Kommentar
Schwäbische Euphorie

Erst die Studentenstädte, dann die Landesregierung – und nun auch die Schwabenhauptstadt: Die Grünen übernehmen immer mehr Machtpositionen. Auch bundesweit ist der Sieg von Fritz Kuhn ein Grund zum Jubeln.
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Fritz Kuhn wird Oberbürgermeister in Stuttgart – als erster Grüner in einer Landeshauptstadt. Damit ist es in Baden-Württemberg bald schon Alltag, dass Grüne regieren, ohne dass die Autoindustrie auswandert oder Bosch die Tore schließt: Erst setzten sie sich in den Studentenstädten Freiburg und Tübingen fest, dann erstürmten sie die Landesregierung, nun dominieren sie auch in der angeblich so behäbigen Schwabenmetropole. Das wird dafür sorgen, dass die Landes-CDU bis auf weiteres in ihrem Jammertal sitzen bleibt, die SPD im Südwesten hat sich wieder einmal als nicht satisfaktionsfähig erweisen.  

Für die Grünen ist der Sieg Kuhns auch bundesweit ein Grund zum Jubeln. Sie festigen damit ihre Basis im bürgerlichen Lager. Damit rückt auch ein schwarz-grünes Bündnis wieder mehr in den Fokus – wenn auch nicht in unmittelbarer Zukunft.  Der Werbefaktor der schwäbischen Oberbürgermeisterwahl kann nicht hoch genug bewertet werden.

Ist jedoch die erste Euphorie angesichts des neuerlichen Sieges über die Christdemokraten im Südwesten verflogen, wird die Partei bundesweit wieder den harten Alltag der kleinen Oppositionspartei im Schatten der ­mächtigen Sozialdemokraten spüren. Im Lärm und Getümmel der gerade erst begonnenen Schlacht der Volksparteien wird sich auch künftig kaum jemand für die Grünen interessieren.

Das dürfte auch nicht anders werden, wenn die Ökopartei ihre zähe Kandidatenkür, die keiner wollte und doch keiner verhinderte, im November rechtzeitig zum Parteitag beenden. Höchstwahrscheinlich sind es dann doch wieder Jürgen Trittin und Renate Künast, die die Partei in die Bundestagswahl führen. Ein Rezept, wie sie  neben Steinbrück punkten oder auch nur Aufmerksamkeit erringen, und so die nötigen Stimmen für rot-grün zusammen bringen können, fehlt ihnen allerdings noch.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Schwäbische Euphorie"

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  • Sie festigen damit ihre Basis im bürgerlichen Lager.
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    Der Begriff bürgerliches Lager stört mich immer.
    Wer wählt denn Grün?
    Beamte, Lehrer, Sozialpädagogen und die alten 68er, die heute ihre hohnen Pensionen haben, denn sie waren ja alle im Staatsdienst
    Dann natürlich Studenten
    Der Rest der Bevölkerung blieb zu Hause.
    Die Wahlbeteiligung lag bei 47,5% also mehr als 50% gingen nicht wählen
    Die Merheit der Bürger hat sich von der Politik verabschiedet
    Fritz Kuhn regiert also de facto mit ca. 24%
    Ob nun die Grünen in Stuttgart dran sind oder nicht, für mich ist es weitaus gefährlicher, dass sich mehr als die Hälte der Bürger von der Politik verabschiedet haben.

  • Hat sich hier die gesammelte CDU "Elite" versammelt, um ihre Wunden zu lecken und Weltuntergangsstimmung heraufzubeschwören? Nachdem Baden- Württemberg jahrzehntelang den schwarzen Filz überstanden hat, wird es das neue frische Lüftchen auch überstehen. Lieber 100-te Kilometer neuer Fahrradwege als so ein unterirdisches (Mafia?-) Sumpfprojekt wie S21. Und Klassenzimmer durften wir als Eltern auch schon vor 10 Jahren, also zur angeblichen "Milch-und Honigzeit" streichen. Endlich bewegt sich mal etwas- wir werden sehen, in welche Richtung.

  • BW befindet sich seit der Wahl von Grün / Rot schon auf dem Weg nach unten.... Horrente neue Schulden werden für grüne Prestigeprojekte (Fahrradwege, etc. ) aufgenommen und in der Schulpolitik herrscht das Chaos: Jede Schule darf quasi machen was sie will, mal G8, G9 oder doch lieber Gesamtschule? Schade ums "Ländle". Bald hängt auch BW am Tropf der andern Länder... fragt sich nur wer dann noch zahlen kann?

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