Kommentar
Schlecker-Insolvenz ist eine Pleite mit Ansage

Wer will schon in diese Läden? Die Drogerie-Kette Schlecker kann nicht hoffen, wieder auf die Beine zu kommen, wenn sie nicht ihr Billigheimer-Konzept abstreift.
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Es ist eine vorläufige Insolvenz mit langfristiger Ansage: Wenn die Schleckereigentümer jemals in ihren eigenen Märkten einkaufen gewesen wären, hätten sie längst die Konsequenz gezogen. Sie hätten gemerkt, dass sie als Kunde allein in einem schmuddligen Laden sind. Andere Kunden? Meistens Fehlanzeige.

Verkäufer oder Kassierer in Sicht? Erst wenn sich der Kunde durch Rufen bemerkbar macht. Solche Manieren, so haben sich die Schlecker-Geschwister sagen lassen, gehörten zum Image des Billigheimers. Und sie haben nie gemerkt, dass damit in Deutschland kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Die Konkurrenz von DM und Co. konnten mit aufgeräumten Läden und freundlichem Personal noch so sehr punkten - Schlecker blieb bei seinem Schmuddelkonzept.

Anstatt aufzuräumen, wurde - und das ist der zweite Fehler - expandiert. Jedes Dorf, das über mehr als zehn Häuser und eine Bushaltestelle verfügte, wurde mit einem Schlecker-Markt beglückt. 7000 solcher Märkte sind auf diese Weise entstanden, 7000 ungemütliche Orte in Deutschland, die niemand betreten wollte, der sie nicht mangels Alternativen betreten musste. Schlecker wurde zur Marke, die man meiden muss.

Deswegen staunt jetzt niemand über die Planinsolvenz. Staunen lässt sich nur darüber, dass sie so spät kommt und dass die Eigentümer offenbar noch einen Funken Hoffnung auf eine Sanierung haben. Sie verlangen mit dem jetzt angepeilten Verfahren Schuldennachlass bei den Gläubigern. Sie sind optimistisch, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben, das nach dem Schnitt die Drogerie-Kette wieder zu neuer Blüte führen kann.

Den Beweis dafür sind die Manager der Einzelhandelskette in den vergangenen Jahren aber an jedem einzelnen Tag und in jedem einzelnen Schlecker-Geschäft sträflich schuldig geblieben. Es fällt schwer zu glauben, dass sich daran nun plötzlich etwas ändert.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Schlecker-Insolvenz ist eine Pleite mit Ansage"

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  • wieso soll jetzt der steuerzahler helfen wer hilft dem steuerzahler wir haben derzeit die zeit der insolvenzen und muessen alle damit leben ohne rum zu weinen

  • 10 Monate Haft auf Bewährung für Anton Schlecker und Ehefrau, daß spricht doch Bände!

  • Ich bin selbst Mitarbeiterin bei Schlecker und lade Herrn Stock gerne mal in unsere Filiale ein. Hier wird er ganz
    sicher keinen Schmutz finden. Jedenfalls nicht mehr, wie in anderen Läden auch. Schlecker hat auch sehr schöne Filialen und kann in unserer Stadt im Punkt Sauberkeit und Freundlichkeit durchaus mit Rossmann mithalten. Ich arbeite gerne hier. Wir sind ein tolles Team und ein so schlechter Arbeitgeber ist Schlecker nun auch wieder nicht. Gut, man steht oft alleine im Laden. Das ist nicht so toll, besonders in der dunklen Jahreszeit. Aber welcher
    Arbeitgeber zahlt heute überhaupt noch tolle Löhne und
    beschäftigt seine Mitarbeiter unbefristet und mit einem
    Lohn über 400 EURO? Andere Drogeriemarktbesitzer würden sich in einem Dorf mit 10 Häusern überhaupt nicht niederlassen. Die denken überhaupt nicht an z.B. ältere Leute, die dann Kilometer bis zur nächsten Stadt fahren müssen. Ich hoffe, dass die Planinsolvenz allen hilft, damit wir unseren schönen sauberen Laden, unsere Stammkundschaft und unseren Job behalten. Meine Kolleginnen und ich heißen Herrn Stock solange wir noch
    existieren in unserem Laden herzlich willkommen. Er wird sich sicher wundern, wie viele andere Kunden unseren Laden
    noch besuchen.Und das gerne, weil sie freundlich und zuvorkommend bedient und beraten werden.
    werden

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