Kommentar
Strukturen zerbrechen

Es gibt nicht mehr viel, was im Irak noch Bestand hat. Denn in fast schon täglichem Rhythmus überschlagen sich die Katastrophenmeldungen. Mit der Ermordung des amtierenden Präsidenten des irakischen Regierungsrates heute wurde ein weiterer Mosaikstein aus den ohnehin so fragilen politischen Strukturen gebrochen. Doch um so mehr um sie herum zerfällt, desto stärker verbeißen sich die USA in den Termin des 30. Juni als Datum der Machtübergabe. Aus ihrer Sicht bleibt ihnen keine andere Wahl. Denn eine zeitliche Verschiebung bringt keinesfalls einen politischen Gewinn - nicht unter diesen Bedingungen.

Aber auch nach dem 30. 6. wird sich nichts ändern, wenn einer irakischen Regierung keine echten Befugnisse überantwortet werden. Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass Washington in einer Art Schattenregierung aus der neuen US-Botschaft in Bagdad die Geschicke des Landes weiter lenken will. Wäre dies der Fall, wird die irakische Führung kein Jota mehr Legitimität besitzen, als dies bisher der Fall war. Und der Terror wird weitergehen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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