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Kommentar: Röslers Coup gegen Brüderle schlägt fehl

Es hätte ein kluger Schachzug gegen das erstarkte rot-grüne Lager werden können. Doch Röslers Versuch, Brüderle zur Übernahme des FDP-Vorsitzes zu bewegen, ging schief. Jetzt sind die beiden Liberalen beschädigt.

Rösler (li.) und Brüderle in der Berliner FDP-Zentrale. Quelle: Reuters
Rösler (li.) und Brüderle in der Berliner FDP-Zentrale. Quelle: Reuters

BerlinDiese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn sie sollen die Wende bei den schwindsüchtigen Liberalen einleiten. „Rainer Brüderle ist unser Gesicht für die Bundestagswahl 2013“, sagte FDP-Chef Philipp Rösler als er die Entscheidung der Parteispitze verkündete, Rainer Brüderle zum Spitzenkandidaten der Liberalen für die Bundestagswahl zu machen. Und Brüderle ließ die versammelte Journalisten-Meute wissen: „Kapitän ist der Parteivorsitzende, Sturmspitze ist der Spitzenmann.“

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Eine Doppelspitze soll es also richten. Dass dies gelingen wird, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Denn schon die Inthronisierung Brüderles zum Superstürmer der Liberalen geriet zum Fiasko. Für Rösler. Und für Brüderle.

Denn noch bevor überhaupt klar war, welche Richtung die Liberalen in ihrem Führungschaos einschlagen werden, wurde schon an nach außen durchgestochen und per Eilmeldung der Nachrichtenagenturen der Öffentlichkeit mitgeteilt: „Philipp Rösler hat seinen Rücktritt als FDP-Vorsitzender angeboten. Zugleich schlug er im Präsidium vor, Fraktionschef Rainer Brüderle könne den Vorsitz übernehmen, falls er das wünsche. „Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle auch Bundesvorsitzender werden will“, sagte Rösler dem Vernehmen nach. Brüderle soll auch Spitzenkandidat im Wahlkampf werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen.“

Das meldete dpa um 10:42 Uhr. Kurze Zeit später dann die Kehrtwende. Wieder per Eilmeldung wurde um 12:23 Uhr verbreitet: „FDP-Einigung: Rösler bleibt Chef - Brüderle als Spitzenkandidat“. Erst Hin, dann Her. Am Ende ist man selbst im Bundesvorstand der Partei mächtig verschnupft, spricht von einer „beschissenen Inszenierung“ des Parteivorsitzenden, die das „schöne Bild“ des Wahlerfolgs in Niedersachsen „eingerissen“ habe.

Die Botschaft ist eindeutig: Rösler, der erstmals den Versuch wagte, als FDP-Chef politisch zu agieren und eine wegweisende Entscheidung auch zur Rettung der Partei zu treffen versuchte, hat einmal mehr versagt. Man könnte auch sagen, er hat die Rechnung ohne Brüderle gemacht.

FDP holt zehn Prozent Sieg auf Leihbasis

In Niedersachsen gelingt der FDP und ihrem Chef Philipp Rösler ein sensationelles Comeback.

Denn so, wie die ursprüngliche Offerte eingefädelt war, ohne Rückversicherung, dass es auch so kommen würde, kann man sie nur als versteckte Attacke gegen den Bundestagsfraktionschef der Liberalen verstehen. Hätte er zugegriffen, hätte man in ihm nur noch den Putschisten gesehen, was die Rösler-Unterstützer in der Partei nicht so schnell vergessen hätten. Das hätte womöglich eine neue Zerreißprobe für die ohnehin in Umfragen schwer gebeutelte FDP bedeutet. In einem Vier-Augen-Gespräch lehnte Brüderle daher dankend ab.

Die FDP unter Parteichef Rösler

  • 12. Mai 2011

    Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.

  • 13. Mai

    Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“

  • 22. Mai

    Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.

  • 4. September

    Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.

  • 18. September

    Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.

  • 14. Dezember

    Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.

  • 16. Dezember

    Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.

  • 25. März 2012

    Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.

  • 6. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.

  • 13. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.

  • 6. Januar 2013

    Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.

  • 18. Januar

    Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.

  • 20. Januar

    Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.

  • 21. Januar

    Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

  • 21.01.2013, 17:27 Uhrdeerhunter

    unser Sandmännchen Rösler lässt grüßen - Mickmäuse unter sich. Mannomann, mit dem Ergebnis hätte sich der Kleine doch einfach verabschieden und die Großen machen lassen. Aber auch ein Sandmännchen würde gerne mal ein Sandmann und nicht nur der HiWi von Mutti A. werden...! Es ist bitter zu sehen, wie diese Partei sich abwrackt. Das Ergebnis auf dem platten Land ist leider nur ein Zwischenhoch, und da braucht es keine Demoskopen für.

  • 21.01.2013, 17:34 Uhrmargrit117888

    Wenn das so gelaufen ist, zeigt es doch wieder einmal mehr, die Dummheit und Bubihaftigkeit des Rösler.
    So etwas spreche ich vorher ab und töne das nicht einfach so in die Medien ohne dass jemand Bescheid weiß
    Der Mann ist und bleibt eben ein wirklich dummes Bubi

  • 21.01.2013, 17:36 UhrHenry

    Die FDP in Niedersachsen mit 9.9 % ist bemerkenswert. Das Theater ob Rösler oder Brüderle, ist sehr unschön.

    Vielleicht könnte Christian Lindner als Parteivorsitzender für die Bundestagswahl gekürt werden. Dann sollten sich alle Liberale hinter Christian Lindner stellen und bitte keine Querelen mehr.

    Ich persönlich halte Christian Lindner als den best geeigneten Liberalen an der Spitze. Der Mann hat was.

  • Kommentare
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