Kommentar
Symbol Sindelfingen

Wenn heute im Mercedes-Werk in Sindelfingen 10 000 Beschäftigte auf die Straße gehen, wollen sie ihre Besitzstände verteidigen.

Sie möchten Gehalt und Zusatzleistungen, ihre Pausen- und Urlaubszeiten behalten. Das ist ihr gutes Recht. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hingegen will die Kosten für die Fertigung in Sindelfingen auf das Niveau anderer Standorte senken. Das ist nicht nur sein Recht, sondern als Unternehmensführer auch seine Pflicht.

Am Fall Sindelfingen lässt sich erkennen, wie sich die Stimmung in Deutschland gewandelt hat, seit Siemens-Chef Heinrich von Pierer der IG Metall längere Arbeitszeiten für einzelne Werke abgetrotzt hat. Er hat damit öffentlich vollzogen, was sich in einigen kleineren Unternehmen unbemerkt von der Öffentlichkeit seit einigen Jahren verändert hat. Dabei geht es nicht nur um das Reizthema Arbeitszeit, sondern um alles, was eine Produktion in Deutschland günstig – oder eben ungünstig – macht.

Die Globalisierung mit ihren Möglichkeiten zur Produktionsverlagerung hat das Machtverhältnis zwischen Unternehmern und Gewerkschaften nachhaltig zu Gunsten der Arbeitgeber verschoben. Es wird nun Zeit, dass mehr Arbeitgeber auch Arbeitgeber-Positionen vertreten und sich nicht weiter zähneknirschend in faule Kompromisse flüchten, die früher oder später zu einer Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland führen. Der Konflikt zur rechten Zeit ist am Ende nicht nur ehrlicher, sondern auch sozialer – oder „patriotischer“, wie es CSU-Chef Edmund Stoiber nennt – als die geballte Faust in der Tasche mit späterer Flucht außer Landes. Viele Arbeitgeber, die schlechte Rahmenbedingungen in Deutschland beklagen und den Finger mahnend Richtung Bundesregierung heben, sind Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen eingegangen, die über das gesetzlich Erforderliche wie das betriebswirtschaftlich Vertretbare hinausgehen und Jobs gefährden.

Zurück nach Sindelfingen: Es steht zu befürchten, dass die IG Metall – nach dem sinnvollen Einlenken bei Siemens argumentativ geschwächt – das süddeutsche Mercedes-Werk zum Symbol im Kampf gegen die Arbeitgeber stilisiert. Vielleicht setzt sie sich damit sogar durch. Langfristig jedoch wäre das für die Arbeitnehmer eine Niederlage.

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