Kommentar
Symptom für eine schwerkranke Euro-Zone

Weil die Investoren nach sicheren und liquiden Anlagen gieren, muss der Bund für eine neue Anleihe keinen Cent an Zinsen zahlen. Das freut den Fiskus. Gleichzeitig ist es Symptom für eine schwerkranke Euro-Zone.
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Die potenziellen Lasten aus der Euro-Krise sind für Deutschland und seine Steuerzahler enorm, doch aktuell ist Deutschland zumindest an den Märkten der große Profiteur der Ängste um die hochverschuldeten Mitglieder im Euro-Raum. Denn Deutschland gilt für viele Investoren als die sicherste Anlage, in denen man seine Euro parken kann. Die Folge: Anleger leihen Deutschland für immer weniger Zinsen Geld - der Bund genießt einen "Free Lunch" an den Märkten.

Gestern gab es dabei einen neuen Rekord. Die neue zweijährige Bundesanleihe, die Berlin auf den Markt brachte, hat einen Zinsschein von nur null Prozent. Das ist noch spektakulärer als die Momentaufnahme vom Januar. Damals hatte der Bund Sechsmonatspapiere begeben und daran 0,0122 Prozent verdient.

Geldmarktpapiere mit Laufzeit von drei bis zwölf Monaten haben aber generell keinen Kupon. Die Anleger verdienen zwischen der Differenz von Ausgabe- und Rückzahlungskurs. Der Ausgabekurs lag im Januar über dem Rückzahlungskurs, und im Handel notiert der Kaufkurs vieler deutscher Geldmarktpapiere ebenfalls über dem, was die Investoren zurückbekommen.

Die neue zweijährige Bundesanleihe dürfte sich ähnlich entwickeln. Auch hier ist damit zu rechnen, dass der Kaufkurs im Handel über den Rückzahlungswert steigt, und die Rendite deshalb negativ wird, nachdem sie mit einem kleinen Abschlag unter dem Nominalwert von 100 Prozent begeben wurde. Grund zum Jubeln ist das aber auch für uns Deutsche nicht. Schließlich steckt hinter den Käufen zum einen die große Not der Anleger. Institutionelle Investoren können ihr Geld nicht in großem Stil in Tages- oder Festgeldkonten parken wie Privatanleger. Dafür sind die Summen, die sie anzulegen haben, zu groß und die Renditen für Großanleger nicht attraktiv genug. Wer sein Geld liquide - also jederzeit verfügbar - und dazu noch sicher anlegen will, greift deshalb zu Bundesanleihen. Von denen lassen sich schließlich auf einen Schlag mehrere Millionen Euro jederzeit problemlos auch wieder verkaufen.

Zum anderen zeigt die Attraktivität der Bundesanleihen ohne Zins, wie sehr die Spekulationen gegen den Euro zunehmen. Denn zumindest einige Investoren dürften die Bundespapiere auch kaufen, um Anlagen in einer Währung zu halten, die bei einer Aufgabe des Euros steigen dürfte. Schon deshalb wäre es wünschenswert, dass Deutschland bald wieder etwas mehr für seine Anleihen zahlen muss.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Symptom für eine schwerkranke Euro-Zone"

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  • aha, man soll jetzt bundespapier kaufne, weil die so sicher sind?
    Hahaha, ich lach mir einen AST ab, das ist reine Propaganda !
    Wir kaufen GOLD und das schon seit langem. Eure komischen ZETTEL egal ob Euro Dollar oder Anleihen wollen wir nciht !

  • Eigenartig, dass Schäuble, Gabriel und Steinbrück nicht die Spekulanten dafür verantwortlich machen.

  • Noch ist Deutschland sicher,
    aber die anderen EU-Länder werden Deutschland mit ins Chaos ziehen. Die EU ist nur noch eine Transaktionsunion von Deutschland nach Rest-EU. Die EU-Führung unterstützt dies noch und unternimmt nichts gegen die Verschuldungsspirale.

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