Kommentar: Schäuble, wer denn sonst

Kommentar
Schäuble, wer denn sonst

Nach der Hamburg-Wahl am 29. Februar wollen die Union und die FDP endlich ihren Kandidaten für das höchste Staatsamt in Deutschland benennen. Bis dahin wird sich die Spekulationsspirale im Tagestakt weiter beschleunigen.

Die Parteien taktieren und finassieren bis zum letzten Moment. Wir nähern uns aber offenbar bereits der Entscheidung. Warum sonst meldet sich auf einmal Helmut Kohl zu Wort? Der Altbundeskanzler hat sein begnadetes Gefühl für die Wendepunkte einer politischen Entwicklung nicht verloren.

Kohls Vorschlag, die Union solle einen FDP-Kandidaten unterstützen, dient einem eindeutigen Zweck: Wolfgang Schäuble soll nicht Bundespräsident werden. Je mehr Leute sich zusammenrotten, um Schäuble zu verhindern, desto deutlicher wird jedoch: Kein anderer Kandidat kann dem CDU-Politiker das Wasser reichen. Was muss ein Bundespräsident mitbringen? Intellektuelles Format, politische Erfahrung, rhetorisches Talent und Sinn für staatsmännische Verantwortung. Nach diesen Kriterien wirken viele Alternativkandidaten wie Wolfgang Gerhardt (FDP) oder Bernhard Vogel (CDU) neben Schäuble wie politische Zwerge. Nur Edmund Stoiber oder Angela Merkel könnten sich vielleicht mit dem 61-Jährigen messen. Doch beide werden dringend in der Tagespolitik gebraucht.

Die Liberalen haben niemanden zu bieten, der auf Augenhöhe mit Schäuble kommt. Wolfgang Gerhardt? Viel zu konturlos, um als Bundespräsident geistige Wegmarken zu setzen. Cornelia Schmalz-Jacobsen? Seit Jahren nur eine Randfigur der Bundespolitik. Und Hans-Dietrich Genscher? Der 76-Jährige wäre vor zehn Jahren ein guter Bundespräsident gewesen, aber jetzt kaum.

Als einziges Gegenargument gegen Schäuble bleibt seinen Widersachern nur der Hinweis auf seine Verwicklung in die CDU-Parteispendenaffäre. Tatsache ist jedoch: Obwohl die linke Meinungspresse und die politischen Gegner Schäubles nun schon seit Jahren eifrig suchen, fehlt jeder hieb- und stichfeste Beweis gegen ihn.

Vielleicht gelingt es ihnen trotzdem, Schäuble zu verhindern. Aber das wäre gewiss kein Sieg der politischen Moral, sondern nur ein weiterer Triumph des Mittelmaßes in Deutschland.

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