Kommentare

_

Kommentar: Schafft gleich das Bundesbildungsministerium ab!

Annette Schavan hat bei ihrer Dissertation gepfuscht. Deshalb muss sie zurücktreten. Einen Nachfolger im Amt muss es aber nicht zwangsläufig geben. Denn ein eigenes Bildungsministerium ist in Deutschland überflüssig.

Der Bildungsminister-Stuhl im Kabinett sollte unbesetzt bleiben. Quelle: dpa
Der Bildungsminister-Stuhl im Kabinett sollte unbesetzt bleiben. Quelle: dpa

DüsseldorfDer Satz, der Annette Schavan auf dem Posten der Bildungsministerin unmöglich macht, fällt am 28. Februar 2011: „Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich“, sagte Schavan damals über die Plagiatsaffäre des damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Anzeige

Jetzt ist Schavan selbst als Täuscherin überführt. Sie ist kein Opfer der damaligen Verhältnisse an der Hochschule oder ihres heutigen Bekanntheitsgrads. Natürlich haben die Verantwortlichen der Uni Düsseldorf die Prominenz ihres Falls nicht ignorieren können, ihre Entscheidung fußt jedoch auf wissenschaftlichen Standards. Die Mitglieder des Fakultätsrats haben zügig entschieden und auf ein weiteres Gutachten verzichtet – das macht niemand, der Zweifel hegt.

Annette Schavan kämpft, ficht das Verfahren vor Gericht an, dabei ist ihre Reputation bereits jetzt entscheidend beschädigt. Da können die Richter urteilen wie sie wollen – der formale Ablauf mag juristisch anfechtbar sein, die Vergehen beim Verfassen ihrer Arbeit „Person und Gewissen“ bleiben bestehen. Und eine Bildungsministerin, die bei ihrer Dissertation plagiiert hat, kann nicht weiter für Deutschlands Wissenschaft sprechen.

Annette Schavan Merkels Vertraute und Rekordministerin

  • Annette Schavan: Merkels Vertraute und Rekordministerin
  • Annette Schavan: Merkels Vertraute und Rekordministerin
  • Annette Schavan: Merkels Vertraute und Rekordministerin
  • Annette Schavan: Merkels Vertraute und Rekordministerin

Einen Rücktritt schließt Schavan noch aus – dabei wäre er nicht nur die einzig richtige Konsequenz, sondern auch aus zweierlei Gründen politisch vernünftig:

Erstens erspart Schavan ihrer Freundin und Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Menge Ärger. Merkel kann es sich nicht erlauben, die beschädigte Ministerin mit durchzuziehen. Insbesondere in einem Wahljahr lässt sich das Thema nicht aussitzen. Die Opposition, die jetzt Schavans Rücktritt fordert, wird Jagd auf „Dr. No“ machen. Schnell abräumen lässt sich das Thema auch nicht: Der Prozess vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf könnte sich über Monate hinziehen und durch weitere Instanzen gehen.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.
Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Zweitens bietet ein Rücktritt Kanzlerin Merkel die große Chance, gleich das ganze Ministerium abzuschaffen und noch vor der Bundestagswahl Perspektiven aufzuzeigen, wie ein „Kabinett der Zukunft“ aussehen könnte

„Bildung und Forschung sind die Grundlagen, auf denen wir unsere Zukunft aufbauen.“ So heißt es auf der Homepage des Bundesbildungsministeriums. Die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung sei deshalb ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Wohlstands in unserem Land. Vollkommen richtig. Nur wer sagt, dass diese Aufgaben zwangsläufig ein Bundesministerium übernehmen muss?

Richtig zitieren Von der Angst, unbewusst zu plagiieren

Erst Guttenberg, dann Koch-Mehrin, nun fürchtet Annette Schavan um ihr Lebenswerk – haben sie es nicht besser gewusst? Es herrscht Verunsicherung, wenn es ums korrekte Zitieren geht. Worauf Studenten achten müssen.

Es gibt bereits 16 Minister, die sich um die Ausbildung in Schule und Hochschule kümmern. Die Themen Bafög und außerschulische Ausbildung wären bei ihnen daher auch nicht fehl am Platz. Die Leitplanken der Bildungspolitik setzt die Kulturministerkonferenz, der Zusammenschluss der Bildungs- und Forschungsminister der Länder. Voraussetzung wäre allerdings, das Prinzip der Einstimmigkeit der Beschlüsse zu kippen.

Jürgen Rüttgers wurde 1994 als Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zum „Zukunftsminister“ im Kabinett von Helmut Kohl. 2013 wäre die Zeit für neue Zuschnitte: Forschung und Technologie gehören ins Wirtschaftsministerium, die Bildung in die Länder.

  • 07.02.2013, 21:06 Uhrdiegoe

    Eine Ministerin mogelt sich mit einem geschummelten Dr. erfolgreich durch's Leben - ohne jeglichen Abschluss und wird zur Belohnung als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt. Sich öffentlich abfällig und selbstherrlich zum Fall Guttenberg äußert. Bis jetzt beteuert nicht betrogen zu haben und Anwälte bemüht, um der Uni Düsseldorf Verfahrensfehler nachzuweisen.
    Ein Bundespräsident, der sich von Gönnern aushalten lässt.
    Ein Verteidigungsminister, der ebenso seinen Dr. ergaunert.
    Leider bilden diese Beispiele ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die kleinen und großen unverfrorenen Gauner sind überall.
    Und weil dem so ist, benötigen wir klare gesetzliche und moralische Regeln, um einen Absturz in die Anarchie zu vermeiden.
    Und diese Regeln hat eine Frau Schawan moralisch und universitär grob missachtet.
    Daher muss sie schleunigst zurücktreten. Leider gibt es keine gesetzliche Handhabe ihr dieses zu nehmen. Schade.

  • 07.02.2013, 14:36 UhrRBern

    @Struwe
    ..nicht weil die zuständige Ministerin unzureichend zitiert hat. Sondern weil sie für die Konzeptionslosigkeit der CDU/CSU in der Bildungspolitik steht...
    Wissen Sie welcher Partei die zuständige Ministerin angehört? Ist sie Parteimitglied der NPD?
    Bisher dachte ich immer, sie ist Mitglied der CDU.

  • 07.02.2013, 11:20 UhrStruwe

    Hallo Herr Kaufmann,

    sorry, aber die Abschaffung des Bundesbildungsministeriums wäre m.E. der völlig falsche Schritt. Im Gegenteil: Wir brauchen eine Strategie, um die fatale Fehlentscheidung der Bundesregierung, im Zuge der Föderalismusreform alle Kompetenzen in der Bildungspolitik auf die Länder zu übertragen, schnellstmöglich zu revidieren!

    Dabei entscheidet die Bildung über die Zukunft unseres Landes! Und dies umfasst alle Lebensphasen: Krippen, Kindergärten, Grundschulen, Schulen, Ausbildung, Hochschulen, Universitäten und Weiterbildung. Die schlechten Wahlergebnisse von CDU und FDP in den Bundesländern sind auch - wenn nicht ein wesentliches - Ergebnis einer chaotischen Bildungspolitik. In baden-Württemberg kann man wegen des Bildungschaos der Vorgängerregierung nicht mal von der Rheinebene in den Schwarzwald ziehen, wenn man schulpflichtige Kinder hat. Denn es gelten unterschiedliche Modelle bspw. für den Fremdsprachenunterricht. Umziehen von einem Bundesland ins andere ist bildungspolitisch ein Alptraum! Und wegen der Schuldenpolitk der Kommunen, Länder und des Bundes ist für die Bildung kein Geld da - man ist schon froh, wenn den Kindern in den Schulen nicht das Dach über dem Kopf einstürzt!

    Bildung müsste im Bund das zentrale Wahlkampfthema sein!

    Das (Bildungs-)Bürgertum wendet sich derzeit kopfschüttelnd ab, nicht weil die zuständige Ministerin unzureichend zitiert hat. Sondern weil sie für die Konzeptionslosigkeit der CDU/CSU in der Bildungspolitik steht.

  • Kommentare
EEG-Ökostromumlage: Beobachten Sie jetzt genau Ihren Stromanbieter!

Beobachten Sie jetzt genau Ihren Stromanbieter!

Die Ökostromumlage sinkt im nächsten Jahr. Auch wenn es sich nur um einen Mini-Betrag handelt, sollte Ihr Stromanbieter den an Sie weitergeben. Wenn nicht, wechseln Sie. Er tut ihnen nichts Gutes.

Kommentar zur EU-Kommission: Junckers Bauernopfer

Junckers Bauernopfer

Hilfst Du mir, helf' ich Dir, so ist das in der Politik– auch in Brüssel. Dass das Parlament Vize-Chefin Bratusek als EU-Kommissarin ablehnte, hat viel mit taktischen Spielchen im Poker um politische Macht zu tun.

  • Kolumnen
Der Transformer: IT-Gipfel – ein Klassentreffen mit Kanzlerin

IT-Gipfel – ein Klassentreffen mit Kanzlerin

Einmal im Jahr trifft sich die IT-Branche zum Treffen mit der Kanzlerin. Doch was als Gipfel gepriesen wird, ist eigentlich nicht mehr als ein jährliches Ritual – mit mauen Ergebnissen.

Was vom Tage bleibt: IT-Gipfel – Wer schützt unsere Geheimnisse?

IT-Gipfel – Wer schützt unsere Geheimnisse?

Der Innenminister reklamiert ein Recht auf Geheimniskrämerei: Hat er Recht? Adidas könnte Reebok verkaufen, aber kaum unter Hainer. Und: Auch beim Verheiratetsein zählt das richtige Maß. Wieso, lesen Sie im Tagesbericht.

Der Medien-Kommissar: Echternacher Springprozession von ARD und ZDF

Echternacher Springprozession von ARD und ZDF

Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen für viel Geld einen Jugendsender im Internet starten, der schlichtweg überflüssig ist. Der neue Kanal soll jetzt doch noch kommen, obwohl ihn niemand so recht braucht.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Bankenunion: Die Bankenunion kommt zu früh

Die Bankenunion kommt zu früh

Im November tritt die Bankenunion in Kraft. Verfrüht, findet Ognian Hishow: Weil viele Banken nicht genug Kapital aufweisen, wird die EZB als Bankenaufseherin Maßnahmen ergreifen, die die Geldwertstabilität gefährden.

Gastbeitrag zur Türkei: Erdogans Verhalten ist ein Ausdruck des Scheiterns

Erdogans Verhalten ist ein Ausdruck des Scheiterns

Kritik an der türkischen Politik gegenüber dem IS ist berechtigt, wenn auch aus anderen Gründen als häufig angeführt. Günter Seufert über die gefährliche Politik der Türkei, mit der sie sich außenpolitisch isoliert.

Gastbeitrag zum EZB-Anleihen-Programm: Eine spannende Verhandlung

Eine spannende Verhandlung

Der Europäische Gerichtshof muss die Frage klären, ob das OMT-Programm der EZB zum Ankauf von Staatsanleihen rechtens ist. Das Urteil wird mit Spannung erwartet. Aber ist es entscheidend? Denkbar sind drei Szenarien.

  • Presseschau
Presseschau: Frankreich als Bittsteller in Berlin

Frankreich als Bittsteller in Berlin

Wenn es nach Paris geht, soll Deutschland den gleichen Betrag investieren, den Frankreich einspart. Viele finden das unverschämt und die Presse meint: Die deutsch-französische Freundschaft muss neu definiert werden.