechnet wird -- der Staat wird dann dennoch nicht entlastet, sondern muss ein Herr von Armutsrentnern weiter subventionieren, hat aber zeitgleich Subventionen an Leute mit höheren EK/Vermögen verschwendet.

    Das ist nicht zielgerichtet, sondern ne Fehlallokation.

    das niederländische Rentensystem halte ich persönlich für am Besten! Es ist transparent und gerecht. Man entkoppelt Arbeit von Vollzeitzwang, so wirkt es wie ein BGE --- da es immer weniger volle Stellen gibt, vernünftig! Es sichert Frauen besser ab und schützt sie vor Altersarmut, selbst wenn sie Kinder erziehen und pflegen!

    Das ist eine richtige Volksrente.

    obligatorisch hinzu kommen Betriebsrenten, für die, die gearbeitet haben, aber die Grundrente ist auch eine sichere Basis für die, die selbst schlechte Stellen hatten. Niedriglöhner sind besser gesichert. Dadurch bleibt im Alter konsumfähigkeit erhalten.

    Das ist ein Rentensystem das zukunfsfähig ist: steuerfinanziert statt nur über Arbeitsabgaben, Vollversicherung = gleiche Regeln für alle, und entkoppelt von Vollzeiterwerb, besserer Schutz auch für Mütter, Frauen, Geringverdiener.

  • Ah ja,

    bsonders für die die keine betriebliche Altervorsorge haben, kleine Firmen, Selbstständige, Zeitarbeiter? ..
    SPD: Scheinheiligste Partei Deutschlands

  • @ Titus, wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich Kommentare verkneifen.
    Kapitalertragssteuer ist Blödsinn! Am Ende fällt Einkommensteuer an - wie bei jeder in der Ansparphase steuerfreien Vorsorge. Das ist jedoch oft weniger als im aktiven Arbeitsleben, so dass die Steuer am Ende geringer ist.
    Viele Arbeitgeber leiten übrigens die eingesparten Sozialabgaben als Zuschuss an die Mitarbeiter weiter, und dann lohnt es sich richtig.

  • Wie schön. Die betriebliche Altersvorsorge soll es richten. Die SPD träumt immer noch von einem Berufsleben von der Schule bis zur Rente in einer Firma. So funktioniert aber das Erwerbsleben nur bei den wenigsten. Die betriebliche Altersvorsorge ist bei häufigen Wechseln des Arbeitgebers kompliziert. Riestern ist eigentlich einfach und für Arbeitnehmer geeignet, die keinem Vollzeitjob nachgehen. Oder die den Arbeitgeber häufig wechseln, z.B. auch Leiharbeitnehmer. Halbtagsjobs u.ä. werden häufig von Frauen mit Kindern getätigt!! Und für die rechnet sich die Förderung im besonderen Maße. Eine betriebliche Altersvorsorge ist denen oft zu sperrig.

  • Schön, wenn man keine Ahnung hat, da die betriebliche Altersvorsorge sich für Ottonormalverdiener gar nicht rechnet, da bei Endfälligkeit sowohl Kapitalertragssteuern, als auch der volle gesetzliche Krankenkassensatz fällig werden.
    Und ehe jetzt das Argument kommt, daß man das ja reformieren kann,stellt sich die Frage, warum man Riester nicht einfacher machen kann udnd amit wenigstens politische Verläßlichkeit offenbart. Somit bleibt nur eins: Politiker + Journalisten= doppelte Katastrophe.

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