Kommentar
Samaras hat gute Argumente

Die Kanzlerin pocht darauf, dass die Griechen ihr Sparprogramm einhalten. Dabei könnte ein Aufschub bis 2016 neue Hilfskredite vermeiden: Griechenland könnte dann schon ab 2014 wieder wachsen.
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Mit einem Thema braucht der griechische Premier Antonis Samaras Angela Merkel gar nicht erst zu kommen, wenn er am Freitag im Kanzleramt zu Gast ist: Von einer Streckung des griechischen Konsolidierungsprogramms um zwei Jahre will die Kanzlerin zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts hören. Samaras wird die Idee zwar vortragen, aber nicht insistieren. Dabei hat der griechische Premier gute Gründe für seinen Wunsch

Spätestens beim EU-Gipfel Mitte Oktober wird er das Thema deshalb wieder zur Sprache bringen. Samaras weiß allerdings: Die europäischen Geldgeber erwarten, dass Griechenland jetzt endlich seine Hausaufgaben macht und die auf die lange Bank geschobenen Reformen auf den Weg bringt.

Beim Bürokratieabbau und den Privatisierungen beginnt sich nach langem Stillstand tatsächlich etwas zu bewegen. Mit Hochdruck arbeitet die Regierung auch am neuen Sparpaket, das die Budgets der beiden kommenden Jahre um 11,5 Milliarden entlasten soll. Die Einsparungen entsprechen 5,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Bei der Haushaltskonsolidierung hat Griechenland bereits greifbare Erfolge vorzuweisen. In nur zwei Jahren wurde das Primärdefizit um 8,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zurückgefahren.

Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, als sie in einer tiefen Rezession erbracht wurde. Seit Beginn der Krise hat Griechenland fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung eingebüßt. Hätte sich die Konjunktur so entwickelt wie von der Troika ursprünglich prognostiziert, könnte der Athener Finanzminister schon in diesem Jahr einen Primärüberschuss ausweisen. Aber statt erwarteter drei Prozent wird die griechische Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um sieben Prozent schrumpfen. Die Rezession ist ein Resultat des strikten Sparkurses, den Athen auf Weisung der Gläubiger steuern muss. Zugleich erschwert sie die Umsetzung der Konsolidierungsauflagen. Schrumpft die Wirtschaft, steigen die in Relation zum BIP berechneten Defizit- und Schuldenquoten. Neue Maßnahmen werden nötig – mit denen sich das Land nur noch tiefer in die Armut spart.

Diesen Teufelskreis könnte Griechenland mit einer Streckung des Konsolidierungsfahrplans durchbrechen. Das zeigt eine Studie des griechischen Finanzministeriums. Nach dem bisherigen Plan soll Griechenland seine Defizitquote bis 2014 unter die im EU-Stabilitätspakt vorgesehene Obergrenze von drei Prozent drücken. Das Sparprogramm würde allerdings dazu führen, dass Griechenlands Wirtschaft im kommenden Jahr um bis zu vier Prozent und 2014 um weitere 0,6 Prozent schrumpft, so die Studie. Streckt man hingegen den Fahrplan bis 2016 und verteilt die Lasten auf vier statt zwei Jahre, würde die Rezession im kommenden Jahr mit einem Minus von 1,5 Prozent deutlich milder ausfallen und Griechenland bereits ab 2014 wieder Wachstumsraten von zwei bis drei Prozent verzeichnen. Entsprechend schneller könnten die Defizit- und Schuldenquoten sinken.

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  • Korruption ist leider in ganz Europa endemisch, keine griechische Erfindung und Deutschland ist sicher nicht frei davon.Die Korruptionsskandale von z.B.Siemens (in 5 Ländern schon auch gerichtlich verurteilt), die Schmiergelder rundum die U-Bootverkäufe an Griechenland und nicht zuletzt die Machenschaften der Deutschen Bank sind durch die deutschen Medien nur sehr selektiv erwähnt worden. Die griechischen Politiker der letzten Jahre haben sicher ein Doktoraltitel in Korruption verdient. Aber mit dem Finger zeigen nur in ihrer Richtung, ist dem Süchtigen die Ganze Schuld zu zurechnen und den Dealer frei zu sprechen.
    Mich, als seit vielen Jahren in Deutschland lebenden und arbeitenden griechischen Arzt, stört am meisten die hasserfüllte Schadensfreude der meisten deutschen Kommentatoren.Der Ungesündigte darf den ersten Stein werfen.
    Entweder kommen wir alle zusammen aus dieser Misere, oder zerfällt die Monetäre Union und irgendwann am Ende geht auch Deutschland den Bach runter.
    Dr.K.G.

  • @ GEO2012

    Wissen Sie, dass die Französische Armee unter Napoleon weite Teile Europas insbesondere Deutschlands verwüstet und Frankreich die Deutschen Staaten ausgebeutet hat? Wissen Sie dass der Schwedische König und nicht nur der durch deutsche Landstrirhe gezogen ist und die arme Bevölkerung mit seinen Truppen massakriert hat? Und wissen Sie dass wir bei all dem Leid auch nie nur einen Taler Reparationszahlung gesehen haben? Ja, das wissen Sie also auch. Na dann soll doch Schweden oder Frankreich zahlen, Sie Geschichtsnulpe!

  • Studie des griechischen Finanzministeriums ... die hamm wohl im Sommerloch Ihren VHS-Rechenkurs "Addition, Subtraktion und was sonst noch zur Schönrechnerei benötigt wird für Dummies" belegt und ein Zeugnis erhalten auf dem steht: Brav!

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