Kommentar
Streik ins Abseits

Für Frankreichs zerstrittene Gewerkschaften ist der Generalstreik nur ein Phyrrus-Sieg.

Zwar haben sich zum ersten Mal seit 1977 alle fünf Gewerkschaftsverbände hinter den Streikaufruf geschart, um gegen die Arbeitsmarktreformen der Regierung und für eine Stärkung der Kaufkraft zu demonstrieren. Aber schnell droht sich Katerstimmung breit zu machen. Bereits der massive Ausstand am 10. März ist politisch ohne größere Folgen geblieben.

Nicht die Masse der französischen Unternehmen und schon gar nicht der Staat haben das Geld für kräftige Lohnerhöhungen. Und die Arbeitsmarktreform ist längst in Kraft getreten. Die Regierung verlöre jegliche Glaubwürdigkeit, würde sie unter dem Druck der Straße die Reform wieder einkassieren. Da die Folgen des Streiks sich zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr in Grenzen halten, hat sie dazu auch keinen Anlass. Ein weiterer, weitgehend folgenloser Streik droht daher die bereits schwache Legitimationsbasis von Frankreichs Gewerkschaften weiter zu unterhöhlen. Sie streiken sich ins Abseits.

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