Kommentar: Saisonarbeit
Süße Früchte

Dieses Jahr schon Spargel gegessen? Nein? Dann wird es aber Zeit. Schon bald könnten die schlanken Stangen nämlich zu einer unerschwinglichen Delikatesse werden. Nach Angaben des Bauernverbandes droht eine „unerwartete Kostenexplosion“ – und das nicht nur beim Spargel, auch bei Erdbeeren. Mithin bei jenen Gaben der Natur, die das harte Leben bis zum 22. Mai erträglich machen.

Da muss die in der Bekämpfung von Heuschrecken und sonstigen neoliberalen Plagen erfahrene Bundesregierung eilig ausschwärmen, um noch größeren Frust bei den nordrhein-westfälischen Wählern zu verhindern. Denn natürlich ist auch an dieser Fehlentwicklung die Globalisierung Schuld.

Wirklich? Sozialministerin Ulla Schmidt sollte sich gut überlegen, ob sie sich vor den Karren der Bauernlobby spannen lässt. Zwar hat sich ihr Haus bei der Information über die Folgen der EU-Osterweiterung in den vergangenen Monaten tatsächlich nicht eben mit Ruhm bekleckert. Aber wo steht geschrieben, dass die Bundesregierung ihre Bürger über sämtliche Gesetze in den Nachbarländern aufzuklären hat? Wer findig genug ist, die Vorteile des EU-Binnenmarkts zu nutzen und billige Saisonarbeiter in Polen anzuheuern, der muss sich halt auch über die dortigen Bestimmungen erkundigen – und die sehen eine Sozialabgabenpflicht für die Arbeitskräfte vor.

Viele deutsche Bauern haben schlichtweg gegen polnisches Recht verstoßen. Das ist zunächst einmal ihr Problem. Geradezu dreist aber klingt das Ansinnen, die Regierung solle dafür sorgen, dass auch künftig Arbeitskräfte zu niedrigen polnischen Löhnen und dem günstigeren deutschen Sozialrecht bereitstehen. Wer die süßen Früchte der Globalisierung ernten will, sollte sich zumindest selber bücken. doe

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