
Es ist eine vorläufige Insolvenz mit langfristiger Ansage: Wenn die Schleckereigentümer jemals in ihren eigenen Märkten einkaufen gewesen wären, hätten sie längst die Konsequenz gezogen. Sie hätten gemerkt, dass sie als Kunde allein in einem schmuddligen Laden sind. Andere Kunden? Meistens Fehlanzeige.
Verkäufer oder Kassierer in Sicht? Erst wenn sich der Kunde durch Rufen bemerkbar macht. Solche Manieren, so haben sich die Schlecker-Geschwister sagen lassen, gehörten zum Image des Billigheimers. Und sie haben nie gemerkt, dass damit in Deutschland kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Die Konkurrenz von DM und Co. konnten mit aufgeräumten Läden und freundlichem Personal noch so sehr punkten - Schlecker blieb bei seinem Schmuddelkonzept.
Anstatt aufzuräumen, wurde - und das ist der zweite Fehler - expandiert. Jedes Dorf, das über mehr als zehn Häuser und eine Bushaltestelle verfügte, wurde mit einem Schlecker-Markt beglückt. 7000 solcher Märkte sind auf diese Weise entstanden, 7000 ungemütliche Orte in Deutschland, die niemand betreten wollte, der sie nicht mangels Alternativen betreten musste. Schlecker wurde zur Marke, die man meiden muss.
Deswegen staunt jetzt niemand über die Planinsolvenz. Staunen lässt sich nur darüber, dass sie so spät kommt und dass die Eigentümer offenbar noch einen Funken Hoffnung auf eine Sanierung haben. Sie verlangen mit dem jetzt angepeilten Verfahren Schuldennachlass bei den Gläubigern. Sie sind optimistisch, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben, das nach dem Schnitt die Drogerie-Kette wieder zu neuer Blüte führen kann.
Den Beweis dafür sind die Manager der Einzelhandelskette in den vergangenen Jahren aber an jedem einzelnen Tag und in jedem einzelnen Schlecker-Geschäft sträflich schuldig geblieben. Es fällt schwer zu glauben, dass sich daran nun plötzlich etwas ändert.
Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:
Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren
Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.
Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.
Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.
Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.
Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.
Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich
Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück
Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.
Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.
Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"
Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.
Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz
Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.
Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium
Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)
Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.
wieso soll jetzt der steuerzahler helfen wer hilft dem steuerzahler wir haben derzeit die zeit der insolvenzen und muessen alle damit leben ohne rum zu weinen
10 Monate Haft auf Bewährung für Anton Schlecker und Ehefrau, daß spricht doch Bände!
Ich bin selbst Mitarbeiterin bei Schlecker und lade Herrn Stock gerne mal in unsere Filiale ein. Hier wird er ganz
sicher keinen Schmutz finden. Jedenfalls nicht mehr, wie in anderen Läden auch. Schlecker hat auch sehr schöne Filialen und kann in unserer Stadt im Punkt Sauberkeit und Freundlichkeit durchaus mit Rossmann mithalten. Ich arbeite gerne hier. Wir sind ein tolles Team und ein so schlechter Arbeitgeber ist Schlecker nun auch wieder nicht. Gut, man steht oft alleine im Laden. Das ist nicht so toll, besonders in der dunklen Jahreszeit. Aber welcher
Arbeitgeber zahlt heute überhaupt noch tolle Löhne und
beschäftigt seine Mitarbeiter unbefristet und mit einem
Lohn über 400 EURO? Andere Drogeriemarktbesitzer würden sich in einem Dorf mit 10 Häusern überhaupt nicht niederlassen. Die denken überhaupt nicht an z.B. ältere Leute, die dann Kilometer bis zur nächsten Stadt fahren müssen. Ich hoffe, dass die Planinsolvenz allen hilft, damit wir unseren schönen sauberen Laden, unsere Stammkundschaft und unseren Job behalten. Meine Kolleginnen und ich heißen Herrn Stock solange wir noch
existieren in unserem Laden herzlich willkommen. Er wird sich sicher wundern, wie viele andere Kunden unseren Laden
noch besuchen.Und das gerne, weil sie freundlich und zuvorkommend bedient und beraten werden.
werden
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