Kommentar: SPD ist Steinbrück ausgeliefert

Kommentar
SPD ist Steinbrück ausgeliefert

Peer Steinbrück hat der SPD bei der Wahl in Niedersachsen einige Stimmen gekostet. Trotzdem bleibt er ihr Kanzlerkandidat. Damit die Bundestagswahl offen bleibt, muss die SPD Steinbrück endlich einfangen.
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DüsseldorfDer SPD ist der Machtwechsel in Niedersachsen auf den letzten Drücker gewonnen. Monatelang lag Rot-Grün in den Umfragen vorne, auf der Zielgerade wurde es noch einmal richtig knapp. Mitentscheidend: die Auftritte von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Da kann der niedersächsische Spitzen-Genosse Stephan Weil noch so oft betonen, Steinbrücks Fettnäpfchen seien für die Niedersachsen nicht von Interesse – natürlich haben Steinbrücks Vortragshonorare, seine Aussagen zu Kanzlergehalt, Lästereien über Billigwein Stimmen gekostet. Wenn auch nicht bei den Stammwählern – schließlich liegt das Ergebnis der niedersächsischen Genossen immer noch deutlich über dem Bundestrend – dann aber bestimmt bei den Unentschiedenen.

Besonders ärgerlich für Stephan Weil: Er selbst hatte sich stets für die vorzeitige Nominierung Steinbrücks als Kanzlerkandidat stark gemacht und sich davon einen Vorteil im Wahlkampf versprochen. Das Gegenteil war der Fall. Steinbrück selbst sagte am Wahlabend: „Mir ist bewusst, dass es aus Berlin keinen Rückenwind für Niedersachsen gegeben hat und mir ist auch bewusst, dass ich maßgeblich eine gewisse Mitverantwortung dafür trage.“

Und nun? Stimmen, die anstelle von Peer Steinbrück lieber auf einen anderen Kandidaten setzen würden, dürften auch nach dieser Landtagswahl laut werden. Das Problem: Die SPD hat überhaupt keine Wahl.

Frank-Walter Steinmeiers Rückzieher vom Rückzieher wäre unglaubwürdig, Sigmar Gabriel fehlt der Rückhalt in der Bevölkerung und für die beliebte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kommt die Bundestagswahl vier Jahre zu früh. Und weil die Genossen im Grunde wissen, dass sie Steinbrück ausgeliefert sind, haben führende SPDler wie der parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann schon am Tag vor der Niedersachsenwahl sicherheitshalber festgestellt: Peer Steinbrück bleibt unser Kandidat.

Der Start in das Wahljahr 2013 läuft für die SPD also holprig. Verloren ist der Kampf ums Kanzleramt deshalb aber noch lange nicht. Die SPD muss ihren Kandidaten Steinbrück allerdings schnellstens einfangen und eine Strategie erarbeiten, mit der sie sich von Kanzlerin Angela Merkel und der schwarz-gelben Regierung abgrenzen können. Und zwar nicht mit Sprüchen, sondern mit Inhalten.

Es wird höchste Zeit, dass die Sozialdemokraten klar machen, warum sie die bessere Alternative an den Schalthebeln der Macht sind. Das Gute für die SPD: Peer Steinbrück bleibt die Zeit, den Bürgern dies zu erklären.

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  • Der Plan ist doch eh die Umsetzung einer großen Koalition. Es läuft doch alles nach Plan.

    Steinbrück hat zwar nicht das Kanzlerformat, aber aus Reihen der SPD wird immer noch angegeben, dass er ihr "Bester" ist.

    Die Niedersachsenwahl zeigt den Trend. Die großen Volksparteien sind kaum oder nicht mehr in der Lage mit einer kleineren Partei eine regierungsfähige Regierung zu stellen. Alle andere Interpretationen scheint Geschwätz zu sein.

  • Steinbrück als dem "rhetorischen Überflieger" fällt keine andere Formulierung ein als, dass er "maßgeblich eine gewisse
    Mitverantwortung trage...".
    Entweder er hat eine maßgebliche "Mit"verantwortung, oder nur eine gewisse.
    Beides geht nicht.
    Schon diese Unklarheit in seiner Gedankenführung und bei seinen Formulierungskünsten zeigt, dieser Mann wurde überschätzt und ist genau so widersprüchlich in seinem politische Wollen, wie in seinen pol.Aussagen, wenn er seine pol. Turnkünste zelibriert und seinen verstolperten Spagatsprung vorführt, der vor allem dazu dienen sollte das bürgerliche Publikum hinters Licht zu führen.
    Das ist mißlungen und wird auch weiterhin mißlingen.

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