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Kommentar: Schatten des Zweifels

Annette Schavan ist zurückgetreten. Hätte Sie trotz der Aberkennung ihres Doktortitels nicht trotzdem eine gute Ministerin sein können? Vielleicht, aber für Zweifel ist kein Platz.

Vom Amt der Bundesbildungsministerin zurückgetreten: Annette Schavan (CDU). Quelle: dpa
Vom Amt der Bundesbildungsministerin zurückgetreten: Annette Schavan (CDU). Quelle: dpa

DüsseldorfAnnette Schavan geht – und löst Betroffenheit aus. Wir zollen ihrer Entscheidung Respekt, wir fragen uns, ob selbst eine bewusste Täuschung, wie sie die Universität Düsseldorf in ihrer Doktorarbeit festgestellt hat, nicht irgendwann verjährt ist und wir diskutieren, ob eine Frau, deren Studienabschluss nicht in Ordnung ist, nicht dennoch eine Generation später eine gute Ministerin abgeben kann.

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Auf alle diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten. Und weil das so ist, ist der Rücktritt der einzig richtige Schritt, zu dem sich Annette Schavan entscheiden konnte. Eine Ministerin, deren Person so mit Zweifeln belastet ist, kann ihr Amt nicht ausfüllen. Es geht hier schließlich nicht um politischen Streit oder um inhaltlichen Disput – sondern um ein persönliches Defizit. Und da sich die Schatten des Zweifels an ihrer Integrität nicht ausräumen lassen, bleibt nur der Rücktritt.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Wer der Ministerin jetzt hinterher trauert, der sollte überlegen, was er mit Anette Schavan verbindet. Sie ist in ihrem Amt eine kluge Arbeiterin gewesen, eine öffentliche Antreiberin war sie nicht. Die Chance, Bildung und Forschung nicht nur als Thema darzustellen, bei dem jeder nickt, sondern als Existenzgrundlage unseres Landes, an der jeder mitbauen muss, hat sie verpasst.

  • 09.02.2013, 16:13 UhrKAFFEEVIERECK

    Ach Hr. Stock hören Sie doch auf mit Ihrem herumgesülze. Fällt Ihnen denn nichts besseres ein? Frau Schavan hat beschissen, womöglich Ihre "Dissertation" ählich wie Hr. Guttenberg von einem "Ghostwriter" zusammen zimmern lassen.
    Mit dieser "Auftrasgsarbeit" hat Sie das gesamte deutsche Volk getäuscht und unrechtmäßig Karriere gemacht. Diese Frau gehört vor den Haftrichter u. sonst nirgendwo mehr hin!

  • 09.02.2013, 16:51 Uhrgetglobalized

    am besten Mal dazu Schumpeters Werk "kreative Zerstörung durch Innovation" lesen. Dann wissen wir, dass es jetzt hoffentlich zu einem Umbruch im Bildungssystem kommt. 20 Jahre nach Einführung des Internets ist die Zeit reif auch in Dtl. die Online Uni komplett verfplichtend und flächendeckend einzuführen. Wissen für alle!! Dazu gehört noch eine Reform des Schulsystems; antike Fächer wie Religion, Latein&Altgriechisch sind durch Ethik und Spanisch, evtl. ein bisschen Arabisch und Chinesisch zu ersetzen. Gestaltet das Bildungssystem endlich effizienter und müllt die Kinder doch nicht mit unnützem Wissen zu. In any case lots of things to do in good old Germany; ich bin gespannt auf die Roadmap der Nachfolge-Managerin.

  • 09.02.2013, 16:54 UhrR.Rath

    Immerhin besitzt Frau Schavan soviel politischen Instinkt und hat ihr Amt zur Verfügung gestellt. Vor ein paar Tagen sah es noch anders aus, als sie verlautbaren ließ, sie wolle um ihr Amt "kämpfen". Als gewesener Doktor in der Nachfolge des Herrn Guttenberg kann man nicht "kämpfen". Sollte es Frau Schavan versucht haben, wird sie schnell zu der Erkenntnis gekommen sein, dass dieser "Kampf" aussichtslos gewesen wäre nicht zuletzt wenn man eine Frau Merkel als Chefin hat.
    Wenn in ein paar Monaten die Aberkennung ihres Doktortitels gerichtsnotorisch ist, wird dieser Vorgang nur noch eine Randnotiz sein.

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