Kommentar
Schatten des Zweifels

Annette Schavan ist zurückgetreten. Hätte Sie trotz der Aberkennung ihres Doktortitels nicht trotzdem eine gute Ministerin sein können? Vielleicht, aber für Zweifel ist kein Platz.
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DüsseldorfAnnette Schavan geht – und löst Betroffenheit aus. Wir zollen ihrer Entscheidung Respekt, wir fragen uns, ob selbst eine bewusste Täuschung, wie sie die Universität Düsseldorf in ihrer Doktorarbeit festgestellt hat, nicht irgendwann verjährt ist und wir diskutieren, ob eine Frau, deren Studienabschluss nicht in Ordnung ist, nicht dennoch eine Generation später eine gute Ministerin abgeben kann.

Auf alle diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten. Und weil das so ist, ist der Rücktritt der einzig richtige Schritt, zu dem sich Annette Schavan entscheiden konnte. Eine Ministerin, deren Person so mit Zweifeln belastet ist, kann ihr Amt nicht ausfüllen. Es geht hier schließlich nicht um politischen Streit oder um inhaltlichen Disput – sondern um ein persönliches Defizit. Und da sich die Schatten des Zweifels an ihrer Integrität nicht ausräumen lassen, bleibt nur der Rücktritt.

Wer der Ministerin jetzt hinterher trauert, der sollte überlegen, was er mit Anette Schavan verbindet. Sie ist in ihrem Amt eine kluge Arbeiterin gewesen, eine öffentliche Antreiberin war sie nicht. Die Chance, Bildung und Forschung nicht nur als Thema darzustellen, bei dem jeder nickt, sondern als Existenzgrundlage unseres Landes, an der jeder mitbauen muss, hat sie verpasst.

Kommentare zu "Schatten des Zweifels"

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  • Verjährung des Doktortitels

    Lebensmittel verrotten, Autos verrosten, Schulden verfallen, Punkte in Flensburg werden gelöscht, Straftaten verjähren, Fristen laufen aus, und sogar den Führerschein soll es nicht mehr uneingeschränkt auf Lebenszeit geben. Ewig ist nur der akademische Titel. Warum eigentlich?

    Jeder gute Schulabschluss ist sowie jeder ehrlich erworbene, akademische Titel eine anerkennenswerte Leistung und eine hervorragende Empfehlung für den Einstieg ins Berufsleben. Doch wenn interessiert noch mein Schulabschlusszeugnis, wenn ich mich 20, 30 Jahre lang in einem oder mehreren Berufen schlecht oder auch recht bewährt habe? Niemanden! Und wer möchte nach so vielen Jahren behaupten, dass er seinen Schulabschluss so ad hoc mit gleichem Erfolg wiederholen könnte. Wohl ebenfalls niemand! Wenn im Laufe des Lebens auch viel dazu gelernt wurde, vieles was damals relevant war, ist heute vergessen. Verhält es sich mit Doktorarbeiten nicht ebenso?

    Ich hielte es deshalb nur für konsequent, auch akademische Titel mit festzulegender Frist dem Verfall preiszugeben. Es sei denn, sie werden in irgend noch festzulegender Form erneuert. Wer in seinem Beruf eingespannt ist, wie eine Bildungsministerin, hat dazu keine Zeit. Aber der kann sich inzwischen auf andere, substantielle Weise empfehlen. Auch wenn der akademische Titel irgendwann automatisch verfällt, spielte das keine Rolle mehr und wäre für den Betreffenden kein Makel.

    Der Plagiatjäger Leidenschaft wäre ganz gesund auf den bescheidenen Level einer Freizeitbeschäftigung zurückgestuft, es sei denn sie beschränkten sich auf solche Fälle, die aufgrund jüngeren Alters wirklich noch von Relevanz sind.

  • Schatten des Zweifels?
    Seit der ersten Veröffentlichung in diesem Blog ist klar, sie muß gehen. Da hatte ich überhaupt keine Zweifel.
    Führerscheine und Doktortitel gibt es nicht bei N*ckermann, Punkt und fertig. Viele Politiker haben keinen Doktortitel und machen bessere Arbeit. Aber wer sich einen "zulegt", der muß es schon ehrlich machen, ohne jeden, wirklich ohne jeden, Zweifel.
    Was für Vorbilder hat unsere Zeit? Da kann einem nur noch schlecht werden, die Folgerung wäre, wer am besten besch** hat gewonnen. Wozu mußte dann Wulff gehen, er hat sich privat einen Kredit besorgt und sonst ein paar kleine Annehmlichkeiten verschafft. Da hatte merkwürdigerweise niemand in der Presse Zweifel. <ironie>Ohne jeden Zweifel ein gutes Vorbild</ironie>

  • Diktatur
    da gebe ich Ihnen völlig Recht.
    Wer sich z. B. als Arzt in eine Klinik einschleicht, weil er seine Papiere gefälscht hat, dann aber rauskommt, dass er gar kein Arzt ist, der kommt vor Gericht.
    Eine falsche Dissertation bei Politikern jedoch wird finanziell noch belohnt
    Wo leben wir eigetlich inzwischen?

  • Warum trauern so viele Frau Schavan nach? Was hat Sie den geleistet? Was hat Sie Positives ausgelöst? Für was wurde Sie in den letzten Jahrzehnten bezahlt? Mir fällt nur Nutzlosigkeit, Ignoranz, Beratungsresistenz ein. Ihre größte Sinnlosigkeit hat Frau Schavan in Baden-Württemberg vollbracht. Gegenn alle Eltern und Lehrer wurde hier durch Sie das G 8 eingeführt. Was dazu führte, daß der Nachmittagsunterricht ab der 5.Klasse normal wurde, was dazu führte, daß Kinder Ihrer Judend beraubt wurden, da der Stoff noch verdichteter wurde und für Freizeit noch weniger Zeit war, daß den Vereinen der Nachwuchs fehlt, da diese Jugend nicht mehr zur Verfügung stand. Dies alles mit dem Ziel, daß die 17-jährigen Abiturienten jetzt die Eltern brauch um sich bei der Uni einzuschreiben und dann als junge Absolventen die Uni verlassen und keine Stelle bekommen, weil diese noch nicht reif genug sind. Ich finde es eine als shr angebnehm, daß es noch Gerechtigkeit gibt und Frau Schavan jetzt das ist, was ich mir schon immer gedacht habe-eine Frau ohne einen akademischen Abschluß-einfach ungelernt!

  • Doch Herr Stock, es gibt eindeutige Antworten. Jedenfalls für klar denkende Menschen.

    Und was wurde Lobenswertes im Bildungssystem erreicht ?

    Das international anerkannte Diplom wurde weitgehend abgeschafft und der Bachelor eingeführt. Wie die Lemminge sind wir wieder einmal den anderen hinterhergelaufen und werfen bewährte eigene Traditionen über Bord, weil man es in Spanien oder China oder sonstwo anders macht.

    Haben Sie schulpflichtige Kinder ? Können Sie mit dem Zustand des Bildungssystems einverstanden sein ?

  • ob nun mit oder ohne DR-Titel, wenn man(n) oder frau vernünftige Politik macht, ist mir das völlig egal.
    Ist eigentlich mal jemanden aufgefallen das merkwürdigerweise fast immer CDU/CSU oder FDP Politker trifft!?!?!
    Ein Schelm der dabei böses denkt

  • Vor dem Gesetz sind alle gleich, erschlichener und unrechtmäßiger Titel , Urheberrechtsverletzung ,, vorsätzlicher Betrug zum Zweck der Bereicherung.

    Wann wird der Statsanwalt tätig im Banenstaat DE.???

    Die fetten Maden im der Verwaltungsdiktatur DE sind zur Rechenschaft zu ziehen.
    Ist das nicht gewährleistet wird die Strasse das künftig Regeln !!!

  • Hans Werth: Prämie auf den Zweifel (2)
    Und in der Auffassung von der Rolle des Wissenschaftlers u.a. als "Entdecker","Systematisierer wie Aristoteles", Verbesserer" (S. 155/156), folgt er Florian Znaniecki's (New York 1940) Verständnis zur Wissenschaftsrolle als "Kämpfer für die Wahrheit", nicht zuletzt auch als "Tatsachen-Finder". (S. 157/158). Kritisch befasst er sich mit verschiedenen Motivationen im Berufsfeld des Wissenschaftlers, wenn z. B. "jemand versucht, bereits in frühen Jahren eine Aufgabe sich vorzunehmen, die seine Kräfte übersteigt" (S. 148). Unter diesen Aspekten ist der Ruf nach gesetzlicher Verjährungseinrede kaum ein geeignetes Instrument, den Selbstreinigungsprozess der Wissenschaft zu fördern. Im Diskurs wird offensichtlich Ursache und Wirkung verwechselt, wenn nun allseits berufliche Leistungen und Amtsführung sozusagen als Schutzschrift demonstrativ vorgetragen werden, denn das Meiste davon, steht in ursächlichem Zusammenhang, vor allem in Deutschland, mit der Wirkungsmacht akademischer Titel, die eben den Anderen "95" von den "100" versagt bleiben. Versagt bleibt dies oft auch "materiell", ja sogar belastet mit Haftungsrisiko, auch wenn Andere noch so qualifiziert und redlich ein Leben lang arbeiten - ganz im Gegensatz zu sicheren und hohen Pensionsansprüchen jener "5" ...
    Alle Zitate aus der vorbildlichen Beck'sche Schwarze Reihe Bd. 118: Bühl, Walter L., Einführung in die Wissenschaftssoziologie, Becksche schwarze Reihe Bd. 118, Verlag C. H. Beck, München, 1974, (Seite).

  • Hans Werth: Prämie auf den Zweifel (1)
    In seiner Wissenschaftssoziologie schrieb Kurt L. Bühl 1974: "Es muß eine Prämie auf den Zweifel gesetzt werden." (104), eine Indiz dafür, dass die von Fr. S. kritisierten "anonymen Kritiker" in ihrer Akribie richtig liegen. Es ist so etwas wie ein Theorem der Wissenschaft, in der ein "organisierter Skeptizismus" (114) als "einzuhaltende Norm" zu gelten habe. Es gab 1974 das Internet -als militärisches Forschungsprogramm 1969- begonnen, noch nicht in heutiger Prosperität, so dass Bühl in der "Geheimhaltung von Wissen" eine Normverletzung in etwas anderem Zusammenhang als wir heute, sehen musste. Er kannte damals dennoch "Risiken mangelhafter Nachprüfbarkeit" (S. 95), die sich heute deutlich reduziert haben. Sowohl in Wissenschaft und Politik "zahlen sich übertriebene Geheimhaltungsversuche nicht aus". (115)
    Zur Wissenschaftsgemeinschaft, auch als "Torwächter" (S. 116), gehören nach Bühl auch die "Rebellen" und "Dissidenden" - "ein institutionalisierter Anarchismus und die Ermunterung von Querköpfen ist zwar zerstörerisch ..." aber "nur so bietet sich die Chance", (S. 138) "daß die Konfliktaustragung in einer Weise organisiert ist, daß die Diskursfähigkeit der Mitglieder erhalten bleibt oder noch erhöht wird." (S. 139)
    Absichtsvoll nicht korrektes Arbeiten stellt er in Zusammenhang mit "Betrüger" (S. 111), "Verhalten kriminell" (S. 116) und "Normverletzer (S. 118). Er mahnt "Methoden der Sorgfalt" (S. 300) an, in der sich die Leistung beweisen müsse u.a. als "Handlungsprinzipien ... die dem wissenschaftlichen Handeln ... zugrunde liegen sollten" (S. 96).
    Bühls kritische Akzentuierung basiert u.a. darauf, "dass von je 100 Menschen 95 in intellektuell weniger anspruchsvollen Berufen arbeiten müssen, damit 5 in das Privileg kommen, sich mit wissenschaftlichen Problemen beschäftigen zu dürfen." (S. 27)

  • In einem Land, in dem gestandene Familienväter mit Kindern im Gymnasiumsalter es sich nicht leisten können, von Nord nach Süd umzuziehen, weil die Kinder dann in der Schule scheitern (am Schulsystem - nicht an der eigenen Intelligenz) und üblicherweise eine Klasse wiederholen müssen, in diesem Land stimmt etwas mit dem Bildungssystem nicht.

    Die Lösung der grün-roten Ökosozialisten, das Gymnasium abzuschaffen, ist da die dümmste Lösung. Wird aber forciert.

    Wie wäre es mit dem folgenden Konzept: 16 mehr oder weniger dilettantisch vor sich hinwurstelnde Landesbildungsversuche zu einem einheitlichen deutschen Gesamtkonzept zusammen zu fassen? Im zukünftigen europ würde das sicher helfen, ein Rest von Identität zu wahren.

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