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Kommentar: Schlechte Zeiten für Schönwetterkapitäne

Die Lage der deutschen Unternehmen ist eindeutig besser, als der gesamtwirtschaftliche Ausblick erwarten ließe. Die Wirtschaft sonnt sich auf einer Insel. Das ist sehr gefährlich.

Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle: Pablo Castagnola

Selten geht es so entspannt zu in Deutschlands Führungsetagen. Vorstände und Aufsichtsräte trudeln nach und nach aus dem Winterurlaub ein. Sie haben keine Eile. Selbst die Statthalter blicken auf eine stressfreie Jahreswende zurück. Vor dem Dreikönigsfest regt sich praktisch nichts. Nur im Finanzressort brennt wie immer in dieser Zeit das Licht bis spät in die Nacht. Es ist Bilanzierungs-Saison.

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Normalerweise sind das aufregende Tage, nicht nur für Buchhalter. Manager wie Kontrolleure warten mit Spannung auf das Ergebnis. Sind die Ziele erreicht? Was steht unter dem Strich? Und natürlich: Was kommt für mich dabei an Boni heraus? Diesmal wissen die meisten schon seit Wochen, was herauskommen wird. Vollauslastung, Rekordumsatz, Supergewinn. Zumindest aber weit bessere wirtschaftliche Ergebnisse als in der eigenen Prognose vor Jahresfrist.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sagte schon vor Wochen, diesen Erfolg müsse man jetzt auch einmal genießen können. So haben wir die Szene klar vor Augen. Wie es sich der VW-Boss auf der ersten Vorstandssitzung des Jahres 2012 bequem macht, die Mappe mit den Geschäftszahlen aufgeschlagen vor sich liegend. Wie sich Winterkorn genüsslich eine Zigarre anzündet, kleine blaue Rauchwölkchen in den Raum pustet und mit einem zufriedenen "Meine Herren" zum Vortrag anhebt. So weit die Kinovariante.

Aber irgendetwas ist irritierend an dieser Szenerie. Da war doch was? Ach ja, die Schuldenkrise, ein schwacher Euro und eine drohende Rezession.

Davon wird in den Geschäftsberichten, die gerade in die redaktionelle Endfassung gehen, kaum die Rede sein. Die Manager werden durchweg Positives in Bild, Wort und Zahl zu berichten haben. Selbst im vorgeschriebenen Ausblick dürfte es den meisten schwerfallen, schwarz zu malen. Noch sind die Auftragsbücher prall gefüllt. Finden werden wir allenfalls vage Andeutungen, es "könnte" zu einer Abschwächung kommen. Viel mehr wohl nicht.

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