Kommentar
Siemens dreht das Rad zurück

Drei Chefposten – drei Männer: Siemens macht bei den Umbesetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat einen Rückschritt in Sachen Vielfalt. Dabei könnte der Industriekonzern frische Impulse von außen gut gebrauchen.
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Es ist in vielerlei Hinsicht die Rückkehr zum „alten Siemens“: Bei der Neubesetzung von drei Chefposten hat der Industriekonzern drei Männer ausgewählt, zwei davon aus Deutschland. Damit gehen dem Unternehmen Vielfalt und Impulse von außen verloren.

Die Aufgaben der scheidenden Personalchefin Brigitte Ederer übernimmt Technologievorstand Klaus Helmrich. Das Finanzressort leitet künftig Ralf Thomas. Und das Aufsichtsratsmandat des früheren Deutsch-Bankers Josef Ackermann übernimmt SAP-Manager Jim Hagemann Snabe, derzeit noch Co-Chef des Software-Herstellers.

Der geschasste Siemens-Chef Peter Löscher hatte viel Wert auf Diversity gelegt, was man an der Besetzung etlicher Vorstandsposten sehen konnte. Allerdings fremdelten einige der neuen Manager mit der schwierigen Organisation Siemens – das gilt für die österreichische Personalchefin Brigitte Ederer ebenso wie für die schweizerische Einkaufschefin Barbara Kux. Löscher selbst war nach sechs Jahren noch ein Externer ohne gutes Netzwerk. Umgekehrt fremdelte das alte Siemens mit den Vorständen.

Nun kehrte der Konzern von dieser Maxime wieder ab. An der Konzernspitze wurde der von außen geholte Österreicher Löscher durch das bayerische Urgestein Joe Kaeser ersetzt. Kux und Ederer – beide weiblich, beide aus dem Ausland – verlassen den Vorstand. Fraglich ist außerdem, wie lange Chefjustiziar Peter Solmssen bleibt – ein Amerikaner.

Natürlich hat Siemens weiter den Diversitätsanspruch. Das zeigt auch die Berufung des Dänen Jim Hagemann Snabe. Der Konzern muss aber aufpassen, dass das Rad nicht zu weit zurückgedreht wird. Auch künftig braucht Siemens frische Impulse von außen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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  • Quotenfrauen, Quotenausländer, Gewerkschafter:

    Das wird schwierig.

    Abhilfe: Dividende kürzen. Staatshilfe beantragen. Nach China auslagern.

  • In Gipfelhöhe weht ein kühler Wind!

  • Die Leute sind durchweg eine gute Wahl, obwohl Hr. Wenning wohl wenig Zeit haben dürfte.

    Zum Glück hat man einen Bogen um Sen gemacht - Siemens braucht keine weiteren Eierköpfe - Hr. Thomas war genau der Richtige.

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