Kommentare

_

Kommentar: Schäuble prescht zu Recht vor

Finanzminister Wolfgang Schäuble wird zum Tabubrecher und verlangt eine EU-Vertragsreform - und zwar völlig zu Recht.

Wolfgang Schäuble. Quelle: AFP
Wolfgang Schäuble. Quelle: AFP

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat ein europäisches Tabu gebrochen: Er will den EU-Vertrag von Lissabon ändern, den alle für unantastbar halten. Denn die EU-Regierungschefs haben Angst vor ihren Völkern. Sie befürchten, dass neuerliche Vertragsänderungen innenpolitisch an dem wachsenden Lager von Europaskeptikern scheitern könnten, entweder bei der parlamentarischen Ratifizierung oder in einer Volksabstimmung. Den EU-Vertrag von Lissabon hatte man nach jahrelangen quälenden Verhandlungen noch gerade so mit Mühe und Not retten können. Noch einmal möchten die meisten Regierungen nicht um eine EU-Vertragsreform kämpfen, zumal es dabei auch ums eigene politische Überleben gehen könnte.

Anzeige

Doch nun kommt der Tabubrecher Schäuble und verlangt doch eine Vertragsreform – und zwar völlig zu Recht. Die europäische Währungsunion braucht unbedingt eine neue vertragliche Grundlage, damit der Euro auf Dauer überleben kann. Wer eine Währung teilt, der muss das auch bei der Haushalts- und Wirtschaftspolitik tun. Es darf nicht mehr sein, dass einzelne Mitgliedstaaten sich zu stark verschulden und/oder ihre Wettbewerbsfähigkeit mit einer verfehlten Lohn-, Sozial- oder Arbeitsmarktpolitik ruinieren und damit den ganzen Währungsverbund ins Wanken bringen. Die Euro-Zone braucht mehr politische Integration, das ist die entscheidende Lehre aus der Krise.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Doch die unweigerlich damit verknüpfte EU-Vertragsreform würden trotzdem viele in der EU auf die lange Bank schieben. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zum Beispiel. In seinem Zwischenbericht zur Reform der Währungsunion steht nichts von einer möglichen Veränderung der EU-Vertrags. Oder die französische Regierung. Präsident Francois Hollande hat Europaskeptiker in der eigenen Regierung. Politische Integration ist für ihn schon allein deshalb ein heikles Thema. Die stolze Nation Frankreich tut sich insgesamt schwer damit, noch mehr staatliche Souveränität an die EU abzugeben.

Viel leichter fällt es Frankreich hingegen, finanzielle Solidarität in der Euro-Zone einzufordern: Die Regierung in Paris verlangt einen gemeinsamen Schuldentilgungsfonds in der EU und mittelfristig die Einführung von Eurobonds. Ratspräsident Van Rompuy, Kommissionspräsident Barroso, EZB-Präsident Draghi und Eurogruppen-Chef Juncker stehen hinter diesen Forderungen. Doch Deutschland sperrt sich weiterhin.

Der Druck auf Deutschland wächst: Die Bundesregierung soll ihren gewaltigen Finanzierungsvorteil an den Finanzmärkten aufgeben, um anderen niedrigere Zinsen zu ermöglichen. Das wird auf Dauer wohl unvermeidlich sein. Doch wer Geld geben soll, muss im Gegenzug politische Integration fordern. Wer für die Schulden anderer einstehen soll, der muss auf die Finanzpolitik der anderen auch Einfluss ausüben können. Deshalb hat Wolfgang Schäuble recht.

  • 08.11.2012, 09:53 Uhrcoachoutlettt


    Also expected Coach Factory Outlet to depart is Chanel Bags David Plouffe, one Coach Outlet of the president’s Coach Outlet closest confidants,the Coach Outlet coming negotiations Chanel Bags hold big risks Louis Vuitton for both parties and for the president’s ability.

  • 17.10.2012, 20:11 UhrMary

    Warum nicht einmal im Monat mit einer Beilge beginnen? Kultur ist im besten Fall Anweisung zur Harmonisierung unserer Bedürfnisse...

  • 17.10.2012, 11:17 UhrInkorruptus

    Eine höhere EU-Integration, um eine fehlkonstruierte Währung zu retten, die wegen der zu unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Parameter der beteiligten Länder keinen Sinn macht? Das wird noch mehr Fliehkräfte mobilisieren, sozialen Sprengstoff anhäufen. Und ohne dass die massiven legitimatorischen und demokratischen Defizite der EU angegangen werden? So werden Schäuble und Handelsblatt - interessengeleitet? - wenn es (bei Schäuble) nicht Taktik ist - zum Totengräber des Vereinigten Europa.

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

Gastbeitrag: „Eine Klage gegen die EZB ist unausweichlich“

„Eine Klage gegen die EZB ist unausweichlich“

Unabhängig wie das Bundesverfassungsgericht zum rechtwidrigen EZB-Anleihekaufprogramm steht, sollte Deutschland die Initiative ergreifen und die Zentralbank vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen. Ein Gastbeitrag.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.