Kommentar
Sommerreise, zweite Etappe

Der Kanzler ist aus dem Urlaub zurück. Die Sommerpause ist vorbei. Endlich! Denn jetzt muss wieder regiert werden. Noch mehr: Es muss gekämpft werden. Um die Menschen in den neuen Ländern. Um eine der größten Sozialreformen der Nachkriegszeit. Und dafür, dass im Osten nicht PDS und NPD triumphieren, wenn in vier Wochen Landtagswahlen sind.

Niemand anderes als der Kanzler kann dies tun. Keine Informationskampagne und kein Schröder-Machtwort zum selbst verursachten Kommunikationsdesaster werden ausreichen, um das verloren gegangene Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre es nötig, den Osten zum ersten Mal wirklich zur „Chefsache“ zu machen?

Deshalb sollte Gerhard Schröder, der sein weiteres politisches Schicksal so eng mit dem Erfolg von Hartz IV verknüpft hat, auch alles tun, um den Bürgern im Osten vor Ort seine Politik zu erklären. Die zwei geplanten Wahlkampfauftritte bis zum 19. September sind bei weitem nicht genug.

Und Schröder sollte dabei auch daran erinnern, dass die Hartz-Reformen schließlich die Reformen aller großen Parteien im Bundestag sind. Dann könnte sich der Kanzler leichter dem Zorn und der Zukunftsangst der Menschen vor Ort stellen, ihnen zuhören und – vor allem – um sie werben.

Zugegeben: Eine zweite Sommerreise, zwei Jahre nach der ersten, wäre ein schwerer Gang. Niemand wird von einem Kanzler erwarten, dass er sich auf ostdeutschen Marktplätzen mit Eiern und Tomaten bewerfen lässt, wie es seinem Vorgänger Helmut Kohl eher durch Zufall passierte. Die Angst vor unangenehmen Fernsehbildern darf aber nicht verhindern, was staatspolitisch geboten ist. Wer vor zwei Jahren, im August 2002, im Zeichen des Hochwassers an Elbe und Oder, kühl kalkulierend von den Fernsehbildern im Osten profitierte, darf dieses Risiko heute ehrlicherweise nicht scheuen. Im Gegenteil: Nur ein Kanzler, der im Angesicht der Menschen um sie kämpft, kann am Ende auch wirklich überzeugen. Gerade im Osten Deutschlands, wo schon einmal eine Bundestagswahl entschieden wurde. Wagt sich Gerhard Schröder nicht ins Kampfgetümmel, verliert er bereits heute.

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