Kommentar
Runter mit dem Dispozins!

Die Koalitionäre streiten um die Dispozinsen. Die SPD will regulieren, die CDU hofft auf den Markt. Ein Blick auf die Zinskurven zeigt: Wer die Bankkunden vertreten möchte, kommt um gesetzliche Vorgaben nicht herum.
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Bei den Koalitionsverhandlungen geht es nicht nur um die enorme Schuldenlast des Staates. Die Koalitionäre streiten auch darüber, unter welchen Bedingungen die Bürger ins Minus gehen. Oder genauer: Ob die enormen Dispozinsen, die viele Banken ihren Kunden derzeit abverlangen, zumutbar sind.

In der Tat erscheinen die Dispozinsen derzeit aberwitzig hoch. Im Schnitt verlangen Institute derzeit einen Disposatz von 10,4 Prozent. Zum Vergleich: Der EZB-Leitzins liegt bei 0,25. Und: die günstigste Bank verlangt 5,25 Prozent. Die teuerste fast 14 Prozent. Laut Stiftung Warentest soll jeder Prozentpunkt den Banken 390 Millionen Euro im Jahr bringen. Verbraucherschützer werfen den Instituten vor „hart an der Wuchergrenze“ zu kalkulieren.

Die Banken reden sich heraus, die Ausfallrisiken seien hoch, die Refinanzierung wäre teurer als der Leitzins suggeriere und die Eigenkapitalkosten seien immens. Fakt ist aber: Seit Ausbruch der Finanzkrise fiel der Leitzins um vier Prozentpunkte und der Dispo nur um zwei Prozentpunkte. Die Margen der Banken beim Dispo steigen.

In Zukunft dürfte der Dispo steigen. Das Zinstief wird nicht ewig dauern. Die Banken koppeln ihre Sätze an Referenzzinsen, die in den nächsten Jahren anziehen werden. Dann gibt es wieder Luft nach oben.

Schuldner hoffen daher auf die Politik. Die Fronten sind klar. Die SPD will die Dispozinsen deckeln, auf maximal acht Prozent über einem Basiszins. Die CDU meint wie die Bankenverbände, der Markt wird es richten. Beide Parteien konnten sich in der Arbeitsgruppen nicht einigen. Dispozinsen werden jetzt zur Chefsache.

Welche Forderung sollte sich durchsetzen? Aus Sicht der Kunden: Die Leitlinien der SPD. Wenn der Markt für die meisten Kunden versagt, dann muss der Gesetzgeber eingreifen.

Aus Sicht der Banken und Aktionäre: Die Pläne der CDU. Verbraucherministerin Ilse Aigner vertritt seit Jahren den Standpunkt, dass allein Markttransparenz schon für sinkende Sätze sorgen werde. Mit dem Ergebnis, das etwa die Targobank beim Komfortkonto für Überziehungen von mehr als hundert Euro laut Preis-und Leistungsverzeichnis 13,99 Prozent verlangen darf.


Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Kommentar: Runter mit dem Dispozins!"

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  • Ja, es wird Zeit das die POLITIK ENDLICH MAL HANDELT!

    Und für die CDU: ES GIBT KEINEN MARKT!!

    Die Zinsen sind bei Allen Banken ziemlich gleich! Und 0,5 Prozent sind nur Peanuts und verarsche der Verbraucher!

  • @MikeMaurice....

    qualitativ hochwertige Sicherheiten....der Witz war gut....oder wollen Sie ernsthaft behaupten, das griechische oder spanische Staatsanleihen die zu hunderten mrd. mittlerweile bei der EZB liegen irgendwas mit qualitativ und sicher zu tun haben? Außer das der Ausfall sicher und das Pleiteszenario für die EZB qualitativ hochwertig ist?

  • Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die 0,25% Zinsen der EZB bekommen Banken nur gegen Einreichung qualitativ hochwertiger Sicherheiten (Staatsanleihen, forderungsbesicherte Wertpapiere, etc.). Analog kann der normale Bankkunde durch Verpfändung hochwertiger Sicherheiten wie z.B. einer Immobilie, Zugriff auf sehr viel niedrigere Kreditzinsen als die 12% für den Dispo erlangen. Der Dispo ist so teuer, weil die Sicherheiten (Gehaltspfändung) von niedriger Qualität sind (Pfändungsfreigrenzen, etc.).

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