Kommentar
Speed-Beton

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Mit der Übernahme von Hanson steigt der größte deutsche Baustoff-Konzern Heidelberg-Cement in eine Liga mit Weltmarktführer Lafarge auf. Heidelberg beeindruckt vor allem mit einem: Geschwindigkeit. Umsetzungsstärke ist eines der Lieblingsworte von Bernd Scheifele. Bei einem homogenen Produkt wie Zement, das jeder herstellen kann, komme es vor allem auf Schnelligkeit und Kostendisziplin an, ist Scheifeles Devise. Seit gut zwei Jahren führt der enge Vertraute von Mehrheitseigentümer und Pharmaunternehmer Adolf Merckle den bis dato behäbigen Baustoffkonzern. Nach einem rigiden Kostensenkungsprogramm hat er in den vergangenen zwölf Monaten Zementwerke in Osteuropa, Asien und Afrika für über eine halbe Milliarde Euro zugekauft. Aber das war, wie sich jetzt zeigt, nur der Anfang in den Schwellenländern. In reifen Märkten hat Scheifele immer wieder von Nachholbedarf bei der vertikalen Integration gesprochen. Hanson ist mit über 6 Mrd. Euro Umsatz der letzte große britische Baustoffkonzern und passt wegen seiner Vorprodukte Kies und Sand genau zur rohstoffnahen Strategie von Heidelberg-Cement. Für den Quantensprung in der Unternehmensgeschichte muss der für seine Sparsamkeit bekannte Merckle tief in die Tasche greifen. Aber große strategische Schritte sind in der Regel keine Schnäppchen. Als Blaupause dient die Übernahme von BOC durch Linde. Mit einem Mix aus Kapitalerhöhung, Schuldenaufnahme und Verkauf von Randsparten können die Heidelberger den Brocken Hanson stemmen. Heidelberg wird wohl Maxit verkaufen und die Betonrohre sowie Dachziegel von Hanson dürften in dem neuen fokussierten Konzern kaum noch eine Zukunft haben. Ein Gegenangebot erscheint unwahrscheinlich. Lafarge kann aus kartellrechtlichen Gründen in Großbritannien kaum zukaufen und Cemex muss erst noch die Milliardenübernahme von Rinker verdauen. Bleibt für Scheifele zu hoffen, dass er keine bösen Überraschungen auf der Insel erlebt wie einst BMW mit Rover oder MAN mit dem britischen LKW-Hersteller ERF. Aber der promovierte Jurist Scheifele ist für seine Präzision bekannt und dürfte genau hingeschaut haben.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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