Kommentar
So nicht, Herr Forgeard!

Es ist ein skurriles Schauspiel, das in dieser Saison auf der Bühne des deutsch-französischen Industrietheaters aufgeführt wird. Hauptdarsteller ist ein ehrgeiziger Manager namens Noël Forgeard.

Er ist designiert, künftig den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS zu führen. Er will es aber nicht lassen, auch weiterhin an der Spitze der äußerst erfolgreichen EADS-Flugzeugtochter Airbus zu stehen.

Dies aber würde die Gewichte stark zu Gunsten der französischen Aktionäre, des Staats sowie der Unternehmerfamilie Lagardère, und zu Ungunsten des deutschen Anteilseigners Daimler-Chrysler verschieben. Daher ist ein heftiger Streit zwischen den Beteiligten ausgebrochen.

Nun sind die industriellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich traditionell spannungsgeladen. Bestens in Erinnerung geblieben sind die feindliche Übernahme von Aventis durch Sanofi sowie der gescheiterte Versuch von Siemens, Alstom zu kaufen. Insofern könnte man das Gezerre um die Führung bei EADS leicht als ein weiteres Kapitel einer bereits bekannten Geschichte einordnen.

Das wäre aber zu wenig: Die Episode ist ein Trauerspiel, kein „business as usual“. Denn EADS ist das Paradebeispiel einer gelungenen deutsch-französischen Kooperation, eine echte europäische Erfolgsgeschichte. Deutsche und Franzosen haben das Unternehmen gemeinsam geführt und stets darauf geachtet, nationale Egoismen zurückzustellen. Der Erfolg stand im Mittelpunkt. Nur so konnte der Flugzeugbauer Airbus in den letzten Jahren den amerikanischen Konkurrenten Boeing von der Weltspitze verdrängen.

Dass dieses fein austarierte Werk nun durch Herrn Forgeard in Gefahr gebracht wird, ist mehr als nur ärgerlich. Es ist ein Signal dafür, dass sich die französische Seite schwer tut, dauerhaft ihre Machtansprüche zu begrenzen. Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass sich der französische Staat einfach nicht raushalten kann aus der wirtschaftlichen Sphäre. Denn zu glauben, dass der Chirac-Intimus Forgeard einzig aus persönlicher Eitelkeit und nicht auch ein wenig aus Staatsräson handelt, wäre naiv.

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