Kommentar
Schluss mit der Rettungsmanie

Die staatliche Bürgschaft für Schlecker ist gescheitert. Es bleibt zu hoffen, dass das der Anfang vom Ende der Rettungsmanie ist. Denn meistens hilft diese doch nur den Politikern.
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Die Aussage mag zynisch klingen - dennoch trifft sie zu: Nichts ist für einen Politiker attraktiver als ein Unternehmen in Not. Das ging schon bei der - ersten - Pleite von Philipp Holzmann los. Der Insolvenzantrag war längst gestellt, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im November 1999 zu einer Versammlung der Gläubigerbanken in Frankfurt einflog.

Der Politprofi, seinerzeit im Umfragetief, erklärte den verdutzten Bankern erst einmal, dass er eine Einigung erwarte - und zwar vor der Tagesschau. Und so kam es: Der Bund spendierte Kredite und Bürgschaften in Höhe von 250 Millionen Mark, und die Institute stundeten einen Teil ihrer Forderungen. „Holzmann rettet Schröder“ titelte die „Tageszeitung“ am darauffolgenden Tag. Das ist lange her.

Doch 2008 und 2009 wiederholten sich die staatlichen Rettungsaktionen zuhauf: Marode Banken, aber auch viele Industriekonzerne, darunter die Heidelberger Druckmaschinen AG, die Wadan Werft, Hapag-Lloyd, Jenoptik oder Solon, wurden vom Staat mit Krediten oder Bürgschaften gestützt. Dabei wurde nur etwa ein Zehntel der für die Unternehmen bereitgestellten Mittel abgerufen.

Und dennoch hat sich seither eine regelrechte Rettungsmanie entwickelt. Kaum gerät ein bekanntes Unternehmen ins Trudeln, wird der Staat gerufen. Und anders als noch zu Schröders Zeiten ist die Rettung heute keine Ausnahme mehr, sondern fast die Regel. Die ökonomische Vernunft bleibt dabei oftmals außen vor, wie das Beispiel Opel zeigt.

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Weg vom staatlichen Interventionismus

Kommentare zu " Kommentar: Schluss mit der Rettungsmanie"

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  • Wer in einem mittelständischen Unternehmen arbeitet, darf sich keine Hoffnung auf "Rettung" machen. Die Politik schafft hier Arbeitnehmer 1. und 2. Klasse. Das ist im Grunde verfassungswidrig und wird nur durch die unverschämten Behauptungen gedeckt, daß es sich um Fälle des "Gemeinwohlinteresses" handelt. Tatsächlich werden nur Aufmerksamkeitspotentiale von Politkarrieristen ausgebeutet. Es macht wenig Sinn all die Rettungsfälle gegeneinander in Stellung zu bringen, zumal es sich am Ende ja nicht wirklich um Rettungen handelt (wovor eigentlich?), sondern um Problemverschiebungen und Wirkungsverzögerungen.

  • @Bastian
    Es geht doch gar nicht um Opel, Schlecker, Banken, ...

    Es geht doch darum auszuloten, was noch geht. Geschenktes Geld braucht man doch nicht zu erarbeiten und es sind auch keine Risiken damit verbunden.

    Schauen sie doch einfach einmal in die Aktivitäten der EZB hinein. Dort wurden ca. 1 Billion Euro an Banken auf drei Jahre zu 1% ausgeliehen, die dieses Geld ihrerseits in Staatsanleihen zu 4% und mehr anlegen sollten und sollen. Rechnen sie einmal die Zinsbeträge aus und davon zahlt Deutschland 27%.

    Die Regelungen im ESM-Vertrag sind nicht besser.

    Wir brauchen scheinbar dringend einen Eignungstest für unsere Abgeordneten. Sie sollten wenigstens einen kennen, der einen kennt, der lesen und schreiben kann.

    Wie konnte es nur gelingen unsere Demokratie in so wenigen Jahren derart zu beschädigen.

  • Wer an was letztendlich Schuld ist, ist nicht das eigentliche Problem!
    Das Problem ist, dass immer die 99% Unschuldigen die Sch...e ausbaden müssen. Nämlich die Steuerzahler!
    Die "Schuldigen" mussten noch nie persönlich haften.

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