Kommentar
Schröders Philippika

Der Bundeskanzler hat in der Sache Recht, wenn er George W. Bush zum Sparen und damit zum Handeln gegen den Dollarverfall auffordert. Denn den starken Euro haben die Amerikaner zu verantworten. Und die Auswirkungen ihrer horrenden Schulden auf den Rest der Welt lassen sie kalt.

Doch den gerade wiedergewählten US-Präsidenten vor internationalem Publikum derart zu brüskieren, ist weder diplomatisch noch klug: Der Hoffnung auf eine sanftere Tonart im deutsch-amerikanischen Dialog ist dies nicht dienlich. Schlimmer noch: Der Höhenflug des Euros wird dadurch nie und nimmer gestoppt. Die Amerikaner lassen sich doch nicht von einem deutschen Kanzler vorschreiben, wie sie ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik gestalten sollen. Ausgerechnet vom Regierungschef eines Staates, der auf der Wachstumsskala der Industrieländer seit Jahren ganz unten steht und sich obendrein kaum als Hüter solider Haushalte empfiehlt.

Gerhard Schröder sollte die Realität sehen: Die USA sind trotz eines Dollarverfalls um 35 Prozent in weniger als drei Jahren an einem noch schwächeren Greenback interessiert. Denn nur so verbilligen sie ihre Exporte und verteuern die Importe. Das Ungleichgewicht – zu viele Ein- und zu wenig Ausfuhren – würde kleiner.

Das aber schafft Schröders Philippika ebenso wenig wie Bushs Lippenbekenntnisse, die USA seien an einem starken Dollar interessiert. Sie sind es eben nicht. Einen weiteren Beweis hierfür lieferte gerade die US-Regierung: Sie ließ sich vom Parlament die Schuldenobergrenze um weitere 800 Milliarden Dollar anheben – trotz des bereits bestehenden Rekorddefizits. Prompt schoss der Euro wieder in Nähe seines Allzeithochs.

Den Dollarverfall stoppen können nur gemeinsame Anstrengungen. Entweder die großen Notenbanken intervenieren, indem sie Dollar kaufen. Daran sind die USA aber nicht interessiert. Bleibt der Vorschlag von US-Finanzminister John Snow: Amerika verringert sein Defizit, Europa räumt Hindernisse für mehr Wachstum aus dem Weg. Darauf sollte sich Schröder konzentrieren.

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