Kommentar: Ryan könnte der heimliche Chef werden

Kommentar
Wie Paul Ryan Romneys Show stiehlt

Ryan könnte der heimliche Chef werden

Denn Paul Ryan ist nicht nur jener, der Romney am Ende die nötigen Stimmen für den Sieg verschaffen kann. Ryan steht anders als Sarah Palin vor vier Jahren für tatsächliche Inhalte. Was auch immer man von den Konzepten des Mannes aus Wisconsin halten mag: Es dürfte nicht leicht für Romney werden, diese einfach zu ignorieren. Ryan steht für Sparen, niedrigere Steuern und einen drastischen Umbau der Säulen des amerikanischen Sozialstaats.

Und anders als Romney sagt Ryan das nicht nur, sondern er folgt seinen Prinzipien auch. Als etwa im Vorjahr Obama mit der republikanischen Führung im Repräsentantenhaus einen umfassenden Deal zum Schuldenabbau vereinbaren wollte, stimmte Paul Ryan dagegen. Warum? Weil der Plan auch vorsah, ein paar Niedrigsteuern auslaufen zu lassen. Ryan genügte dies, um den Daumen zu senken und das Übereinkommen platzen zu lassen. Der Ultrakonservative aus dem Mittleren Westen wird deshalb nicht dabei zuschauen, wie der wetterwendische Romney zwischen den politischen Polen laviert und die republikanische Botschaft verwässert.

Das Ticket Romney/Ryan könnte sich im Falle eines Sieges daher zu einer Präsidentschaft Ryan/Romney entwickeln. Das wäre historisch zwar ungewöhnlich, doch nicht neu. Zur Erinnerung: Der machtbewusste Dick Cheney hatte während der Präsidentschaft von George W. Bush so straff die Fäden gezogen, dass der Vize als heimlicher Chef im Weißen Haus galt.

Paul Ryan müsste dabei gar nicht in bulliger Cheney-Manier agieren. Gewinnen die Republikaner die Wahlen, dann darf sich der Haushaltsexperte ohnehin als eigentlicher Wahlsieger fühlen. Und nicht nur das: Mitt Romney wird schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit dringend auf die Hilfe seines Vizes angewiesen sein, wenn er jene Themen auf dem Tisch hat, die er aus der Opposition heraus bislang so komfortabel kritisieren konnte. Etwa wenn die Obergrenze der Verschuldung auch unter einem republikanischen Präsidenten heraufgesetzt werden muss.

Die starke Fraktion der Tea-Party-Abgeordneten in den Reihen der Republikaner wird einem ausgewiesenen Sparkommissar wie Ryan nicht in den Rücken fallen. Bei dem sich gerne liberal gebenden Romney dürfte man sich da indes nicht sicher sein. Doch die Unterstützung der Parteirechten wird ihren Preis haben. Und eher früher als später wird Romney ihn bezahlen müssen.

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