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Kommentar: Schatten des Zweifels

Annette Schavan ist zurückgetreten. Hätte Sie trotz der Aberkennung ihres Doktortitels nicht trotzdem eine gute Ministerin sein können? Vielleicht, aber für Zweifel ist kein Platz.

Vom Amt der Bundesbildungsministerin zurückgetreten: Annette Schavan (CDU). Quelle: SAP/dpa
Vom Amt der Bundesbildungsministerin zurückgetreten: Annette Schavan (CDU). Quelle: SAP/dpa

DüsseldorfAnnette Schavan geht – und löst Betroffenheit aus. Wir zollen ihrer Entscheidung Respekt, wir fragen uns, ob selbst eine bewusste Täuschung, wie sie die Universität Düsseldorf in ihrer Doktorarbeit festgestellt hat, nicht irgendwann verjährt ist und wir diskutieren, ob eine Frau, deren Studienabschluss nicht in Ordnung ist, nicht dennoch eine Generation später eine gute Ministerin abgeben kann.

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Auf alle diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten. Und weil das so ist, ist der Rücktritt der einzig richtige Schritt, zu dem sich Annette Schavan entscheiden konnte. Eine Ministerin, deren Person so mit Zweifeln belastet ist, kann ihr Amt nicht ausfüllen. Es geht hier schließlich nicht um politischen Streit oder um inhaltlichen Disput – sondern um ein persönliches Defizit. Und da sich die Schatten des Zweifels an ihrer Integrität nicht ausräumen lassen, bleibt nur der Rücktritt.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Wer der Ministerin jetzt hinterher trauert, der sollte überlegen, was er mit Anette Schavan verbindet. Sie ist in ihrem Amt eine kluge Arbeiterin gewesen, eine öffentliche Antreiberin war sie nicht. Die Chance, Bildung und Forschung nicht nur als Thema darzustellen, bei dem jeder nickt, sondern als Existenzgrundlage unseres Landes, an der jeder mitbauen muss, hat sie verpasst.

  • 12.02.2013, 19:24 UhrTorsten_Steinberg

    Verjährung des Doktortitels

    Lebensmittel verrotten, Autos verrosten, Schulden verfallen, Punkte in Flensburg werden gelöscht, Straftaten verjähren, Fristen laufen aus, und sogar den Führerschein soll es nicht mehr uneingeschränkt auf Lebenszeit geben. Ewig ist nur der akademische Titel. Warum eigentlich?

    Jeder gute Schulabschluss ist sowie jeder ehrlich erworbene, akademische Titel eine anerkennenswerte Leistung und eine hervorragende Empfehlung für den Einstieg ins Berufsleben. Doch wenn interessiert noch mein Schulabschlusszeugnis, wenn ich mich 20, 30 Jahre lang in einem oder mehreren Berufen schlecht oder auch recht bewährt habe? Niemanden! Und wer möchte nach so vielen Jahren behaupten, dass er seinen Schulabschluss so ad hoc mit gleichem Erfolg wiederholen könnte. Wohl ebenfalls niemand! Wenn im Laufe des Lebens auch viel dazu gelernt wurde, vieles was damals relevant war, ist heute vergessen. Verhält es sich mit Doktorarbeiten nicht ebenso?

    Ich hielte es deshalb nur für konsequent, auch akademische Titel mit festzulegender Frist dem Verfall preiszugeben. Es sei denn, sie werden in irgend noch festzulegender Form erneuert. Wer in seinem Beruf eingespannt ist, wie eine Bildungsministerin, hat dazu keine Zeit. Aber der kann sich inzwischen auf andere, substantielle Weise empfehlen. Auch wenn der akademische Titel irgendwann automatisch verfällt, spielte das keine Rolle mehr und wäre für den Betreffenden kein Makel.

    Der Plagiatjäger Leidenschaft wäre ganz gesund auf den bescheidenen Level einer Freizeitbeschäftigung zurückgestuft, es sei denn sie beschränkten sich auf solche Fälle, die aufgrund jüngeren Alters wirklich noch von Relevanz sind.

  • 12.02.2013, 11:51 Uhrnetshadow

    Schatten des Zweifels?
    Seit der ersten Veröffentlichung in diesem Blog ist klar, sie muß gehen. Da hatte ich überhaupt keine Zweifel.
    Führerscheine und Doktortitel gibt es nicht bei N*ckermann, Punkt und fertig. Viele Politiker haben keinen Doktortitel und machen bessere Arbeit. Aber wer sich einen "zulegt", der muß es schon ehrlich machen, ohne jeden, wirklich ohne jeden, Zweifel.
    Was für Vorbilder hat unsere Zeit? Da kann einem nur noch schlecht werden, die Folgerung wäre, wer am besten besch** hat gewonnen. Wozu mußte dann Wulff gehen, er hat sich privat einen Kredit besorgt und sonst ein paar kleine Annehmlichkeiten verschafft. Da hatte merkwürdigerweise niemand in der Presse Zweifel. <ironie>Ohne jeden Zweifel ein gutes Vorbild</ironie>

  • 11.02.2013, 13:36 Uhrmargrit117888

    Diktatur
    da gebe ich Ihnen völlig Recht.
    Wer sich z. B. als Arzt in eine Klinik einschleicht, weil er seine Papiere gefälscht hat, dann aber rauskommt, dass er gar kein Arzt ist, der kommt vor Gericht.
    Eine falsche Dissertation bei Politikern jedoch wird finanziell noch belohnt
    Wo leben wir eigetlich inzwischen?

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