Kommentare

_

Kommentar: Seid ihr noch wach?

„Und dann noch ein Jahr später“: Bei der Sexismus-Debatte um FDP-Politiker Brüderle und die Autorin Himmelreich fällt etwas Wichtiges unter den Tisch: Die traurigen Gründe dafür, warum Frauen schweigen und Zeit brauchen.

Carina Groh-Kontio, Redakteurin Handelsblatt Online. Quelle:
Carina Groh-Kontio, Redakteurin Handelsblatt Online. Quelle: 

DüsseldorfWas ich nicht mehr lesen kann: Wenn all diese selbsternannten Experten für die belästigte Frauenseele Sätze sagen wie: „Warum kommt erst jetzt die Geschichte?“, „Wieso erst über ein Jahr nach dem Vorfall“ oder „Es ist aber seltsam erst ein Jahr später an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn ein harter Fall von sexueller Belästigung vorlag.“

Anzeige

Es darf meinetwegen stutzig machen, dass „Stern“-Autorin Laura Himmelreich den Vorfall, der ein Jahr zurückliegt, erst jetzt öffentlich macht. Aber niemand darf pauschal danach verlangen, dass sich Opfer (ganz gleich ob Mann oder Frau) direkt und unmittelbar zu sexueller Belästigung oder Missbrauch offenbaren. Mir liegt es am Herzen, hier für mehr Sensibilität bei den Nebensätzen zu werben.

Warum? Weil jeder, der sich an der Diskussion beteiligt, eine individuelle Vorgeschichte hat. Und die kann manchmal so sein, dass all das, was jetzt in der  #Aufschrei-Debatte benannt wird, noch harmlos ist gegen das, was Betroffene erlebt haben.

Ich will nur einen Grund nennen, der ebenso so richtig wie traurig ist und bei der ganzen Debatte leider ins Abseits rutscht. Wer sich einmal mit einer Frau unterhalten hat, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurde oder im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt erleben musste, der kann vielleicht erahnen, wie sprachlos solche Taten machen können.

Der kann in unsicheren Gesten und der hilflosen Körpersprache sehen, wofür es keine Worte gibt. Manchmal ein Jahr lang nicht, manchmal zehn Jahre lang nicht, manchmal sogar nie.

Sexismus-Debatte in Deutschland

Weil es schwer ist, sich gegen etwas zu wehren, was weder greifbar noch beweisbar ist. Weil Frauen sich schämen. Weil Frauen sich - das wird ihnen oft genug suggeriert - schuldig fühlen. Weil sie sich schmutzig fühlen und ohnmächtig sind. Und vielleicht auch, weil sie einfach nur vergessen wollen, was bis an ihr Lebensende wie ein düsterer Schatten auf ihren Herzen liegt.

Wer verstanden hat, wie macht- und sprachlos scheinbar harmlose Herrenwitze machen können, wenn sie auf eine Frau treffen, deren Vergangenheit alles andere als normal verlaufen ist, der wird sich hüten, solche Sätze von sich zu geben. Nur so können wir die genötigten und belästigten Frauen dazu ermutigen, ihrem eigenen Empfinden zu trauen und sich zur Wehr zu setzen.

  • Kommentare
Reform der Lebensversicherung: Letzte Rettung Bundespräsident – schön wär's!

Letzte Rettung Bundespräsident – schön wär's!

Alle Versuche des Bundes der Versicherten, gegen die Lebensversicherungsreform vorzugehen, sind gescheitert – das ärgert! Wie schön wäre es da, der Bundespräsident eilte zur Hilfe. Allein, nicht alle Wünsche werden wahr.

Handelsblatt in 99 Sekunden: Keine WM für Russland

Keine WM für Russland

Der Westen tut sich schwer mit wirkungsvollen Sanktionen gegen Russland. Warum dann nicht im Sport? Unser Thema bei Handelsblatt in 99 Sekunden.

  • Kolumnen
Der Transformer: Uber expandiert im Stile eines Eroberers

Uber expandiert im Stile eines Eroberers

Der Mitfahrdienst Uber will das Taxigewerbe aufmischen. Dabei setzt sich das US-Unternehmen aber über Regeln zum Schutz der Fahrer und Gäste hinweg. Die Politik ist gut beraten, die Standards nicht aufzugeben.

Der Werber-Rat: Im Zeichen der Marille

Im Zeichen der Marille

Die Discounter werden immer wertiger. So hat Aldi kürzlich an der Düsseldorfer Kö eine Filiale eröffnet. Die großen, klassischen Filialisten bewegen sich umgekehrt in Richtung unprofilierter Mitte.

Was vom Tage bleibt: Zahlen müssen alle

Zahlen müssen alle

Nach der Zerschlagung von Chodorkowskis Imperium gibt es eine Riesenstrafe für Russland. In Tripolis herrscht flammendes Inferno. Paketboten sind überlastet. Und Neues aus dem Middelhoff-Wolkenheim. Der Tagesrückblick.

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Europa muss direkt mit Hamas sprechen

Europa muss direkt mit Hamas sprechen

Angesichts der Unfähigkeit der Beteiligten im Gaza-Krieg, Frieden zu schließen, darf Europa nicht außen vor stehen. Sonst wird der Konflikt hierher kommen. Die Ächtung der Hamas hat sich als als kontraproduktiv erwiesen.

Gastbeitrag: „Welch eine Schande für Deutschland!“

„Welch eine Schande für Deutschland!“

Stephan Kramer ist entsetzt über „Judenhassfeste“ in Deutschland. Das sei keine Folge des Nahostkonflikts, ist der Antisemitismusexperte des American Jewish Committee überzeugt. Deswegen müssten die Demokraten umdenken.

Gastbeitrag: Das süße Gift der Bankensubventionen

Das süße Gift der Bankensubventionen

Die Großbanken hängen bereits am staatlichen Subventionstropf. Nun fordern sie weitere Privilegien bei der Finanzierung des Abwicklungsfonds. Kleine Volksbanken sollen für die Großen zahlen. Das ist unfair.

  • Presseschau
Presseschau: Sanktionen, die weh tun können

Sanktionen, die weh tun können

Die 28 EU-Staaten weiten in der Ukraine-Krise die Sanktionen gegen Russland auf weitere Personen aus. Diesmal könnten sie wirklich weh tun, auch den Ländern, die sie beschließen, meint die Wirtschaftspresse.