Kommentar
Schrumpfen ist keine Option

Die Zukunft von Schlecker sieht alles andere als rosig aus. Die Drogeriemarktkette konnte sich bisher durch Wachstum behaupten. Nun ist das System zusammengebrochen. Ein neues Konzept muss her.
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Die Kaufhauskette Sinn-Leffers machte es vor: In der Planinsolvenz wurden unrentable Mietverträge neu ausgehandelt, überzählige Mitarbeiter erhielten ohne teure Abfindungen die Kündigung, und selbst Lieferanten besserten ihre Verkaufsangebote angesichts der Schieflage ihres Abnehmers nach. Heute verdient die Hagener Modekette wieder prächtig. Ähnlich erfolgreich stellten Insolvenzpläne auch die Wettbewerber Karstadt und Woolworth wieder auf die Beine. Nach einem Befreiungsschlag, den vor allem Mitarbeiter und Vermieter zu spüren bekamen, fanden die Traditionsfirmen neue Eigentümer.

Die Rettung von Schlecker also kaum mehr als eine Formsache? Schön wär's. Tatsächlich dürfte es dem künftigen Insolvenzverwalter kaum schwerfallen, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und ungünstige Verträge kurzfristig zu kündigen. Doch ein "Gesundschrumpfen" gibt es für Schlecker nicht. Für das Drogeriemarktkonzept war bislang nur eines gesund: Wachstum. Während die Wettbewerber DM und Rossmann ihre Mitarbeiter schulten, Bioartikel in die Läden nahmen und in teure Innenstadtlagen investierten, setzte der Marktführer aus Schwaben allein auf die Expansion seines Filialnetzes. Selbst an entlegensten Orten öffneten seine weiß-blauen Läden, selbst dann, wenn von den Erträgen kaum die Kassiererinnen zu bezahlen waren.

Die Strategie erinnert an ein Schneeballsystem. Solange die Umsätze stiegen, konnte Schlecker seine Lieferanten mit den Geldeinnahmen bequem bezahlen. Schließlich waren die Artikel meist schon in seinen Läden verkauft, bevor die Rechnungen in der Ehinger Firmenzentrale zu begleichen waren. Erst als Schlecker die Grenze zur Marktsättigung erreichte, brach das System zusammen. Kein Wunder, dass die Schwaben seit vier Jahren rote Zahlen schreiben.

Die Zukunft ist für das Unternehmen alles andere als rosig. Denn verabschiedet sich Schlecker von einem wesentlichen Teil seines Filialnetzes, sinkt der Warenumsatz drastisch. Die günstigen Einkaufspreise bei der Industrie wären dahin, die Sonderangebote für die Kundschaft ebenso. Was Drogerieketten in solchen Fällen droht, zeigten die Wettbewerber Idea oder KD: Sie alle verschwanden vom Markt.

Schlecker braucht jetzt ein völlig neues Geschäftsmodell. Und zwar eines, das sich mit einem mäßig attraktiven Standortnetz gegenüber den enorm erfolgreichen Wettbewerbern DM und Rossmann durchsetzt. Ideen dürfte der Insolvenzverwalter dankend entgegennehmen.

Kommentare zu " Kommentar: Schrumpfen ist keine Option"

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  • Mir ist zwar Schlecker eher gleichgültig, aber Dummheit ärgert mich und Schlecker verhielt sich dumm.
    In meinem Ort ist eine Schlecker-Filiale neben einem Supermarkt. In dem Supermarkt bekomme ich neben Lebensmitteln praktisch alles, was es bei Schlecker gibt.
    Zweimal war ich in dem Laden. Einmal wollte ich Schneckenkorn. Da sagte die Verkäuferin "Hamanicht, weil da bräuchten wir einen Giftschrank". "Und warum habt ikr keinen", fragte ich und erntete ein Achselzucken.
    Ein andermal suchte ich eine bestimmte Batterie aus dem Fotobereich. Gleiches Ergebnis.
    Einen dritten Versuch unternahm ich nicht mehr.

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