Kommentar: Schluss mit der Opfer-Instrumentalisierung!

Kommentar
Schluss mit der Opfer-Instrumentalisierung!

Nach #JeSuisCharlie solidarisieren sich Tausende unter dem Twitter-Hashtag #JeSuisAhmed mit einem getöteten muslimischen Polizisten. Der Tweet, der alles ins Rollen brachte, ist allerdings höchst fragwürdig.
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Ein Tweet des libanesischen Aktivisten Dyab Abou Jahjah unter dem Hashtag #JeSuisAhmed hat zwei Tage nach dem Terror-Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ein Opfer des Pariser Attentats in den Fokus gerückt, über das bisher eher beiläufig berichtet wurde: den muslimischen Polizisten, der von einem der Terroristen per Kopfschuss niedergestreckt wurde, während er bereits verletzt auf der Straße lag und seine Hände flehend in die Luft gestreckt hatte. Im Internet kursiert eine Amateuraufnahme der grausamen Tat.

Inzwischen ist bekannt geworden: Der getötete Polizist heißt Ahmed Merabet und war laut der französischen Zeitung „Le Figaro“ praktizierender Muslim. Vor dem Hintergrund dieser Informationen und der weltweiten Solidarität der Twitter-Gemeinde mit den getöteten „Charlie Hebdo“-Zeichnern unter dem Hashtag #JeSuisCharlie verfasste Dyab Abou Jahjah folgenden Tweet:

„Ich bin nicht Charlie, ich bin Ahmed, der tote Polizist. Charlie machte sich über meinen Glauben und meine Kultur lustig und ich bin für sein Recht, dies tun zu können, gestorben.“ Dahinter der Hashtag #JeSuisAhmed („Ich bin Ahmed“). Der Tweet wurde bereits mehr als 22.000 Mal geteilt. Viele Muslime feiern Ahmed Merabet als den wahren Helden der Tragödie von Paris. Ein moderner Muslim, der sich islamistischen Terroristen in den Weg stellt und die Meinungsfreiheit mit seinem Leben verteidigt, obwohl es ebendiese Meinungsfreiheit denen, die er verteidigt, erlaubt, sich über seinen Glauben lustig zu machen.

Man muss Dyab Abou Jahjah nicht zwingend eine böse Absicht unterstellen. Aber der Tweet ist aus zwei Gründen höchst problematisch:

Erstens, weil er einem Toten Worte in den Mund legt, die er so vielleicht gar nicht gesagt oder vertreten hätte. Fühlte sich denn Ahmed Merabet tatsächlich persönlich von den „Charlie Hebdo“-Karikaturen angegriffen oder verletzt? Wir können ihn nicht mehr fragen, also sollten es wir ihm auch nicht unterstellen. Alles andere ist unangebrachte Effekthascherei.

Zweitens, weil der Tweet eine Hierarchisierung der Opfer vornimmt: Auf der einen Seite die getöteten Satire-Zeichner, die sich über den Islam lustig gemacht haben, und auf der anderen Seite der tapfere muslimische Polizist, der trotzdem versucht hat, diese Menschen zu beschützen und dies mit seinem Leben bezahlt hat. Der Tweet impliziert, dass Ahmed Merabet das beklagenswertere Opfer sei. Und genau das ist absolut inakzeptabel.

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Es gibt keine Opfer erster und zweiter Klasse

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  • Mich würde interessieren - falls dieser Polizist tot ist - was hat ihn getötet ????
    Denn ein Schuß am Kopf vorbei mit einer Platzpatrone ist wohl kaum der Grund.
    Da hilft auch das nachträgliche hinschütten und verteilen von Blut nichts.
    Wie gehirngewaschen und naiv muß man sein, um diesen False Flag Terror nicht als solches zu erkennen ??

  • @ glöckner:

    Ist das Ihre Antwort?
    Viel zu wenig, ja nichts, jedoch Ihnen angemessen.

  • herr Falk
    Deswegen habe ich anfangs auch geschrieben, dass die Karikaristen keine Täter im Sinne von Verbrechenstäter sind.

    Auch sprach ich über Literatur insgesamt und nicht über "Mein Kampf" als Satire. Das ist übrigens auch das Problem. Wenn Sie etwas anderes verstehen, als das, was ich tatsächlich gesagt habe, dann sagen sie irgendwann, dass das erlaubt sei, weil sie soetwas schonmal gelesen haben. Dabei haben Sie mich falsch verstanden. Deswegen sollten Aussagen auch genau und verständlich sein und nicht wie in der Satire überzeichnend und böswillig-beleidigend. Diese Auffassung ist schon sehr alt, deswegen habe ich auch den Bindestrich gesetzt, ein "von" hätte an diese Stelle nicht gepasst.

    Im Gegensatz zu dem von Ihnen angeführten Beispiel liegen bei der Satirezeitschrift ununterbrochene Wiederholungen vor. Ich stimme Ihnen zu, dass eine einmalige Zuspitzung zur Verdeutlichung eines Sachzusammenhangs erlaubt ist.

    Aber bei ständigen Wiederholungen von Zuspitzungen gegen ein und dieselbe Personengruppe widerspreche ich Ihnen vehement. "MAL" sagt der Volksmund, kann etwas komisch sein, obwohl es fies ist, aber nicht andauernd.

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